Jürgen Priggemeier in seinem Büro in der gesamtschule Gänsewinkel. © Heiko Mühlbauer
Gesamtschule Gänsewinkel

Jürgen Priggemeier verlässt nach 28 Jahren die Gesamtschule am Gänsewinkel

Zehn Jahre lang leitete Jürgen Priggemeier Schwertes größte Schule. Am Donnerstag wurde er offiziell verabschiedet. Ein emotionaler Abschied für einen Mann, der um sich selbst wenig Aufheben machte.

Das Büro im Ostflügel des Schulgebäudes ist bereits aufgeräumt. Nur Ordner, die für die Nachfolgerin wichtig sind, stehen noch in den Regalen. Ansonsten ist alles für den Abschied vorbereitet. „Bis vor ein paar Wochen dachte ich noch, ich schreibe ein Rundmail zum Abschied und das war es dann“, erzählt Jürgen Priggemeier.

Doch die Coronalage ließ nun doch eine offizielle Verabschiedung zu. Nach insgesamt 28 Jahren an der Schule, davon zehn als Schulleiter, verlässt Jürgen Priggemeier die Gesamtschule an der Grünstraße und tritt in den Ruhestand.

Maria Büse-Dallmann brachte das Foto aus der Einstellungsakte von Jürgen Priggemeier mit zur Verabschiedung. © Heiko Mühlbauer © Heiko Mühlbauer

Etliche Schülergenerationen hat der Schulleiter, selbst Lehrer für Mathe, Physik und Informatik, begleitet. Sich für seine Schule, aber auch für die Schulform Gesamtschule eingesetzt. Und in einem sind sich nahezu alle Wegbegleiter einig: Priggemeier war ein Chef, der nie viel Aufhebens um sich selbst gemacht hat, einer, dem es immer um die Schule und die Schüler ging.

So erzählte Maria Büse-Dallmann von der Schulaufsicht folgende Anekdote: Als die Ernennungsurkunde zum Schulleiter vorlag, habe sie in Schwerte angerufen und Priggemeier gesagt, das sei doch ein besonderer Anlass und man wolle die Urkunde nicht schmucklos per Post versenden. Die Antwort des Schulleiters: „Gut, dann kommen sie doch in mein Büro und wir trinken ein Glas Wasser zusammen.“

Aufbau der Oberstufe mitgestaltet

In seine Zeit an der Gesamtschule fiel der Aufbau der Oberstufe und vor allem die Einrichtung einer neuen Schulkultur. Plötzlich gab es Projekte, Schule ohne Rassismus zum Beispiel, Schüler setzten sich für Dinge über den Schulalltag hinaus ein.

Es waren spannende Zeiten, denn zumindest in Schwerte galt es deutlich zu machen, dass die Oberstufe einer Gesamtschule den selben Standards genügt wie die der Gymnasien. Immerhin 50 bis 60 Prozent der Schülerinnen und Schüler wechseln nach der zehn in die Oberstufe. Eine Quote, die Priggemeier freut. „Ich habe immer die Erfahrung gemacht, dass die Kinder durch das offene System, das nicht eine Schullaufbahn vorgibt, sich entwickeln“, erzählt er. Das ist auch einer der Gründe, warum er so energisch für die Schulform Gesamtschule eintritt.

Die Dezernentin der Schulaufsicht, Maria Büse-Dallmann, übernahm die offizielle Verabschiedung von Jürgen Priggemeier. © Heiko Mühlbauer © Heiko Mühlbauer

Eigentlich wirkt Priggemeier immer cool und besonnen: Doch es gab auch Momente, die den erfahrenen Schulleiter emotional berührt haben. Damals, als gleich zu Beginn seiner Amtszeit ein Kollege starb und dann der Tag, als der Rettungshubschrauber auf dem Schulhof landete. Ein Schüler war durch eine Plexiglaskuppel vom Dach aus in die Turnhalle gestürzt. Am Ende ging aber alles gut aus.

Es ist schön, wenn die Arbeit Früchte trägt

Und was waren die schönen Momente der Karriere? Das waren eigentlich die kleinen Dinge. Wenn sich Schüler oder deren Eltern melden und sich bedanken, dass der Weg ihrer Kinder durch die Schule genau richtig war. Oder man auf Schüler trifft, die ihren Weg gemacht haben. Oder das Flüchtlingskind, dass man aus dem Flüchtlingscafé kannte, der sich nun aufmacht, sein Abitur zu machen. „Das beeindruckt mich nach wie vor, und das zeigt, dass die Arbeit, die wir hier leisten, Früchte trägt.“

Was macht der Schulleiter nun mit seiner freien Zeit? „Ich wollte eigentlich danach den Jakobsweg laufen, aber das mache ich angesichts der Situation nicht.“ Aber die vier Enkelkinder, das fünfte ist unterwegs, werden ihn wohl auf Trab halten.

Jürgen Priggemeier in seinem Büro in der gesamtschule Gänsewinkel. © Heiko Mühlbauer © Heiko Mühlbauer

Eine Nachfolgerin ist schon ausgeguckt, hat sich wohl auch schon bei den entsprechenden Gremien der Stadt vorgestellt. Doch das Verfahren dauert noch. Und so wurde Priggemeier am Donnerstag in der Aula verabschiedet, ohne dass jemand in seine Fußstapfen getreten wäre. Dass die groß sind, machten viele Redner bei der Feier deutlich.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
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Heiko Mühlbauer

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