Kleine Echse reist mit einer Blumenlieferung aus den Tropen ins Gartencenter Augsburg

dzExotischer Tierfund

Seit 27 Jahren ist Michael Dorenkamp aus Selm als Pflanzen-Einkäufer für das Gartencenter Augsburg unterwegs. So einen Fund hat er noch nie gemacht. Aber er wusste genau, was zu tun ist.

Schwerte, Selm

, 31.01.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schmuggelte sie sich als Ei in einer Blumenlieferung aus den Tropen ins Gartencenter Augsburg? Eine kleine Echse schaute Pflanzen-Einkäufer Michael Dorenkamp aus Selm plötzlich mit ihren großen Augen an.

Von der Schwerter Zentrale war er zur Hagener Filiale gefahren, um die Zimmerpflanzenabteilung zu inspizieren. Und da saß das Reptil plötzlich auf der Kladde einer Kollegin. „So etwas ist mir noch nie passiert“, sagt der Experte, der in seinen 27 Berufsjahren für die sieben Augsburg-Gartencenter viel herumgekommen ist: „Die Echse lebte gottseidank noch.“

Aquarium mit Wärmelampe als Übergangsquartier

War es glückliche Fügung oder hatte es sich das Tier so ausgesucht? Denn sie ließ sich von einem Tierfreund finden, der sich auch mit Reptilien gut auskennt.

„Es war mir relativ klar, dass es etwas Tropisches sein musste“, sagt Michael Dorenkamp. Und das heißt: Die Echse benötigte Wärme bei Tag und Nacht.

Deshalb wurde als Übergangsquartier zu Hause ein Aquarium umfunktioniert - mit seitlichen Lüftungsklappen und einer Wärmelampe für Reptilien. Als Nahrung wurden flugunfähige Obstfliegen besorgt: „Sie frisst und fühlt sich wohl.“

Kleine Echse reist mit einer Blumenlieferung aus den Tropen ins Gartencenter Augsburg

Als Pflanzen-Einkäufer beim Gartencenter Augsburg ist Michael Dorenkamp seit 27 Jahren viel unterwegs, hier in Spanien. © Michael Dorenkamp

Ein Rätsel war noch, zu welcher Art die Findel-Echse gehört. Deshalb wurde ihr Foto an den befreundeten Pressesprecher des Nabu in Selm, Uwe Norra, geschickt. Gut vernetzt in seiner Szene, verteilte der es in einschlägige Facebook-Gruppen wie die Wildtierhilfe. „Es ging recht flott“, berichtet Norra.

Aus den Rückmeldungen kristallisierte sich heraus, dass es sich um eine sogenannte Anolis polylepsis handeln muss. Ausgewachsen kann sie bis zu 18 Zentimeter lang werden.

Vermutlich kam das Tier als blinder Passagier aus Costa Rica

Das Tier im Gartencenter ist aber noch jung und nur so groß wie eine Streichholzschachtel. Ähnlich wie bei Geckos helfen den Anolis „Haftsohlen“ unter den Füßen beim Klettern auf Bäumen. Unter anderem in Costa Rica, von wo Augsburg Pflanzen bezieht. „Ein weiter Weg“, sagt Michael Dorenkamp: „Dieses Tier hatte wirklich Glück.“

Allwetterzoo in Münster hat großes Interesse

Seine ungewöhnliche Reise nahm noch ein weiteres gutes Ende. Über einen befreundeten Tierfotografen gelang ein Kontakt zum Allwetterzoo in Münster, dessen Direktor auf Reptilien spezialisiert ist und großes Interesse signalisierte. „Dort werde ich die Anolis in den nächsten Tagen hinbringen“, kündigt Michael Dorenkamp an.

In gute, fachkundige Hände und mit der Chance, in Gesellschaft mit Artgenossen zu leben. Ihr Finder will sie hin und wieder besuchen: „Dann kann man gucken: Wie entwickelt sie sich, wenn sie in der Gruppe gehalten wird?“

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