Jeder achte Grundschullehrer in Schwerte gehört zur Risikogruppe

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Kleinere Lerngruppen, mehr Klassen und mehr Aufsicht – auch in den Grundschulen startet der Unterricht wieder. Mancherorts fragt man sich aber, mit wie viel Lehrern eigentlich?

Schwerte

, 07.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Donnerstag (7. Mai) starteten die Grundschulen in NRW wieder mit dem Unterricht für die Viertklässler. In der Woche darauf sollen die restlichen Schüler folgen. Trotz der vorgeschrieben Hygienemaßnahmen werden einige Lehrer nicht zur Verfügung stehen – zumindest nicht für den Unterricht.

Jeder achte Grundschullehrer über 60

Einige Lehrer zählen aufgrund ihres Alters zur Corona-Risikogruppe und werden deshalb vom Unterricht ausgeschlossen. Laut Statistischem Landesamt teilt ist jeder neunte Lehrer an den Schulen in NRW 60 Jahre oder älter.

Die Bezirksregierung Arnsberg nannte unserer Redaktion die genauen Zahlen für Schwerte: Von 126 Grundschullehrern in der Stadt sind 16 in diesem Schuljahr mindestens 60 Jahre alt. An den weiterführenden Schulen gehören 30 der 269 Lehrer zu dieser Altersgruppe.

Am Ruhrtal-Gymnasium führt das in Kombination mit vorerkrankten Lehrern zu einem Ausfall von mindestens einer von sechs Lehrkräften. An der Gesamtschule Gänsewinkel würde sogar jeder dritte Lehrer keinen Unterricht durchführen können.

An der Gesamtschule Gänsewinkel droht jeder dritte Lehrer auszufallen.

An der Gesamtschule Gänsewinkel droht jeder dritte Lehrer auszufallen. © Foto: Manuela Schwerte

Während der Anteil aller Ü60-Lehrer in Schwerte dem Landesschnitt entspricht, gibt es bei einer Schulform aber eine deutliche Abweichung. So ist in Schwerte etwa jeder achte Grundschullehrer über 60 Jahre alt, NRW-weit ist es nur jeder zwölfte.

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Unterrichtsstunden müssen angepasst werden

Das nimmt Einfluss auf den Unterricht – wenn auch nicht überall. Die Heideschule ist laut Schulleiterin Julia van Halen auf diese Personalsituation vorbereitet: „Für den Start der vierten Klasse wird uns das nicht beeinträchtigen“. Zu Beginn stünden die Kollegen zur Verfügung, die nicht zur Risikogruppe gehören.

Anders sieht das an der Reichshofschule in Westhofen aus. „Das geht auf Kosten der Unterrichtsstunden“, verrät Lehrerin Martina Schulte. Sie unterrichtet seit 31 Jahren an der Reichshofschule und ist somit die dienstälteste Pädagogin dort.

Schulte selbst gehört mit ihren 60 Jahren nun auch zur Risikogruppe. Dennoch erscheint sie täglich zum Schuldienst. „Wir liegen nicht im Garten und chillen“, sagt sie mit Humor.

„Fühlen uns nicht gut dabei“

„Wir versuchen, die Kollegen wo es geht zu unterstützen. Wir betätigen uns gerade als Assistenten“, so Schulte. Vorerst bis zum 24. Mai darf sie in Absprache mit der Schulleitung nicht mehr unterrichten. Damit ist sie nicht die Einzige.

Vier der 14 Lehrer zählen aufgrund ihres Alters oder Vorerkrankungen an der Reichshofschule zur Risikogruppe. Dass ein Teil der Lehrer plötzlich einfach nicht mehr unterrichten darf, ist laut Schulte für keinen der Lehrer befriedigend: „Wir fühlen uns nicht gut dabei.“

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Das NRW-Schulministerium teilte den Schulen bereits am 18. April mit, dass Lehrer der Risikogruppen „aus Gründen der Fürsorge nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden“ sollen.

Ein Einsatz bei digitalen Lernformaten sei davon nicht betroffen, ebenso die Teilnahme an Konferenzen und Besprechungen – unter Einhaltung der Hygienevorgaben.

Teilnahme auf eigene Gefahr

Heinz-Werner Freitag von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) erklärt, dass ein Präsenzunterricht von Lehrern ab 60 Jahren unter einer Bedingung möglich wäre: „Das geschieht dann freiwillig und auf eigenes Risiko.“ Hierzu heißt es vom Schulministerium: „Wollen Lehrerinnen und Lehrer dieser Altersgruppe in der Schule im Präsenzunterricht freiwillig tätig werden, ist dies möglich. Eine kurze schriftliche Erklärung gegenüber der Schulleiterin oder dem Schulleiter ist erforderlich.“ Viele Schulen würden diese Möglichkeit laut Freitag auch über entsprechende Formulare tatsächlich anbieten. Einige Schulleiter in Schwerte möchten die betroffenen Lehrer diesem Risiko offenbar aber nicht aussetzen.

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