Keine Polizei mehr bei Umzügen in Schwerte? Jetzt protestiert ein bekannter Kriminologe

dzBrief an Landrat

Keine Polizeibegleitung mehr für Umzüge der Schützen, zu St. Martin und zu Karneval? Das ärgert nicht nur die Betroffenen. Jetzt meldet sich ein bekannter Kriminalforscher: Thomas Feltes.

Schwerte

, 23.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Professor Dr. Thomas Feltes gehört zu den renommiertesten Kriminologen des Landes. Als Experte beriet er die Bundesregierung, den Europarat, die UN, die OSZE. Seit rund 17 Jahren ist er Inhaber des Lehrstuhls für Kriminologie an der Ruhr-Universität Bochum.

Thomas Feltes wohnt in Schwerte-Ergste - und bekam so auch die Diskussion zwischen den Schützenvereinen und der Polizei mit: Aus personellen Gründen könne man keine Streifenwagen mehr schicken, hatte Landrat Michael Makiolla argumentiert, der Chef der Polizei im Kreis Unna. Die Schützen wiederum wollen das nicht diskussionslos hinnehmen.

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Feltes: Bürgernähe sorgt für bessere Zusammenarbeit und senkt Kriminalität

Unterstützung erhalten sie jetzt von Professor Feltes. Mit offiziellem Ruhr-Uni-Briefkopf schrieb er jetzt an den Landrat. Der möge seine Entscheidung doch bitte überdenken - aus unterschiedlichen Gründen: „Seit mehr als 30 Jahren fordern Wissenschaftler, aber auch Polizeipraktiker immer wieder mehr Bürgernähe der Polizei ein, auch und besonders, weil es wissenschaftlich erwiesen ist, dass eine gute Zusammenarbeit der Polizei mit den Bürgern die Kriminalität senkt und die Aufklärungsquote von Straftaten erhöht.“

Sollte sich die Polizei aber jetzt „aus positiven Bürgerkontakten“ zurückziehen, schade das der Polizeiarbeit sowie dem Verhältnis zwischen Polizei und Bürgern, unterstreicht Feltes. Solch ein Rückzug stehe „konträr zu allem, was wir aus der nationalen und internationalen Polizeiforschung wissen“.

Bisher stehe die Polizei noch „sehr hoch im Ansehen der Bevölkerung“, auch wenn aktuelle Studien zeigten, „dass dieses Ansehen in den vergangenen Jahren nicht unerheblich gelitten hat“.

„Polizei ist zuständig für die Verhinderung von Verkehrsunfällen“

„Die polizeiliche Präsenz im Verkehrsbereich ist insbesondere bei Veranstaltungen, bei denen sich Gruppen von Menschen im Straßenverkehr bewegen, unabdingbar notwendig“, unterstreicht Thomas Feltes. Dabei bezieht er sich auch auf den Beinahe-Unfall, der sich Anfang März in Iserlohn ereignete: Ein Autofahrer hielt einfach auf einen Spielmannszug zu und beschimpfte die Schützen.

„Die Polizei ist nach ganz herrschender Meinung originär zuständig für die Verkehrsüberwachung und hierbei insbesondere für die Verhinderung von Verkehrsunfällen bzw. die Minimierung von Unfallfolgen.“ Regelung und Lenkung des Verkehrs sei zwar die Aufgabe anderer Stellen. Die Erfahrungen bei Großveranstaltungen hätten aber gezeigt, „dass Lenkung und Überwachung gemeinsam und abgestimmt erfolgen sollte“, so Feltes.

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