Keine Taschentücher mehr zum Medikament – was Schwerter Apotheker dazu sagen

dzGeschenke in Apotheken

Apotheken dürfen Kunden beim Einlösen von Rezepten keine kleinen Geschenke mehr geben. Was die Schwerter Apotheker dazu sagen und wo sie die echten Probleme sehen.

von Maximilian Stascheit

Schwerte

, 22.06.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kleine Gutscheine, Taschentücher und selbst das Traubenzuckerbonbon für die Kinder gehören beim Einlösen von Rezepten in deutschen Apotheken der Vergangenheit an. Der Bundesgerichtshof (BGH) untersagte den Pharmazeuten in einem Urteil am Donnerstag, ihre Kunden mit kleinen Geschenken zu beglücken, wenn sie verschreibungspflichtige Medikamente abholen.

Die Apotheken würden damit indirekt die Arzneimittelpreisverordnung eingreifen, heißt es in dem Urteil des BGH. „Eigentlich stand das schon immer im Gesetz“, erklärt Sarah Doll, Inhaberin der Rathausapotheke. Bisher machte die Justiz bei Präsenten mit einem Maximalwert von einem Euro allerdings eine Ausnahme. Doch das hat jetzt ein Ende.

Konkret bezog sich das Gericht dabei auf zwei deutsche Apotheken. So gab es in Darmstadt beim Einlösen von Rezepten einen Bäckereigutschein; in Berlin einen Euro Nachlass für den nächsten Einkauf.

In Schwerte gab es selten nennenswerte Geschenke

„Eigentlich kann ich damit gut leben“, erklärt Heike Nickolay, Inhaberin der St. Viktor Apotheke. Und auch ihre Kollegin von der Rathausapotheke pflichtet ihr bei: „Grundsätzlich kann ich das verstehen.“

Nickolay betont dabei, dass diese kleinen Geschenke in Schwerte nie eine große Rolle gespielt hätten. „Wir versuchen, die Kunden mit unserer persönlichen Beratung zu überzeugen“, erklärt die Apothekerin, die ihren Beruf seit rund 30 Jahren im Ort ausübt.

Dennoch bedeute das Urteil, dass den Kunden prinzipiell keine Packung Taschentücher oder Traubenzucker mitgegeben werden darf, wenn sie ein Rezept einlösen. „Dafür werden wir schon eine Lösung finden. Man kann den Traubenzucker ja auch einfach auf die Theke stellen“, so Nickolay. „Und bei nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten ist das ja generell kein Problem.“

Auch keine Apothekenumschau mehr beim Rezepteintausch?

Was das Urteil für die Apothekenumschau bedeutet, wusste Sarah Doll nach der Urteilsverkündung selbst noch nicht genau. „Eigentlich darf man den Kunden die auch nicht mehr mitgeben. Aber es gibt ja auch viele, die einfach so reinkommen und sich die Apothekenumschau holen, ohne irgendetwas zu kaufen.

Ärgern tun sich beiden Apothekerinnen jedoch darüber, dass ausländische Versandanbieter von dem Urteil nicht betroffen sind. „Anbieter wie DocMorris dürfen mit 30 bis 60 Prozent Rabatt auf rezeptpflichtige Medikamente werben. Das passt natürlich überhaupt nicht zusammen“, so Nickolay. „Wenn Leute wirklich Geld sparen wollen und wir ihnen nicht einmal die Packung Taschentücher mitgeben dürfen, gehen sie natürlich noch eher zu den Internetanbietern“, so ihre Befürchtung.

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