Die Lichter sollen anbleiben im Presswerk von Hoesch Schwerter Extruded Profiles: Es gibt mehrere strategische Investoren, die sich für das Unternehmen interessieren. © Michael Blaschzyk
Insolvenzen in Schwerte

Insolvenzverfahren eröffnet – aber es gibt Hoffnung für das Hoesch-Presswerk

Das Amtsgericht Hagen hat am Montag (1.2.) das Insolvenzverfahren über das Hoesch-Presswerk eröffnet. Bislang wurde aber noch niemand im Betrieb entlassen. Und es gibt Kauf-Interessenten.

Können die Lichter anbleiben im Presswerk von Hoesch, das in die eigene Firma Hoesch Schwerter Extruded Profiles (HSEP) eingegliedert ist? Die Zeichen stimmen hoffnungsvoll, obwohl das Amtsgericht Hagen am Montagnachmittag (1.2.) das Insolvenzverfahren über das Unternehmen eröffnet hat.

Das sei nur ein üblicher Schritt, nachdem der dreimonatige Zeitraum abgelaufen war, in dem die Arbeitsagentur die Löhne per Insolvenzgeld bezahlte, erläutert Sachwalterin Marion Rodine: „Das operative Geschäft läuft stabil und ruhig.“ Und es gebe Investoren, die Interesse an einer Übernahme des Betriebs haben. „Ich gehe davon aus, dass es sehr kurzfristig zu einem Ergebnis kommt.“

Es gab keine insolvenzbedingten Entlassungen

Weil HSEP den Insolvenzantrag frühzeitig selbst gestellt hat, habe die Firma das Privileg erhalten, das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchzuführen. „Ich habe nur Überwachungsfunktion und treffe keine Entscheidungen“, sagt Marion Rodine.

Begleitet werde die Firma von der Kanzlei Lambrecht (Düsseldorf), die vom Fachorgan Wirtschaftswoche zu den „renommiertesten Anwälten im Insolvenzrecht und in der Restrukturierung“ gezählt wurde. Beschäftigt würden immer noch die 110 Mitarbeiter, die bei der Antragstellung im Betrieb waren: „Es gab keine insolvenzbedingten Entlassungen.“

Die Unternehmen Hoesch Schwerter Profile und Hoesch Schwerter Extruded Profiles, die nacheinander Insolvenzverfahren beantragt hatten, sind eng miteinander verknüpft.
Die Unternehmen Hoesch Schwerter Profile und Hoesch Schwerter Extruded Profiles, die nacheinander Insolvenzverfahren beantragt hatten, sind eng miteinander verknüpft. © Heiko Mühlbauer (A) © Heiko Mühlbauer (A)

Wegen der engen Verknüpfungen mit dem Nachbarn Hoesch Schwerter Profile (HSP), der bereits Ende 2019 einen Insolvenzantrag gestellt hatte, sei die Insolvenz von HSEP zu erwarten gewesen, erklärt Marion Rodine. Es gebe sowohl Lieferleistungs- als auch Dienstleistungs-Verflechtungen. Beispielsweise übernehme HSP in diesem Rahmen Verwaltungsaufgaben, die das Presswerk bezahlt.

Ein großer Knackpunkt bei den Rettungsbemühungen für beide Unternehmen war die Grundstücksfrage gewesen. Der scheint mittlerweile ausgeräumt, nachdem der Rat der Stadt Schwerte beschossen hat, das Grundstück als Industriefläche kaufen zu wollen.

„Es gibt einen Käufer für das Grundstück mit Fortsetzung der gewerblichen Nutzung“, formuliert es die Sachwalterin. Wäre ein Investor gekommen, der das Gelände zu einer Wohnbaufläche entwickeln wollte, hätte nach ihren Angaben wohl die Ausproduktion bei HSEP gedroht.

Gespräche mit Käufern sollen zum Monatsende in die Details gehen

„Es sieht zurzeit so aus, als würde es beide Gesellschaften an dem Standort weiter geben“, sagt Marion Rodine. Es gebe enge Abstimmungen mit dem Insolvenzverwalter der Firma Hoesch Schwerter Profile, zu der sie natürlich nichts sagen könne. Für HSEP gelte es am Ende, einen Mietvertrag zu verhandeln. Dabei entscheide der neue Grundstückseigentümer, ob man den alten Vertrag fortsetze oder neue Konditionen zu vereinbaren sind.

Vorangetrieben werden die Gespräche mit den Investoren, die an einer Übernahme von HSEP interessiert sind. Darunter sind keine Finanzinvestoren, sondern sämtlich strategische Investoren, wie die Sachwalterin berichtet: „Sie kommen alle im weitesten Sinne aus der Branche.“ Man sei bemüht, im Februar zumindest den Stand zu erreichen, dass man in Gespräche über Details des Kaufvertrags gehen könne: „Ich glaube, dass wir zum Monatsende die grobe Richtung kennen.“

Gläubigerausschuss muss die Verkaufsentscheidung unterschreiben

Die endgültige Verkaufsentscheidung braucht dann schließlich noch die Unterschriften der Sachwalterin und des Gläubigerausschusses. Bei relevanten Fragen muss das Gremium zustimmen, in dem laut Amtsgerichts-Mitteilung Vertreter der Montanstahl S.A. (Schweiz), des Betriebsrats und des Pensions-Sicherungs-Vereins auf Gegenseitigkeit sitzen, der die Sicherung der Werksrenten-Zahlungen übernimmt.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz

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