Mann (35) in Ergste gefoltert: Ein Tatverdächtiger ist auf der Flucht

dzErpressung unter Leiharbeitern

Wie viele Täter waren es wirklich, die einen 35-Jährigen in Ergste tagelang gefoltert haben, wohl um Geld zu erpressen? Jetzt gibt es einen weiteren Verdächtigen. Und der ist auf der Flucht.

Ergste

, 07.08.2020, 16:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Getreten, geschlagen, gefesselt, anderweitig schrecklich gequält – wenn es stimmt, was Polizei und Staatsanwaltschaft vermuten, dann ist ein 35-jähriger Mann im Juli drei Tage lang gefoltert worden von seinen Arbeitskollegen.

Sie alle waren Leiharbeiter aus Polen, untergebracht in einem Gebäudekomplex in Schwerte-Ergste. Nachbarn berichten von ausschweifenden Feiern, von einem Personalwechsel alle paar Wochen, von vermutlich großer Enge in den einzelnen Wohneinheiten in diesem und anderen Gebäuden an dieser Straße in einer ansonsten recht gutbürgerlichen Wohngegend.

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25-Jähriger soll Geld aufs eigene Konto überwiesen haben

Im Zuge der Ermittlungen rückte nun ein weiterer Mann in den Fokus: 25 Jahre alt, ebenso wie das Opfer (35) und die drei bisher ermittelten Tatverdächtigen (22, 26, 29) aus Polen.

„Diese Person wird verdächtigt, dass sie Geld vom Konto des Geschädigten auf das eigene Konto transferiert hat“, erklärte am Freitag Jörg Kleimann, Sprecher der Staatsanwaltschaft in Hagen. Zumindest zeitweise soll der 25-Jährige an der Misshandlung beteiligt gewesen sein.

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Neuer Tatverdächtiger ist auf der Flucht

Die begannen nach den bisherigen Erkenntnissen in der Nacht von Samstag auf Sonntag, 18. auf 19. Juli, und dauerten an bis Dienstagnachmittag, 21. Juli. Nach einem Tipp polnischer Ermittler hatte die Polizei das Folter-Opfer aus dem Haus an der Straße Am Derkmannsstück befreit.

Das Problem: Der neue Tatverdächtige ist auf der Flucht, wie Kleimann erläutert. Gänzlich überraschend wirkt das nicht. Nachbarn hatten berichtet, wie am Wochenende nach der Tat das ganze Haus leer wurde.

Die jungen Männer seien allesamt weg. Zudem sei einiges weggeräumt worden. Man vermutete eine Rückkehr der Leiharbeiter nach Polen.

Tagelang waren die Türen versiegelt. Danach wurde das Haus offenbar in größerem Stil geleert.

Tagelang waren die Türen versiegelt. Danach wurde das Haus offenbar in größerem Stil geleert. © Reinhard Schmitz

Haftbefehl ist europaweit ausgeschrieben

In welchem Land sich der 25-Jährige nun aufhalte, sei jedoch egal, unterstreicht Staatsanwaltschaftssprecher Kleimann. Der Haftbefehl werde europaweit ausgeschrieben. Anders gesagt: Selbst bei einer Verkehrskontrolle in Polen wüsste man dann, dass der Mann gesucht werde. Und Kleimann weiß aus eigener Erfahrung: Die Zusammenarbeit mit den polnischen Behörden laufe reibungslos und gut.

Und egal ob man den 25-Jährigen nun schnappe oder nicht – die gesamten Vorbereitungen auf einen Prozess halte das ja nicht auf. Aktuell würden die Zahlungsflüsse zwischen den Konten ausgewertet. Auch Zeugenbefragungen liefen weiter.

Notfalls ein Verfahren gegen die anderen drei

Die drei anderen Verdächtigen sitzen weiterhin in U-Haft. Allein schon deshalb sei „Eile geboten“, wie Kleimann erklärt. Ohne weitere Begründung darf eine U-Haft in Deutschland nicht länger als sechs Monate dauern. Wenn die Staatsanwaltschaft Anklage erhebe, so Kleimann, mache sie das idealerweise „spätestens nach der ersten Hälfte dieser Frist“.

Auch mehrere Verfahren seien denkbar: erst gegen die drei, später gegen den noch Flüchtigen.

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