Charlotte (5) macht mit Magnus Memmeler im Schnelltestzentrum der Awo in Kamen einen Lolli-Test. © Marcel Drawe
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Lolli statt Nasebohren: So einfach kann der Corona-Test mit Kindern sein

Corona-Tests können Kinder ängstigen, vor allem die kleinen. Die Awo bietet in Kamen jetzt eine Alternative zum Stochern in der Nase. Charlotte (5) hat den Lolli-Test ausprobiert.

Charlotte (5) schaut sich mit großen Augen um. Um sie herum stehen viele Erwachsene, die sie nicht kennt. Alle sind sehr freundlich, wobei man das ihren Gesichtern nicht ansehen kann. FFP2-Masken filtern auch das Lächeln.

So ein Schnelltestzentrum mit all seinen Begleitumständen löst bei kleinen Kindern ungefähr so viel Freude aus wie die abendliche Aufforderung der Eltern, das chaotische Kinderzimmer aufzuräumen.

Das Mädchen weiß nicht so recht, was hier im Testzentrum der Awo Ruhr-Lippe-Ems auf sie zukommt, da scheint eine gewisse Grundskepsis angebracht. Schüchtern umklammert sie das Bein ihres Vaters. Wobei sich dann schnell herausstellt: Ist gar nicht schlimm, so ein Corona-Schnelltest mit dem Lolli.

Schon seit dem 24. März betreibt der Wohlfahrtsverband auf dem Gelände seiner Zentrale an der Unnaer Straße 29a in Kamen ein Schnelltestzentrum, doch erst seit wenigen Tagen sind auch die Lolli-Tests möglich. Im Prinzip für jede Bürgerin, jeden Bürger, dem das Pulen mit dem Stäbchen in der Nase zu unangenehm ist. Doch in erster Linie eben für Kinder, trotz folgender Einschränkung: „Der Lutscher schmeckt nicht nach Erdbeere oder Kirsche, sondern nach nichts“, erklärt Magnus Memmeler, Bereichsleiter für die Ambulanten Gesundheitsdienste bei der Awo, Charlotte und ihrem Vater. Dieser versichert ihr, dass es dafür im Anschluss aber einen Lolli aus Schokolade als Belohnung gibt.

Schwamm auf dem Stäbchen saugt den Speichel auf

Dann geht es los: Lolli in den Mund und 15 Sekunden lutschen. Auf dem Stäbchen befindet sich ein kleiner Schwamm, der den Speichel aufsaugt. Ähnlich wie bei den anderen Schnelltests dauert es rund 10 bis 15 Minuten, bis das Ergebnis in Strichform vorliegt: Ein Strich bedeutet negativ, zwei Striche bedeuten positiv.

An Schulen sollen die Lolli-Tests ab Mitte Mai zum Einsatz kommen

Charlottes Test fällt negativ aus. Und wie verlässlich ist das Ergebnis? „Das Robert-Koch-Institut listet die Lolli-Tests mit einer Trefferwahrscheinlichkeit von 97 Prozent“, sagt Memmeler. Das Vorurteil, sie seien nicht valide, sei falsch. Allerdings seien sie etwas teurer als die Tests mit Nasen- und Rachenabstrich und wohl auch deshalb nicht so weit verbreitet. Doch das dürfte sich ändern. Auch an Grund- und Förderschulen sollen die Tests laut NRW-Schulministerium ab Mitte Mai zum Einsatz kommen.

So sieht ein Lolli-Test mit negativem Ergebnis aus.
So sieht ein Lolli-Test mit negativem Ergebnis aus. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Stand jetzt aber dürfte es im Kreis Unna aber noch nicht allzu viele Stellen geben, die Lolli-Tests anbieten. Dabei, das betont der Awo-Bereichsleiter, zählen auch sie zu den kostenlosen Bürgertests und stehen grundsätzlich jedem offen, der seinen Wohnsitz in Deutschland hat.

Schnelltests bleiben in der Pandemie-Bekämpfung weiter wichtig

Dem Awo-Bereichsleiter ist es außerdem wichtig, die Bedeutung der Schnelltests für die Pandemie-Bekämpfung zu unterstreichen, zumal die Nachfrage zuletzt spürbar nachgelassen habe. Wahrscheinlich, weil das Angebot täglich wächst und zugleich der Bedarf mit dem Ende von Click&Meet per negativem Schnelltest durch die Bundes-Notbremse gesunken ist.

Seit dem 24. März dienen die Räume des Ortsvereins Südkamen, direkt an der Zentrale der Awo Ruhr-Lippe-Ems gelegen, als Schnelltestzentrum.
Seit dem 24. März dienen die Räume des Ortsvereins Südkamen, direkt an der Zentrale der Awo Ruhr-Lippe-Ems gelegen, als Schnelltestzentrum. Die Lolli-Tests sind neu im Angebot. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

„Bis letzte Woche hatten wir noch viele Ikea-Kunden, die von außerhalb kamen und nichts von der Schnelltest-Pflicht im Kreis Unna wussten“, sagt Magnus Memmeler in Anspielung auf das nahe gelegene große Möbelhaus.

Das regelmäßige Testen aber bleibe auch ohne Click&Meet wichtig, nicht nur vor dem Friseurbesuch – sondern generell, um möglichst viele Infektionen aufzuspüren und die weitere Verbreitung des Virus zu stoppen.

Das Awo-Schnelltestzentrum, Unnaer Straße 29a in Kamen, ist montags bis samstags von 10 bis 12 Uhr sowie montags bis freitags auch von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Termine gibt‘s unter www.awo-rle.de/schnelltest oder Tel. (02307) 912210. Auf dem gesamten Awo-Gelände besteht Maskenpflicht. Die Anreise per ÖPNV ist via Bus (Linien 186, C22, C23, Haltestelle „AWO“) oder Bahn möglich (Fußweg 5 Minuten vom Bahnhof Kamen).

Über den Autor
Chef vom Dienst
Jahrgang 1982. Aufgewachsen im Münsterland. Nach dem Politik-Studium in Münster über Dortmund ins schöne Holzwickede. Verheiratet, Familienvater. Seit 2000 Journalist, seit 2010 beim Hellweger. Mag das Ruhrgebiet, Currywurst und gut gemachte Nachrichten – digital und gedruckt.
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Kevin Kohues

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