Machtkampf bei der AfD im Kreis Unna: Neuer Kreissprecher kommt aus Schwerte

dzVorstandswahl nach Turbulenzen

Der Machtkampf bei der AfD Kreis Unna ist vorerst entschieden. An einem vergeblich geheim gehaltenen Ort wählten die Mitglieder einen neuen Vorstand. Der neue Kreissprecher hatte dieses Amt schon einmal.

Kreis Unna

, 11.09.2020, 00:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anwesende schilderten, dass es zwischendurch laut wurde: Die AfD Kreis Unna hat am Donnerstagabend in Kamen einen neuen Vorstand gewählt und damit einen erbitterten Machtkampf zwischen verschiedenen Parteiflügeln vorerst beendet. Christian Neupert, 59, aus Schwerte wurde ohne Gegenstimme zum neuen Kreissprecher gewählt. Dieses Amt hatte er früher schon einmal bekleidet.

Bei der Mitgliederversammlung in der Gaststätte Haus Baumeister in Heeren-Werve soll es laut Anwesenden zeitweise hoch hergegangen sein. Rund 30 Mitglieder der nationalradikalen Partei waren in dem Saal versammelt. Zu sehen war nach Versammlungsschluss auch der NRW-Landtagsabgeordnete Christian Blex. Die AfD hatte den Ort der Versammlung vorher geheimzuhalten versucht, weil sie Störungen fürchtet.

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Der AfD-Bezirksverband Arnsberg gab am späten Abend das Ergebnis der Nachwahl bekannt, noch bevor die letzten Mitglieder den Saal verlassen hatten. Neu im Vorstand sind demnach außer Christian Neupert Schriftführerin Constanze Pasternak aus Lünen sowie Schatzmeister Hans-Otto Dinse aus Schwerte. Der stellvertretende Kreissprecher Holger W. Sitter, der zu Wochenanfang laut Medienberichten seinen Rücktritt erklärt haben soll, ist nun laut Bezirksverband überraschend „weiterhin im Vorstand“. Ebenso der Beisitzer Nils Hartwig. Gegen beide seien Abwahl-Anträge „deutlich gescheitert“. Auch der stellvertretende Kreissprecher Ulrich Lehmann aus Kamen bleibt im Vorstand.

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Der vorherige Kreissprecher Michael Schild verließ ohne Kommentar den Versammlungssaal. Er war vor wenigen Wochen zurückgetreten, nachdem er bei der Nominierung für die Kreistagswahl bei der Versammlungsmehrheit durchgefallen war. Anschließend hatte der Bezirksvorstand, dem Schild angehört, die Reserveliste mit der Begründung zurückgezogen, dass sie eine Gefahr für die AfD darstelle. Gemeint war die Nähe einiger Mitglieder zum als rechtsradikal eingestuften Flügel um Björn Höcke und Andreas Kalbitz. Ohne gültige Reserveliste hat die AfD praktisch keine Chance mehr auf einen Einzug in den Kreistag.

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Peter Knepper aus Kamen, der nach dem Abgang Schilds die Partei kommissarisch führte, ist nicht mehr im Vorstand vertreten. Er, seine Frau Sabine sowie Brigitte und Hans-Otto Dinse hatten sich jüngst mit Björn Höcke beim patriotischen Sommerfest der AfD im Kreis Northeim fotografieren lassen und damit keinerlei Berührungsängste mit dem vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuften, inzwischen formal aufgelösten Flügel gezeigt. Der neue Kreissprecher Christian Neupert sagte, angesprochen auf seine Einordnung in ein Parteilager, er halte von einer solchen Einordnung nichts. Vom „Flügel“ distanziert er sich offenbar nicht – und versucht, die Partei so trotz aller Differenzen zusammenzuhalten.

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