Kilometerlange Schlangen bildeten sich zu Jahresbeginn in den sauerländischen Wintersportorten. © picture alliance/dpa
Futsal

Müllberge und Urinieren in den Vorgarten: „Einfach nur Chaos“ im Sauerland

Schmallenberg im Sauerland ist zurzeit eine ruhige Winter-Idylle - sieht man mal von den Wochenend-Touristen ab. Ein ehemaliger Schwerter Futsaler lebt in Schmallenberg und berichtet.

Als wir ihn am Handy erwischten, war er gerade dabei, sich auf den Weg in die Loipe zum Skilanglauf zu machen – in Schmallenberg, nur einen Steinwurf entfernt von seinem Zuhause. Nur etwa hundert Meter müsse er draußen gehen, „dann habe ich einen ganz tollen Ausblick“, erzählt der 37-Jährige, „es ist wirklich eine schöne Landschaft hier.“

Die Rede ist von Tino Ruggio. Der Italiener ist im tiefsten Sauerland aufgewachsen und lebt dort, denkt aber auch gerne an seine Schwerter Zeit zurück. Ruggio spielte von 2010 bis 2017 Futsal für die Holzpfosten und war ein fester Bestandteil der „Pfosten“-Erfolgsgeschichte, inklusive der beiden Endspiele um die Deutsche Meisterschaft 2014 und 2015.

Mit feuchten Augen bedankt sich Tino Ruggio (Mitte) hier nach dem unglücklich verlorenen Endspiel um die Deutsche Meisterschaft der Holzpfosten-Futsaler 2015 für die Unterstützung der Anhänger. © Bernd Paulitschke © Bernd Paulitschke

Wo Ruggio wohnt, präsentiert sich in diesen Tagen und Wochen eine Winter-Idylle, wenn da nicht am Wochenende die Masse an Touristen wäre – in Corona-Zeiten mehr denn je. Und in Corona-Zeiten offenbar auch unvernünftiger denn je.

Tino Ruggio ist weit entfernt von einem Touristen-„Bashing“. „Im Gegenteil – ich weiß ja, dass viele Menschen bei uns im Ort und in der Region vom Tourismus leben.“ Aber die Berichte von den chaotischen Zuständen, die vor allem in der Woche nach Weihnachten sowie am ersten Januar-Wochenende geherrscht haben, kann der Schmallenberger nur bestätigen.

SUVs mit Sommerreifen im Straßengraben

„Es war einfach nur Chaos“, berichtet der 37-Jährige. Er wohnt in der „Einflugschneise“ nahe der Durchfahrtstraße nach Winterberg – und konnte teilweise nur mit dem Kopf schütteln über die kilometerlangen Schlangen von Autos, die sich allenfalls mit Schrittgeschwindigkeit fortbewegten, oder über die SUVs mit Sommerreifen, die aus dem Straßengraben gezogen werden mussten.

„Und HSK-Kennzeichen waren da nicht dabei“, erzählt Ruggio. Viel mehr ließen die Nummernschilder auf jede Menge Gäste aus dem Ruhrgebiet schließen, die sich offenbar nach dem Motto „Wir wollen einfach mal raus“ trotz aller Warnungen auf den Weg ins vermeintliche Winter-Wunderland gemacht hatten.

Die gute Kinderstube zuhause gelassen

Und manch einer hatte seine gute Kinderstube zuhause gelassen. „Fast jeder aus dem Ort hatte eine Geschichte zu erzählen“, so Ruggio. Dass da hemmungslos Müll hinterlassen und sogar in die Vorgärten uriniert wurde, sei keine Erfindung der Medien gewesen.

Die Region Schmallenberg ist verschneit. © Tino Ruggio © Tino Ruggio

Am vergangenen Wochenende ist es dann offenbar nicht mehr ganz so wild – das Schließen der Gastronomie und der Skilifte, das Sperren der Parkplätze und vielleicht ja auch der öffentliche Appell, nicht zu kommen, scheint die erhoffte Wirkung gehabt zu haben. Oder ist das nur die Ruhe vor einem erneuten Sturm? „Man weiß es nicht – wir werden es am Wochenende sehen“, meint Tino Ruggio.

Spätestens ab Montag dürfte es dann wieder entspannter zugehen im Sauerland. Und Ruggio wird vielleicht in der Loipe wieder seine Meter machen und die Vorteile eines HSK-Einheimischen genießen. In echter Winter-Idylle. Ohne Touristen aus dem Ruhrgebiet.

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Michael Doetsch

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