Die Särge mit Toten, die an oder mit Covid gestorben sind, dürfen auch im Krematorium nur unter großen Schutzvorkehrungen gelagert und transportiert werden. © picture alliance/dpa
Covid-19

Meldung über Schwerter Corona-Tote fast drei Monate nach dem Todestag

Das Kreis-Gesundheitsamt meldete am Mittwoch (3.2.), dass eine Frau aus Schwerte mit Corona gestorben sei – und das bereits am 16. November 2020. Wieso kommt die Meldung erst jetzt?

Der Kreis Unna gibt an jedem Werktag nachmittags einen Statusbericht über die aktuellen Corona-Zahlen im Kreisgebiet. Aufgeführt werden die aktuellen Zahlen der Neuinfektionen, der Genesenen, die aktiven Fälle, die Zahl der Infizierten in den Kliniken und eben auch die der Verstorbenen.

Beigefügt ist auch immer ein kurzer Text, aus welcher Stadt die Menschen kamen, die im Zusammenhang mit Corona gestorben sind, und wie alt sie waren.

Oft ist das Todesdatum schon einige Tage her. Am Mittwoch (3.2.) meldete man sogar den Tod einer 71-jährigen Schwerterin, die bereits am 16. November gestorben ist.

Warum es in diesem speziellen Fall so lange dauerte, bis der Kreis den Todesfall in seine Statistik aufgenommen hat, konnte man im Kreishaus am Donnerstag (4.2.) nicht beantworten. Einen genauen Grund für diesen Einzelfall wisse man nicht, sagte Kreissprecherin Birgit Kalle auf Anfrage.

Die Verzögerung von fast drei Monaten sei außergewöhnlich. Aber es gebe durchaus Gründe, warum es bei den Meldungen über die Corona-Toten oft zu Verzögerungen komme.

Manchmal vergisst der Hausarzt die Vorab-Meldung

Eigentlich sollen die Ärzte, die den Tod feststellen, die Corona-Todesfälle vorab beim Gesundheitsamt melden. Doch es komme immer wieder vor, dass der Hausarzt diese Meldung vergisst. Und man dann warten muss, bis der Totenschein im Gesundheitsamt eintrifft. Der besteht in NRW aus zwei Teilen. Der vertrauliche Teil geht direkt an die Gesundheitsbehörde, der andere an das Standesamt.

Im vertraulichen Teil muss der Arzt die Todesursache feststellen, ob sie mit einem bestehenden Leiden oder unabhängig eingetreten ist und begründen, wie er das festgestellt hat. Die Formulare werden in der Regel per Hand ausgefüllt (mit Durchschrift). „Da kommt es schon mal vor, dass die dann auch wieder an den Arzt zurückgeschickt werden, weil sie unleserlich sind“, sagt Kreissprecherin Kalle.

Und auch für die Hausärzte ist die Feststellung der Todesursache manchmal ein aufwendiges Geschäft. „Es ist oft nicht einfach, eine Todesursache zu benennen“, sagte Dr. Thomas Huth, Geschäftsführer des Gesundheitsnetzes Unna, in einem Interview mit dieser Zeitung im vergangenen Monat. Ihm sind die Verzögerungen bei den Todesmeldungen durchaus bekannt.

Im Zweifelsfall den Amtsarzt einschalten

In Zweifelsfällen müsse zuweilen auch ein Amtsarzt hinzugezogen werden. Sobald der Arzt Zweifel an der natürlichen Todesursache hat und ein Unfall oder eine Straftat im Raum stehen, kommt auch eine Obduktion in Betracht, zum Beispiel bei staatsanwaltlichen Ermittlungen. Eine Feststellung der genauen Todesursache könne daher unter Umständen auch drei bis vier Wochen dauern.

Das ganze muss übrigens nichts mit Corona zu tun haben. Denn der Kreis meldet nicht, ob die Corona-Infektion ursächlich für die Todesfälle war oder ob der Patient an einer Vorerkrankung gestorben ist.

In der oft komplizierten Gemengelage aus schwerer Infektion und erheblichen Vorerkrankungen ist das auch oft nicht auseinanderzuhalten. Deshalb schreibt die Redaktion in diesem Zusammenhang stets, dass die Menschen mit Corona gestorben sind.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
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Heiko Mühlbauer

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