Mehr Bewerber als Grundstücke: Wie sucht die IEG die künftigen Bauherren aus?

dzAuf dem Knapp/Zum Hinkeln

Wer bekommt ein Baugrundstück in der neuen Ergster Siedlung Auf dem Knapp/Zum Hinkeln? Und wer bekommt keins? Und warum eigentlich nicht?

Ergste

, 07.07.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Ergster Projekt der neu gegründeten Immobilienentwicklungsgesellschaft (IEG) läuft gut an. Die Gesellschaft aus Stadt, Sparkasse und Stadtwerke Schwerte entwickelt, erschließt und vermarktet die Wohnbauflächen Auf dem Knapp/Am Hinkeln. Offenbar mit großem Erfolg, denn Geschäftsführer Volker Meier berichtet, dass die Grundstücke „vielfach überzeichnet“ waren. Will heißen, es gibt 27 Bauplätze und ein Vielfaches an Bewerbern. „Unterm Strich“, so Meier im Gespräch mit dieser Zeitung, „gibt es unter den Bewerbern leider mehr Verlierer als Gewinner.“

Ist eine Finanzierung durch die Sparkasse Bedingung für den Verkauf?

In der zahlenmäßig größeren Gruppe der Verlierer regt sich vereinzelt Widerstand gegen die Ablehnung. Ein unterlegener Bewerber wirft der IEG vor, er habe das gewünschte Grundstück nur deshalb nicht bekommen, weil er sein Bauvorhaben bei einer anderen Bank als der Sparkasse habe finanzieren wollen. Volker Meier weist einen solchen Vorwürf zurück. Er erklärt das Vorgehen der IEG: „Für uns als Verkäufer ist eine gesicherte Finanzierung Voraussetzung für einen Verkauf. Bei welchem Institut der Käufer finanziert, ist uns egal.“ So sei tatsächlich „ein bunter Strauß“ von Finanzierungsmodellen zusammengekommen.

Es sei deutlich zu spüren, dass die Erbengeneration auf dem Markt unterwegs sei. Kaum ein Bewerber gehe ohne Eigenkapital an die Verwirklichung seines Traums vom Eigenheim. Je geringer der Kreditbedarf des Bauherrn, desto geringer gleichzeitig das Risiko der Banken.

Bauverpflichtung gilt innerhalb von zwei Jahren

Um auch das Risiko für die IEG so überschaubar wie möglich zu halten, mussten die Bewerber ihre Finanzierung, ihre Bauplanung sowie Nachweise über ihr Eigenkapital vorlegen. Meier: „Als städtische Gesellschaft haben wir natürlich kein Interesse an Bauruinen.“ Der Kaufvertrag enthalte im Übrigen auch eine Bauverpflichtung binnen zwei Jahren. „Mit diesen Grundstücken soll nicht spekuliert werden.“

Die Grundstücke Auf dem Knapp kosten zwischen 109.000 und 350.000 Euro. Am Hinkeln liegen die Preise je nach Lage und Größe zwischen 203.000 und 340.000 Euro - und diese Preise sollen nach Angaben von Interessenten im Laufe des letzten Jahres bereits gestiegen sein. Das hat die zahlreichen Interessenten jedoch nicht davon abhalten können, entscheidungsfähige, vollständige Bewerbungen bei der IEG einzureichen.

Dass die IEG immer wieder Nachbesserungen an seinem Finanzierungsmodell verlangt habe, kritisiert ein Bewerber indes als Hinhaltetaktik. Sein Wunsch-Grundstück sei schließlich anderweitig vergeben worden, für die von ihm gewünschte Alternative sei er der IEG offenbar nicht zahlungskräftig genug erschienen. Er habe letztlich „die Nase voll gehabt“ und sich inzwischen für ein anderes Projekt in Schwerte entschieden.

Immobilien Entwicklungsgesellschaft soll Wohnungsmarkt steuern

Partner: Stadt, Stadtwerke und Sparkasse

  • Die Immobilien Entwicklungsgesellschaft ist auf Betreiben des Rates 2017 an den Start gegangen. Anteilseigner sind die Stadt (76 Prozent) und ihre beiden Töchter, die Stadtwerke und die Sparkasse. Gemeinsam will man den Wohnungsmarkt steuern.
  • Als Geschäftsführer fungieren Holger Gies (Stadtwerke) und Volker Meier (Sparkasse). Prokurist ist David Weber (Stadt Schwerte).
  • Das Neubaugebiet in Ergste ist das erste große Projekt der IEG.
  • Die Pläne stoßen nicht überall auf Gegenliebe. Vor allem Nachbarn, die vor einigen Jahrzehnten am Feldrand gebaut haben, kritisieren die Baupläne scharf.
Lesen Sie jetzt