Keine Fachkräfte - Handwerker wirbt jetzt mit großen Plakaten an der Hörder Straße

dzB236 in Schwerte

„Bock auf Wurzelbehandlung? Dann komm in unser Team!“ So wirbt ein Handwerker auf einem großen Plakat an der Hörder Straße in Schwerte. Wie kam er eigentlich auf diese ungewöhnliche Idee?

Schwerte

, 22.08.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die B236 in Schwerte, nahe der Auffahrt Schwerte an der A1. Tausende Autos fahren hier Tag für Tag entlang - oder stehen im Stau. Wie viele von ihnen pro Tag auf die Plakatwände zwischen Autobahn und Subway schauen, ist statistisch nicht erfasst. Zeit genug hätten aber viele, die am Steuer oder als Beifahrer daneben sitzen.

Seit Juli lesen Sie: „Hast du Bock auf Wurzelbehandlung? Dann komm in unser Team!“ Und auf der anderen Straßenseite: „Bock auf Gala? Garten und Landschaftsbau Peppo Pilz“.

Hinter Peppo Pilz steckt Patrick Seier, 34 Jahre. 2007 gründete er den eigenen Betrieb. Heute hat er sieben Mitarbeiter, viele Aufträge, mehr Anfragen als Kapazitäten sogar - und deswegen ist Seier auf der Suche nach Mitarbeitern.

„Es weiß ja jeder“, sagt Seier: „Handwerksbetriebe - egal, ob es Garten- und Landschaftsbau oder ein anderer Betrieb ist - haben es schwer, Personal zu finden.“

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„Schwierig, Leute zu finden, die einfach Bock darauf haben“

Ein harter Job sei es. Das weiß auch Seier: „Ich kann hier nicht larifari arbeiten. Wir sind in jeder Jahreszeit draußen. Und wir müssen viel Gewicht händeln, wenn natürlich auch mit Maschinen.“

Dennoch: Dieses Gefühl, etwas zu schaffen, zu gestalten, zu bewegen - das sei es allen Einsatz doch wert. Und diesen Antrieb wünscht sich der Chef auch von anderen: „Es ist schwierig, Leute zu finden, die einfach Bock drauf haben, zu arbeiten und auch Verantwortung zu übernehmen.“

Er brauche ja „keinen, der mir eine Schubkarre von rechts nach links schiebt“. Im Gegenteil: „Wir brauchen Facharbeiter, die die Helfer führen können.“

Stellenanzeige, Arbeitsagentur, Facebook - schon alles versucht

Patrick Seier hat viel versucht: Die klassische Stellenanzeige? Oft teuer, so gut wie keine Resonanz. Die Stellenangebote, die bei der Arbeitsagentur online sind? „Wir kriegen alle sechs Wochen mal einen Anruf von der Agentur, ob sich etwas getan hat. Dann sagen wir Nö und dann aktualisieren die das, schieben das ein bisschen nach oben.“

Facebook-Werbung? Günstig zwar, aber eben auch ohne echten Rücklauf. Wer dort auf „Bewerben“ klicke, meine es oft nicht ernst.

Keine Fachkräfte - Handwerker wirbt jetzt mit großen Plakaten an der Hörder Straße

Patrick Seier vor dem Plakat, das in Richtung Dortmund hängt. © Seier

Vier Plakatwände für etwas mehr als 1000 Euro

Freunde, die in der Grafik-Branche arbeiten und sein Peppo-Pilz-Logo ein bisschen anpassten, hätten schließlich diese Idee gehabt, erläutert Seier: „Wir müssen etwas machen, was Aufmerksamkeit erzeugt. Komm, wir vesuchen es mal mit Plakatwerbung.“

Gesagt, getan, vier Plakatwände für ein bisschen mehr als 1000 Euro gebucht: zwei im Dortmunder Süden, zwei an der Hörder Straße zwischen den A1-Auffahrten nach Köln und Bremen, einmal in jede Richtung.

Jetzt hofft Patrick Seier, dass dieser Schritt die gewünschte Resonanz bringt: „Wir haben viele Aufträge. Mehr, als wir bewerkstelligen können. Wir müssen manche Sachen absagen, eben weil wir nicht die Leute haben und die Kapazitäten, das alles auch durchzuführen.“

Ungewöhnlicher Firmenname

So kam der Chef auf „Peppo Pilz“

„Der Firmenname ist an einem lustigen Abend entstanden“, erläutert Geschäftsführer Patrick Seier: „Ich hatte damals einen holländischen Kollegen, der mich immer ‚Peppo‘ genannt hat. Und bei der Firmengründung wollte ich meinen Namen nicht nehmen: ‚Garten-/Landschaftsbauer Patrick Seier‘ fand ich ein bisschen zu langweilig.“ Da könne man sich „Peppo Pilz“ doch viel besser merken.
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