Ungeleert standen die grauen Restmülltonnen am nächsten Morgen immer noch auf der Schwerterheide, nachdem die Müllabfuhr am Dienstag nicht gekommen war. © Reinhard Schmitz
Stadt Schwerte

Müllchaos auf der Heide: Blaue Tonnen wurden geleert, die grauen nicht

Die eine Tonne war leicht, die andere noch schwer, als man sie wieder ans Haus holen wollte. Nur das Altpapier hatte die Stadt auf der Schwerterheide abgeholt. Den Restmüll ließ sie stehen.

Hatte die Stadt das Geld etwa so dringend nötig? Diese Frage stellten sich am Dienstagabend Bürger auf der Schwerterheide. Als sie auf Feierabend nach Hause zurückkamen, waren lediglich die blauen Altpapiertonnen, deren Inhalt sich mehr oder weniger lukrativ verkaufen lässt, ordnungsgemäß abgefahren.

Die grauen Restmülltonnen daneben hatten die Mitarbeiter des Bauhofs indes unbeachtet und ungeleert am Straßenrand stehen lassen. Wie konnte das passieren?

Wegen eines Warnstreiks fuhren nicht alle Müllfahrzeuge

„Warnstreikbedingt waren gestern nicht alle Entsorgungsfahrzeuge des Baubetriebshofs besetzt“, erklärte Antonio Pitasi aus dem Bürgermeisterbüro am Mittwoch auf Anfrage: „Daher konnten die Restmüllgefäße im Bereich der Schwerterheide nicht entleert werden.“

Bei der Gewerkschaft Verdi in Dortmund bestätigte Gewerkschaftssekretärin Ramona Wolf, dass in Schwerte die ganze Stadtverwaltung bestreikt worden sei – nicht nur der Bauhof, sondern auch die Verwaltungen im Rathaus, im Rathaus II und im Rathaus am Stadtpark. Nur die Mitarbeiter der Kindergärten seien dem Aufruf nicht gefolgt, der im Zusammenhang mit den schwierigen Tarifverhandlungen für die Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes in Deutschland steht.

Beim Bauhof ist die Beteiligung an Streikmaßnahmen nach den Erfahrungen von Verdi meisten sehr groß. Im Schnitt zeigten sich 80 Prozent der Mitarbeiter, die in der Gewerkschaft organisiert sind, solidarisch.

Stadt verspricht: Abfuhr wird am nächsten Tag nachgeholt

Die Positionen der Tarifparteien liegen derzeit noch weit auseinander, wie Ramona Wolf berichtet. Während Verdi ein Lohnplus von 4,8 Prozent bei einer Laufzeit von einem Jahr fordert, hätten die Arbeitgeber bislang lediglich 3,5 Prozent, gestaffelt über eine Laufzeit von drei Jahren, angeboten. Ein weiterer Knackpunkt sei die vom Arbeitgeberverband angestrebte Veränderung des Eingruppierungssystems, bei der die Gewerkschaft eine Schlechterstellung ihrer Mitglieder vor allem bei Neueinstellungen oder Arbeitsplatzwechseln befürchtet. Außerdem geht es um die Angleichung der Bezahlung in Ost und West. Die Tarifverhandlungen werden am Donnerstag und Freitag, 22. und 23. Oktober, fortgesetzt. „Ich gehe davon aus, dass beide Seiten einen Abschluss wollen“, zeigte sich Ramona Wolf zuversichtlich.

Wenn das gelänge, blieben den Schwertern weitere Streikauswirkungen erspart. Die Heidebürger waren gut beraten, wenn sie die nicht abgefahrenen grauen Mülltonnen einfach weiterhin am Bürgersteig stehen ließen. „Wie in solchen Fällen üblich, wird die Entsorgung des Restmülls heute nachgeholt“, erklärte Stadtsprecher Antonio Pitasi am Mittwoch weiter.

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Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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