Keine Fußballsonderzüge mehr: Schwerter schaltet Verkehrsminister und BVB-Boss Watzke ein

dzSonderzüge zum BVB

Seit 35 Jahren besitzt Heinz-Jürgen Guttschick eine Dauerkarte für BVB-Heimspiele. Doch seit keine Sonderzüge mehr fahren, erlebt er Chaos. Er schreibt an Minister Wüst und BVB-Boss Watzke.

Schwerte

, 05.11.2019, 16:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

800 Fußballfans auf dem Bahnsteig, aber selbst dicht gedrängt kann höchstens die Hälfte von ihnen mitfahren. Aus Ärger treten andere mit Fäusten und Füßen gegen den Triebwagen. Von chaotischen Zuständen am Haltepunkt Signal-Iduna-Park berichtet der Schwerter Heinz-Jürgen Guttschick, seitdem keine Fußball-Sonderzüge mehr für Entlastung bei BVB-Heimspielen sorgen. Es verkehren nur noch die normalen fahrplanmäßigen Verbindungen, deren Kapazitäten bei weitem nicht ausreichen.

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„Das habe ich noch nicht erlebt“, sagt der Borussen-Fan, der seit 35 Jahren eine Dauerkarte für die Heimspiele kauft. Auf der Hinfahrt verteile sich der Andrang ja noch auf mehrere Regelzüge, weil beispielsweise das Südtribünen-Publikum schon zwei Stunden früher anreise. Aber auf der Rückfahrt, da wollten alle auf einmal einsteigen: „Und jetzt kommen noch die Reisenden zum Weihnachtsmarkt dazu - da sind die Züge sowieso schon halb voll.“

Fahrkarte für den Nahverkehr ist schon mit der Dauerkarte bezahlt

Guttschick weiß, wovon er redet. Der 81-jährige war in seinem Berufsleben im heimischen Raum zuständiger Produktmanager bei der Deutschen Bahn. In dieser Funktion erlebte er die Gründung der Zweckverbände mit, die den Nahverkehr auf der Schiene organisieren. Von dem für Schwerte zuständigen in Unna ist er völlig enttäuscht. „Dieser Zweckverband maßt sich an, vermutlich ohne Ihr Wissen, einfach keine Sonderzüge mehr bei der DB zu bestellen“, schreibt er in einem Brief, mit dem er NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst einschaltet. Denn der Minister trage die politische Verantwortung für die Planung: „Sehr geehrter Herr Minister Wüst, wie wäre es, wenn Sie sich einmal ein Bild vor Ort machen würden und zu einem Heimspiel des BVB nach Dortmund kämen?“ Natürlich mit dem Zug.

Keine Fußballsonderzüge mehr: Schwerter schaltet Verkehrsminister und BVB-Boss Watzke ein

Mit seiner BVB-Dauerkarte hat Heinz-Jürgen Guttschick die An- und Abreise im Nahverkehr bereits mitbezahlt. © Reinhard Schmitz

Guttschick erinnert daran, dass die BVB-Dauerkarten gleichzeitig als Fahrausweis für die An- und Abreise mit dem Nahverkehr diene. „Eine mit dem Eintrittsgeld bezahlte Heimfahrt mit der DB ist nicht mehr uneingeschränkt möglich“, klagt der Fan in einem weiteren Brief, mit dem er auch BVB-Geschäftsführer Hans Joachim Watzke mit ins Boot holt. Der jetzige Zustand sei doch nicht zu akzeptieren: „Da vergeht einem ja jegliche Lust, weiterhin zu den Heimspielen des BVB zu fahren, trotz bezahlter Dauerkarte.“

Geheimtipp ist jetzt der Bahnhof Holzwickede

Notgedrungen steigt Guttschick jetzt nicht mehr im Bahnhof Schwerte in die Züge zum BVB-Stadion ein. Er steuert zusammen mit seinem Schwager im Auto den Bahnhof Holzwickede an, wo fahrplanmäßig Züge auf drei verschiedenen Linien zum Signal-Iduna-Park führten. Da sei es dann nicht so voll: „Aber diese Klimmzüge muss man jetzt machen, nur weil der Zweckverband sich nicht einig werden kann mit der DB.“

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