Mord-Prozess gegen Michael S. - Gericht lädt nachträglich JVA-Mitarbeiter als Zeugen vor

dzMord an 72-Jähriger

Im Mord-Prozess gegen Michael S. hat das Gericht zwei weitere Zeugen geladen: zwei Mitarbeiter der JVA Schwerte. Hätte man dort vorher sehen können, dass etwas Schreckliches passieren wird?

Ergste

, 03.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer soll als Zeuge beim Prozess geladen werden? Darauf einigen sich Richter, Verteidiger und Staatsanwalt im Regelfall schon lange vor dem ersten Verhandlungstag. Dann wird auch eine Reihenfolge festgelegt: Zeuge A an Prozesstag 1 um 9 Uhr, Zeuge B dann ab 9.30 Uhr, die Zeugen C und D ab 10, der Sachverständige ab 11, und so weiter.

Abweichungen von solchen Plänen sind üblich, gerade zur Ferienzeit. Vielleicht ist Zeuge B dann im Urlaub und kann stattdessen an einem der anderen Prozesstage. Dann wird der Zeitplan durcheinandergewürfelt.

Ging von Michael S. tatsächlich keine Gefahr mehr aus?

Ab und an gibt es aber auch in gut vorbereiteten Strafgerichtsprozessen neue Entwicklungen oder Erkenntnisse oder Nachfragen. Auf jeden Fall etwas, das die verantwortlichen Richter dazu veranlasst, weitere Zeugen zu laden, die bisher nicht auf der Liste standen.

So ist es auch im Mord-Prozess gegen Michael S., dem zur Last gelegt wird, am 9. Januar eine 72-jährige Frau in Ergste umgebracht zu haben. 28 Jahre saß S. in unterschiedlichen Gefängnissen - als Folge von Sexualmord und Raub im Jahr 1990. Am 4. Oktober 2018 wurde S. nach mehreren Jahren aus der JVA in Schwerte-Ergste entlassen. Am 9. Januar 2019 fand man die Leiche der 72-Jährigen - im Haus, das keine hundert Meter von den JVA-Mauern an der Gillstraße entfernt liegt.

Ein Gutachter hatte 2018 bescheinigt, dass von S. keine Gefahr mehr ausgehe und er deshalb eine zweite Chance in Freiheit verdient habe. Auch im Prozess ist nun ein Gutachter beschäftigt. Seine Aufgabe: Michael S., der im Prozess schweigt, aus psychologischer Sicht zu beurteilen.

Gutachter regte an, zwei Mitarbeiter der JVA in Ergste zu hören

Dieser vom Gericht bestellte Gutachter hatte nun den Wunsch, weitere Zeugen zu laden: zwei Mitarbeiter der JVA an der Gillstraße. Interessant für das Gericht sind zwei Fragen: Wie hat sich Michael S. verhalten? Und welchen Rückschluss lässt das zu auf seine Persönlichkeit? Das kann einerseits interessant sein, wenn es um das reine Strafmaß geht - und andererseits, wenn es um die Frage geht, ob eine Sicherungsverwahrung angeordnet wird. Ob das Gericht also beschließt, dass der Verurteilte auf keinen Fall mehr in Freiheit kommen darf.

Nicht für das Gericht, wohl aber für die Öffentlichkeit ist etwas anderes ebenfalls interessant: Hätte man in der JVA Schwerte erkennen müssen, dass da jemand sehr wohl weiter gefährlich ist? Die JVA-Leitung sagt nichts dazu - mit dem Hinweis auf das schwebende Verfahren. Aus Mitarbeiterkreisen und von Mithäftlingen war in den Monaten nach der Tat allerdings zu hören, dass Michael S. eine Sonderrolle in der JVA hatte, dass ihm mehr nachgesehen wurde als anderen.

Die Meinung der Menschen, die sich ehrenamtlich um JVA-Inhaftierte kümmern, sind geteilt. Auch das wurde nach der Tat selbst und im Prozess deutlich. Einige erinnern sich an einen Mann, der sich vorbildlich verhalten habe bis kurz vor der Tat. Ein Helfer war aber auch der Ansicht, Michael S. sei „ein Aufschneider und Weltmeister, der sich an keine Regeln hält“.

Noch drei Prozesstage

So geht es weiter bis zum Urteil

Vier Prozesstage sind schon gelaufen. Drei weitere stehen noch an. Neben den beiden JVA-Mitarbeitern wird unter anderem eine Schwester von Michael S. in den Zeugenstand gebeten. Zudem schildern weitere Gutachter ihre Sicht der Dinge - unter anderem der Psychologe. Der Prozess geht weiter am Dienstag und Mittwoch, 13. und 14. August, jeweils ab 9 Uhr. Das Urteil wird am Donnerstag, 29. August, gesprochen.
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