Landratswahl: FDP im Kreis Unna überrascht mit eigener Kandidatur

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Die FDP greift nach dem Landratsamt und schickt überraschend eine eigene Kandidatin ins Rennen. Dass ihr Ziel wirklich das Erbe Michael Makiollas (SPD) ist, ist allerdings fraglich.

Kreis Unna

, 06.06.2020, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Zeit für eine Landrätin“, steht plakativ in den Farben Gelb und Magenta über den Köpfen des FDP-Kreisvorstandes: Nachdem die Liberalen sich 2014 nicht und 2009 „nur“ mit dem CDU-Mann Wilhelm Jasperneite um den obersten Beamtenposten im Kreis Unna beworben hatten, setzen sie nun auf eine Frau aus den eigenen Reihen. Susanne Schneider, Landtagsabgeordnete und FDP-Kreisvorsitzende, soll am 13. September in die bislang ausschließlich von Männern dominierte Wahl eingreifen.

45 von 52 abgegebenen Stimmen für Susanne Schneider

Die 53-Jährige aus Schwerte ist am Samstag im Rahmen eines außerordentlichen Parteitages in der Stadthalle Unna zur FDP-Landratskandidatin nominiert worden – ohne Mitbewerber mit 45 von 52 abgegebenen Stimmen.

Die FDP beweist Humor: Mit dem Slogan „110kg Wirtschaftskraft“ geht Kreistagsfraktionschef Michael Klostermann auf Listenplatz 1 als Spitzenkandidat in die Kreistagswahl.

Die FDP beweist Humor: Mit dem Slogan „110kg Wirtschaftskraft“ geht Kreistagsfraktionschef Michael Klostermann auf Listenplatz 1 als Spitzenkandidat in die Kreistagswahl. © Alexander Heine

Auf den vorderen Plätzen der Reserveliste für den Kreistag ist der Name Susanne Schneider allerdings nicht zu finden. Klar, die Pharmareferentin genießt als gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion ein hohes Renommee. Sie fühlt sich wohl in Düsseldorf und ist dort auch gut ausgelastet. Das Feld der Kreispolitik überlässt sie gerne anderen, ihr selbst reicht neben einem Wahlbezirk in ihrer Heimatstadt Schwerte der letzte Platz auf der Reserveliste. Darauf angesprochen sagt sie mit einem Lachen: „Weil ich Landrätin werde.“

Fraktionschef Michael Klostermann Spitzenkandidat

So bleibt FDP-Kreistagsfraktionschef Michael Klostermann aus Bergkamen mit Listenplatz 1 der Spitzenkandidat. Auf den weiteren mehr oder weniger aussichtsreichen Plätzen finden sich Claudia Lange (Werne), Andreas Wette (Fröndenberg), Astrid Partmann (Unna) und Ludger Auferoth (Lünen) gefolgt von Dieter Albert (Bönen), Alexandra Schnell (Kamen) und René Moltrecht (Selm).

FDP optimistisch: „Mehr Listenplätze als in vergangenen Jahren“

Im Moment hat die FDP drei Kreistagsmitglieder, wobei es bei der Wahl 2014 mit 3,4 Prozent nur für zwei Sitze reichte – erst im Laufe der Wahlperiode ist ein ehedem Freier Wähler zur FDP übergelaufen. Ludger Auferoth jedenfalls versprühte bei seiner Vorstellung vor über 50 FDP-Mitgliedern Optimismus: Er gehe davon aus, dass es bei dieser Kreistagswahl für „deutlich mehr Listenplätze als in den vergangenen Jahren“ reichen werde.

Susanne Schneider, Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der FDP im Kreis Unna.

An der Zeit für eine Frau? Die FDP schickt ihre Kreisparteivorsitzende Susanne Schneider als Landratskandidatin in die Kommunalwahl am 13. September 2020. © Alexander Heine

Auch Susanne Schneider ist als Optimistin bekannt. Fünf Sitze im Kreistag seien schon realistisch, sagt sie. Ob auch der Sieg der Landratswahl? „Warum denn nicht?“, antwortet sie mit einer Gegenfrage. Die übrigen bislang bekannten Kandidaten – Mario Löhr (SPD), Marco Morten Pufke (CDU) und Herbert Goldmann (Grüne) – seien für die FDP im Kreis Unna nicht überzeugend. „Wir wollen ein Angebot machen, eine Alternative bieten“, sagt Schneider. Was ihre Chancen auf einen Wahlsieg anbelangt, verweist sie auf das Beispiel von Claudia Bögel-Hoyer: Die FDP-Politikerin setzte sich bei der Bürgermeisterwahl 2015 in Steinfurt gegen den parteilosen, aber von SPD und CDU unterstützten Amtsinhaber durch.

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