Für MTB-Profi Erik Fedko hat die Sportlerkarriere auf dem Mountainbike im Skaterpark Fröndenberg begonnen. Mittlerweile lebt er davon, mit dem Rad über massive Rampen zu springen und dabei Tricks zu zeigen. © Udo Hennes
Mountainbiken im Ruhrgebiet

Legale Strecken für Mountainbiker: MTB-Profi Erik Fedko bietet seine Expertise an

Legale Strecken für Mountainbiker sind rar im Ruhrgebiet. Aktuell befasst sich Unna mit dem Thema. Warum die im Ruhrgebiet wichtig für den Sport wären, weiß der Fröndenberger Profi-Mountainbiker Erik Fedko.

Mit acht Jahren pflügte der damalige Wickeder Erik Fedko erstmals mit einer Motocross-Maschine durch eine nahegelegene Cross-Strecke. Zahlreiche regionale Pokale im Jugendbereich stehen noch heute im Wohnzimmer, das sich mittlerweile in Fröndenberg findet.

Denn nach Umzug und einem Bruch des Oberschenkels wechselte der junge Mann im Teenager-Alter die Sportart: Statt schneller Zeiten auf dem Motorrad waren nun Sprünge und Tricks auf einem kompakten Mountainbike gefragt. Innerhalb weniger Jahre stieg der Fröndenberger in der sogenannten Slopestyle-Disziplin in die Weltspitze auf – inklusive Sponsoring durch einen bekannten Brauseproduzenten sowie diverser Marken aus der Fahrradbranche.

Erik Fedko lebt von seinem Sport, der in zu Wettbewerben auf der ganzen Welt führt. Alleine auf der Foto-Plattform Instagram folgen ihm mehr als 80.000 Menschen, darunter viele junge Biker aus der Region. Die zieht es im Sommer in die großen Parks nach Winterberg und Willingen, denn vor der eigenen Haustür gibt es kaum legale Möglichkeiten für ihren Sport. Dabei belegt Erik Fedko kurz vor seinem 23. Geburtstag im Interview, dass man mit einem Mountainbike richtig Karriere machen kann.

Was macht Slopestyle aus und welches Rad braucht es dafür?

In der Disziplin geht es um große Sprünge. Die Rampen dafür sind meist drei bis vier Meter hoch. Dann geht es noch mal so hoch in die Luft über eine Länge von circa zehn Metern. In der Luft zeige ich Tricks – Saltos, Rotationen. Am besten kombiniert und sauber. Das geht mit einem 26-Zoll-Mountainbike, das um die elf Kilogramm wiegt und ähnlich kompakt gebaut ist wie ein BMX.

Seit wann fahren Sie als Profi auf dem Niveau der Weltbesten?

2017 habe ich angefangen, europaweit bei Wettbewerben zu starten. Damals konnte ich mich in Spanien für den „Red Bull District Ride“ in Nürnberg qualifizieren. Der findet nur alle vier Jahre statt und plötzlich war ich da mit 18 Jahren der einzige Deutsche im Finale und bin Fünfter geworden. Das kam schon überraschend und der Sponsor wurde auf mich aufmerksam. Das hat die Türen für weitere Wettbewerbe auf der Welt geöffnet.

Große Rampen, große Sprünge: Wo und wie trainiert man Saltos mit dem Rad, wenn man im Kreis Unna aufwächst?

Nach dem Umzug nach Fröndenberg gab es neue Freunde und den Skatepark an der Ruhr. Mein Vater hat mir mein erstes Rad dafür zusammengeschweißt und so ging es los. Irgendwann war ich als Zuschauer bei einem Wettbewerb in Winterberg. Dort habe ich die Profis gesehen und war begeistert. Das wollte ich machen. Heute fahre ich gegen sie. Meine ersten Backflips (Rückwärtssaltos, Anm. d. Red.) habe ich in einer Halle in Wuppertal geübt. Da landet man in einer Schaumstoff-Grube. Viele legale Möglichkeiten zum Trainieren gibt es in Hessen oder Baden-Württemberg. Aber ich würde es nicht Training nennen. Ich wollte einfach die Tricks lernen und immer besser werden.

Corona schränkt Sie seit einem Jahr in ihrem Sport ein. Wer Ihnen über die sozialen Kanäle folgt, sieht aktuell oft Fotos und Videos aus Fröndenberg und Umgebung. Wie hält man das Niveau, wenn es keine Trainingsmöglichkeiten gibt?

Mein Training wird eigentlich nicht beeinflusst. Ich hatte sogar mehr Zeit zum Fahren. Ich habe schon meine eigene Trainingsmöglichkeit, die aber nicht öffentlich ist. Ansonsten gibt es durchaus private Anlagen im Land, die ich nutzen kann. Wenn ich zu Hause bin, setze ich mich aber auch mal für 30 Kilometer aufs Gravel Bike oder fahre mit einem Kumpel durch den Wald.

Ein Manual, also das konstante Rollen nur auf dem Hinterrad, ist für Erik Fedko keine Herausforderung. Genauso wenig wie die Elemente im Fröndenberger Skatepark, denen er längst entwachsen ist.
Ein Manual, also das konstante Rollen nur auf dem Hinterrad, ist für Erik Fedko keine Herausforderung. Genauso wenig wie die Elemente im Fröndenberger Skatepark, denen er längst entwachsen ist. © Udo Hennes © Udo Hennes

Ob im Dortmunder Süden, am Ebberg in Schwerte oder im Unnaer Bornekamp: Beim Mountainbiken begibt man sich oft in rechtliche Grauzonen. Andererseits wächst das Interesse am Sport in all seinen Facetten, beispielsweise durch E-Mountainbikes. Lässt sich das vereinen?

Grundsätzlich haben meine Sportart und Mountainbiken an sich riesiges Potenzial und lohnt sich die Förderung. Ich habe tatsächlich auch vor zwei, drei Jahren sowohl die entsprechenden Stellen in Fröndenberg als auch Unna angeschrieben. Es gab nicht mal eine Antwort.

Wenn Politik wie aktuell in Unna entsprechende Strecken oder Parks fürs Mountainbiken diskutiert, stünden Sie als Ansprechpartner zur Verfügung?

Auf jeden Fall. Ich kenne mich aus in der Materie und weiß genau was man braucht für den Anfang, was die fortgeschrittenen Fahrer brauchen. Die muss man auch mit ins Boot holen, damit es am Ende ein gescheiter Park wird und nicht wieder einer, den keiner fahren will und der im Matsch versinkt.

Zur Person

Das ist Erik Fedko

  • Erik Fedko wurde am 5. Februar 1998 in Castrop geboren. Den Großteil seiner Jugend hat er in Fröndenberg verbracht. Hier ist er auch zum Mountainbiken gekommen.
  • Seit 2018 gehört er zu den 14 besten Fahrern, die sich jährlich auf Events der Welttournee miteinander messen.
  • Beim letzten großen Wettkampf der Weltbesten, der im Oktober in Innsbruck ausgetragen wurde, holte er den dritten Platz. In der Weltrangliste belegt er aktuell den vierten Rang.
Über den Autor
Redaktion Holzwickede
Jahrgang 1985, aufgewachsen auf dem Land in Thüringen. Fürs Studium 2007 nach Dortmund gekommen. Schreibt über alles, was in Holzwickede passiert. 17.000 Einwohner mit Dorfcharakter – wie in der alten Heimat. Nicht ganz: Dort würden 17.000 Einwohner locker zur Kreisstadt reichen. Willkommen im Ruhrgebiet.
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