Kämmerin Bettina Brennenstuhl verlässt die Stadt Schwerte

dzPersonalwechsel

Schwertes Kämmerin und Zweite Beigeordnete, Bettina Brennenstuhl, wird Erste Beigeordnete in Lünen. Sie ist nicht die Erste in diesem Amt, die eher kurz in der Ruhrstadt blieb.

Schwerte

, 25.06.2020, 19:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Bettina Brennenstuhl am 1. März 2016 ihre Stelle als Kämmerin im Schwerter Rathaus antrat, war die Verwaltungswelt in der Ruhrstadt eine andere. 45 Jahre hatte ihr Vorgänger Peter Schubert bei der Stadt Schwerte gearbeitet, neun davon als Kämmerer. Heinrich Böckelühr (CDU) war seit 17 Jahren Bürgermeister. Die Kommune kämpfte seit den 90er-Jahren gegen ihren Schuldenberg.

Von der Gemeindeprüfungsanstalt zur Stadt Schwerte

Jetzt kam eine junge Frau, die zuvor bei der Gemeindeprüfungsanstalt gearbeitet hatte, also jener Einrichtung, die schon lange über den knappen Haushalt der Stadt wachte. Das Vorschlagsrecht für die Stelle einer zweiten Beigeordneten der Stadt Schwerte hat übrigens traditionell die SPD. Denn mit Hans-Georg Winkler stellt die CDU aktuell den Ersten Beigeordneten der Stadt Schwerte.

Bettina Brennenstuhl übernahm die städtischen Finanzen in einer Zeit, in der zumindest ein Licht am Ende des Tunnels sichtbar schien. Die Haushalte, die sie ausarbeitete näherten sich der schwarzen Null und erwirtschafteten zuletzt sogar Überschuss.

Ihr Credo: Auch die Altschulden müssen abgebaut werden

Aber sie drängte auch stets darauf, weiter zu sparen. So erklärte sie zum Haushalt 2019: Schwerte habe noch einiges zu tun. „Wir müssen damit anfangen, unsere Altschulden abzubauen“, so Bettina Brennenstuhl damals. Schwerte zahlte zu dieser Zeit Zinsen für 73 Millionen Euro Schulden.

Noch prekärer ist die Situation aktuell. In einem Gespräch im April 2020 warnte sie vor den Folgen der Coronakrise. Die schwarze Null ist bei den Haushalten in weite Ferne gerückt. Die Pläne des Landes, die Kosten der Pandemie in der Bilanz auf 50 Jahre zu verteilen, gingen ihr gegen den Strich. Fragwürdig sei das.

Streit über den Haushaltsentwurf 2020

Und dann war da noch der Streit über den Haushaltsentwurf für dieses Jahr. Der war im Rat der Stadt im November von der Tagesordnung genommen worden. Weil eine Mehrheit aus CDU, Grünen und FDP ihn für nicht ausreichend hielt.

Die Debatte darüber wurde heftig und erbittert geführt. Auch wenn man immer wieder versuchte, die Kämmerin aus den politischen Querelen herauszuhalten.

Erst im Januar in einer Sondersitzung einigte man sich auf einen neuen Haushalt, der dann mit großer Mehrheit verabschiedet wurde.

Auch andere blieben nur kurz im Amt

Bettina Brennenstuhl ist nicht die erste auf diesem Posten, die nur kurz in Schwerte blieb: Die Vorgänger von Bettina Brennenstuhl (2016-2020) waren Peter Schubert (2007-2016), Christian Schuchard (2004-2007), Dr. Klaus Weimer (2001-2003) und Gabriele Buchholz (2000-2001). Schuchard, der damals als CDU-Mann die Stelle besetzte, wurde später erst Kämmerer und ist heute Oberbürgermeister in Würzburg.

Bürgermeister ist betrübt

Bürgermeister Dimitrios Axourgos kommentierte die Nachricht am Freitag in einer Pressemitteilung: „Bettina Brennenstuhl verfügt über eine hohe Fachlichkeit, die hier in Schwerte über alle Parteigrenzen hinweg Beachtung und Anerkennung gefunden hat“, erklärte der Bürgermeister am Tag nach der Wahl in Lünen. „Ich wünsche ihr im Namen des Verwaltungsvorstandes und der gesamten Verwaltung alles Gute und weiß, dass sie auch in Lünen zum Glücksfall werden wird – fachlich wie auch menschlich“.

Und die Kämmerin selbst? Die versicherte: „Ich verlasse Schwerte mit einem weinenden und einem lachenden Auge.“ Aber das Angebot in Lünen stelle eine berufliche Herausforderung dar.

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