Auf der Fotomontage der Eisenbahnfreunde Schwerte steht der historische Bahnsteigdach-Träger schon als Denkmal auf dem Bahnhofsvorplatz. © Wolfgang Güttler (Montage)
Eisenbahnfreunde Schwerte

Mahnmal für 300 Bombenopfer: Spendensammlung per Crowd im Internet

Einen Pfeiler vom Bahnsteigdach, der den schwersten Luftangriff auf Schwerte überstand, wollen Eisenbahnfreunde als Mahnmal aufstellen. Sie brauchen noch Spenden, weil sie bei der Statik viel Pech gehabt hätten.

Die eisernen Zeitzeugen lassen die Kriegsgräuel noch eindringlicher spüren als die Sätze des Chronisten. „Die Nachfrage nach Trauerkleidung ist ungeheuer. Es gibt nur ein Thema: Die große, große Not, die die Stadt getroffen hat“, schrieb Norbert Kaufhold unter dem Eindruck des verheerenden Fliegerangriffs auf Nickelwerk und Rangierbahnhof vom 31. Mai 1944 in sein Tagebuch.

„Furchtbare Verwüstungen“ hätten die Bombenabwürfe angerichtet, bei denen rund 300 Menschen starben. Wie tödlich die Wucht der Bombensplitter war, ließ sich an einem massiven Stahlpfeiler vom alten Bahnsteigdach des Bahnhofs Schwerte ablesen. Durchsiebt von Einschlägen, überstand er am Gleis nach Dortmund und Iserlohn den Krieg und wurde erst Ende 2018 bei der Bahnhofs-Modernisierung abgebaut.

Für die Aufstellung werden noch letzte Spenden benötigt

Die Eisenbahnfreunde Schwerte haben die stählerne Stütze vor der Verschrottung bewahrt, um sie als Mahnmal gegen den Krieg vor dem Bahnhof aufzustellen. Das Projekt ist schon weit fortgeschritten. Bei einer Fachfirma vom ursprünglichen Rostschutzanstrich aus giftiger Bleimennige befreit, lagern die Teile derzeit im Bauhof.

Ihr künftiger Platz ein Stückchen links vom Bahnhofseingang, wo keine Rohre oder Kabel verbuddelt sind, ist auch schon gefunden. Doch um die Fundamente setzen und den Kran bestellen zu können, werden noch ein paar letzte Spenden benötigt.

Stummer Zeitzeuge: Von Bombensplittern und Schüssen der Flugzeug-Bordwaffen durchsiebt wurde der Träger des Bahnsteigdachs im Zweiten Weltkrieg.
Stummer Zeitzeuge: Von Bombensplittern und Schüssen der Flugzeug-Bordwaffen durchsiebt wurde der Träger des Bahnsteigdachs im Zweiten Weltkrieg. © Wolfgang Güttler © Wolfgang Güttler

„Wir haben bei der Statik sehr viel Pech gehabt“, berichtet Wolfgang Güttler von den Eisenbahnfreunden. Die Berechnungen des Statikers hätten einer Prüfung bei der Stadtverwaltung nicht standgehalten, die versprochene Nachbesserung sei nie gekommen. Deshalb habe man einen zweiten Statiker beauftragen müssen, der ebenfalls seine ursprünglichen Pläne noch einmal verändern musste – verbunden mit zusätzlichen Kosten.

Deswegen wird das Geld knapp, obwohl sowohl der Heimatverein als auch der Technopark je einen 2000-Euro-Heimatscheck vom NRW-Heimatministerium für das Projekt eingeworben haben und es auch weitere Unterstützer wie die Eisenbahner-Wohnungsbaugenossenschaft und die Volksbank gab.

Spendensammlung in der Schwerte-Crowd im Internet gestartet

Für die letzten noch fehlenden Euro haben die Eisenbahnfreunde deshalb eine Spendensammlung im Internet über die Schwerte-Crowd gestartet, die von der Sparkasse und den Stadtwerken Schwerte initiiert worden ist und beispielsweise schon das Schwerter Sagenbuch ermöglicht hat.

Ziel sei eine Summe von 1200 Euro, erklärt Wolfgang Güttler: „Wenn die nicht erreicht wird, bekommen die Unterstützer ihr Geld wieder zurück.“ Gehofft wird natürlich, dass der Betrag zusammenkommt. Die ersten Gelder seien bereits eingegangen, damit der Bahnsteigträger bis Ende Juni aufgestellt werden kann.

Spendensammlung per Schwerte Crowd
  • Die Schwerte Crowd ist eine Spendensammlung im Internet, die von der Stadtsparkasse und den Stadtwerken vor einem Jahr gestartet worden ist.
  • Auf der Plattform sind bisher 13 Projekte erfolgreich abgeschlossen worden mit einer gesammelten Summe von zusammen fast 40.000 Euro.
  • Aktuell wird neben der „Portalstütze auf dem Bahnhofsvorplatz“ der Eisenbahnfreunde unter anderem für Geisecker Streuobstwiesen und LED-Flutlicht auf dem Sportplatz Geisecke gesammelt.
  • Aus einem Fördertopf wollen Stadtwerke und Stadtsparkasse die Spenden noch erhöhen. Jeden Monat stellen sie 500 Euro zur Verfügung. Für eine Spende ab 10 Euro legen sie noch einmal 5 Euro obendrauf – aber nur einmal pro Spender und solange der Topf gefüllt ist. Außerdem muss das Projekt am Ende erfolgreich sein.
Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz
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