Insektensterben: Schwerter Experten schlagen Alarm

Bedrohung für Artenvielfalt

Wo sind sie hin, die Insekten, die im Sommer einst so zahlreich auf der Windschutzscheibe klebten? Glaubt man den eigenen Beobachtungen, sind es weniger Tierchen geworden. Das bestätigen auch Umweltexperten. Naturschützer aus Schwerte schlagen deshalb nun Alarm und sagen: Jeder kann etwas für Insekten tun.

SCHWERTE

, 05.08.2017, 07:59 Uhr / Lesedauer: 2 min
Insektensterben: Schwerter Experten schlagen Alarm

Die Goldrute aus der Familie der Korbblütler scheint bei Insekten auch recht beliebt zu sein. Gärtner Peter Schmenk vom Gartencenter Pötschke sagt, gelbe Blüten ziehen Insekten besonders an.

„Das merken wir auch hier ganz gewaltig“, ist Dieter Ackermanns erste Reaktion auf die Frage nach dem Insektensterben in Schwerte. Ackermann von der Arbeitsgemeinschaft Ornithologie und Naturschutz (AGON) weiß , dass die Natur ein Problem hat: das Artensterben.

Das Bundesamt für Naturschutz spricht in seinem Agrar-Report 2017 von einem „eklatanten Artenschwund“, auch bei Insekten. „Überproportionale Bestandsrückgänge bei den Kleininsekten und Spinnen fressenden Vogelarten lassen indirekt auch auf einen Rückgang der Insekten schließen“, heißt es da.

Fehlende Insekten beeinflussen die Vogelwelt

Wirkliche Zahlen, wie sie eine viel diskutierte Krefelder Langzeitstudie liefert, sind aber nicht verallgemeinbar. Um den Trend des Insektenrückgangs wissenschaftlich zu belegen, müssen weitere lokale Studien folgen – das ist Arbeit und die braucht vor allem Zeit und Personal. In Schwerte gibt es eine solche Insektenstudie daher bisher nicht.

Weniger Insekten bedeuten eben auch weniger Pflanzen und weniger Vögel, das weiß Vogelkundler Dieter Ackermann von der AGON. „Da greift eins ins andere.“ Er sagt, der Insektenschwund habe auch „Auswirkungen auf die Vogelwelt“. Tieren wie Meisen, Mauerseglern sowie den Mehl- und Rauchschwalben fehle schlicht ihre Nahrungsquelle.

Menschen können etwas gegen das Artensterben unternehmen

Das Artensterben ist ein Problem, gegen das Menschen etwas tun können und sollten. Schließlich betrifft jeden dieses Problem früher oder später selbst. Werden Nahrungsketten durchbrochen und das Gleichgewicht der Natur gestört, kann das nicht im Interesse der Menschen sein. Denn schon die Landwirtschaft hätte ein Problem ohne Insekten.

Klar ist: Den einen Grund für das Sterben der Insekten gibt es nicht. Da spielen immer einige Faktoren gemeinsam eine Rolle: Das Wetter, die intensive Landwirtschaft, das Mähen von Grasflächen, Insektizide und Dünger. Letztlich laufen all diese Dinge auf eins hinaus: Nahrung. „Es liegt am Futter“, das fehle den Tieren, sagt Imker Jörg Tysarzik.

Jeder Bürger kann im Garten etwas für Insekten tun

Der Meinung ist auch Ackermann, betont aber auch: „Viele Probleme sind menschengemacht.“ Das bedeutet im Rückschluss: Diese Probleme können also auch von Menschen wieder behoben werden: Landwirte und Städte können mit der Schaffung von Grasflächen und entsprechender Flächennutzung einen Beitrag leisten, aber auch Bürger können im eigenen Garten etwas für Insekten tun.

Die Stadt bemüht sich, Insekten einen Lebensraum in Schwerte zu geben. „Wir setzen keine Pestizide ein“, sagt Pressesprecher Carsten Morgenthal. Auch gebe es beispielsweise am Holzener Weg und an der Schützenstraße Blühstreifen, die als Lebensraum für Insekten dienen. Plant die Stadt, Land als Bauland auszuweisen, würden sogenannte grüne Ausgleichsflächen berücksichtigt und es gebe immer eine Artenschutzuntersuchung, bevor es mit einem Bau losgehe, sagt Morgenthal.

Landwirte setzen sich für die Insekten ein

Landwirte setzen sich entgegen oft geäußerter Vermutungen durchaus für den Erhalt von Insekten ein, erklärt Bernd Schulte vom Landwirtschaftlichen Ortsverband Schwerte. „Das ist in unserem eigenen Interesse.“ Daher würden die Blühstreifen an Feldrändern und in Gewässernähe nur ein Mal im Jahr gemäht. Nutzfelder böten den Tieren wenig, sagt Ackermann. Auch er betont, wie wichtig die Blühstreifen für Insekten sind. Die Tiere nutzen diese bunten Oasen als Rückzugsort und Nahrungsquelle.

Helfen können auch Bürger, indem sie Balkone und Gärten möglichst insektenfreundlich gestalten, sagt Frank Weissenberg vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Das bedeutet: auf heimische Pflanzen setzen und keine Gifte verwenden. Im Zweifel könne man einen Gärtner fragen, die wüssten Bescheid. 

Keine genauen Zahlen für Schwerte

Wie Weissenberg empfiehlt er, keine Pflanzen mit „gefüllten“ Blüten zu verwenden, die bestäubenden Insekten keine Nahrung bieten. Stauden wie Mädchenauge oder Sonnenhut, aber auch Gurken oder Tomaten seien eher geeignet. Das klingt eigentlich ganz einfach, alle scheinen an einem Strang zu ziehen. Den Insekten soll es gut gehen, so die einhellige Meinung. Vielleicht fällt, sollte es einmal eine Studie für Schwerte geben, diese doch nicht so verheerend aus, wie die in Krefeld.

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