Wer einen Impftermin buchen wollte, brauchte viel Zeit, Geduld und Glück. © Klose (Grafik)
Meinung

Impftermine: Ein zweifelhafter Spaß für die ganze Familie

Wer immer das System der Terminvergabe für die Impfung erfunden hat: Er wollte möglichst viele Familienmitglieder zur Weißglut treiben. Das hat geklappt. Unser Autor fragt: Mussten wir derart krachend scheitern?

Stellen Sie sich mal vor, Sie wollen eine Party organisieren. Gut, das geht jetzt gerade schlecht, aber es soll auch nur ein Beispiel sein. Normalerweise hören Sie sich ein wenig um, welcher Termin denn passen könnte, und dann wird eingeladen. Per WhatsApp, per Post, per E-Mail. Das richtet sich ein wenig nach dem Publikum, das Sie erreichen wollen.

Und weil so ein Einladungs-System so einfach und simpel ist, hat man bei der Koordinierung der zugegebenermaßen riesigen Impfaktion alles anders gemacht. Soll ja nicht zu einfach sein, an so eine Impfung zu kommen. Das beginnt damit, dass es zwar zwei Wege der Anmeldung gab – mit und ohne Internet.

Gute Idee, weniger gut ungesetzt. Denn man benötigt für beide Wege eine E-Mail-Adresse. In der angepeilten Altersgruppe ist das mal so gar nicht selbstverständlich. Also hat man die Buchung schon mal in vielen Fällen an Kinder oder Enkel delegiert.

Und während der Inklusionsbeauftragte vermutlich bei jeder noch so banalen Webseite draufschaut, ob das auch barrierefrei funktioniert, hat man bei der nun wirklich alle betreffenden Impfung jede Barriere rausgeholt, die man noch irgendwo auf die Seite packen konnte.

Das beginnt bei der völlig sinnfreien Wortwahl: der Online-Alterscheck, der eigentlich nur dazu da ist, einen Code per SMS zu generieren. Das geht weiter mit dem Versäumnis, die bereits gebuchten Termine von der Seite zu nehmen, und endet bei der versprochenen Nachbesserung, die da lautete, jetzt gibt es erst mal gar keine Termine mehr.

Erst Impfzentren gebaut, dann abgewartet

Gut, bei dem Lauf, den man in Sachen Impfung hatte, war das irgendwie vorhersehbar. Da hatte das Land vor Weihnachten drauf gedrängt, die großen Impfzentren zu bauen, um sie dann nahezu zwei Monate leer stehen zu lassen. Jetzt könnte es los gehen, aber der Impfstoff kommt nicht.

Statt das System dann umzustellen, blieb man bei dem ursprünglichen Anmeldeverfahren. Als die Telefonleitungen am Anfang zusammenbrachen, bekam man über die Nachrichten noch die Auskunft: Das wäre am Anfang halt so, man solle einfach später anrufen.

Und online? Da lief es auch nicht ganz so rund. Das begann schon mit dem etwas mühseligen Durchklicken. Da hatte man schon vermeintlich die Terminbuchung für Westfalen (der Weg ging über die Bundesländerliste), um dann erneut sein Bundesland anzugeben und dann ein Impfzentrum. Wer da landete, stand vor der Frage: „Wurde Ihr Anspruch auf eine Corona-Schutzimpfung bereits geprüft?“

Tag für Tag durch den Kalender klicken

Klar, mag so mancher denken, schließlich hatte man ja zuvor die Impfeinladung per Post erhalten. Doch weit gefehlt: Man brauchte einen Vermittlungscode. In der ersten Version wurde der eingefordert. Und wer jetzt meint, den Code auf dem Brief zu finden, nein: „Sollten Sie noch keinen Vermittlungscode besitzen, können Sie Ihren Anspruch unter ‚Nein (Anspruch prüfen)‘ prüfen. Anschließend wird Ihnen ein Vermittlungscode per E-Mail zugeschickt.“ So heißt es in der nun aktuellen Variante.

In der vergangenen Woche sollte man sich die Codes per SMS schicken lassen. Wer das tat, den Code eingab, dem zeigte sich eine pralle Auswahl an möglichen Terminen. Allerdings, wenn man die Termine anklickte, waren die bereits vergeben. Und so konnte man sich Tag für Tag durch den Kalender klicken. Zumindest ab Wochenmitte auch durchgängig ohne Erfolg.

Verbesserung: Jetzt keine Termine mehr

Da versprach man noch am Freitag nachzubessern. Und in der Tat, die Verbesserung kam. Leider gab es da schon keine Termine mehr zu verteilen.

Und auch telefonisch lief so manches schief. Beispiel gefällig? Nicht immer kamen die E-Mail-Bestätigungen für die Termine, die am Telefon vereinbart waren, an.

Ob der Mitarbeiter den Termin erfolgreich eingetragen hatte oder nicht, die Auskunft könne man nur durch einen erneuten Anruf bei der Terminvergabe klären, erhielt meine Mutter als Auskunft, als sie die Hotline für Fragen zu dem Thema anrief.

Eineinhalb Tage später und nach den Versuchen der gesamten Familie, noch einmal auf die begehrte Terminvergabe zu kommen, kam folgendes Ergebnis: Fahren Sie doch einfach zu den vielleicht gebuchten Terminen hin, das wird schon geklappt haben. Eine Riesen-Idee, wenn plötzlich eine ganze Reihe, nicht gerade supermobiler Senioren demnächst in den Impfzentren auftaucht und man feststellt, dass man leider vergessen hatte, deren Termine einzutragen.

Krachend gescheitert

Sicher, dass dies die größte Herausforderung für unser Gesundheitssystem sei, die wir je hatten (so formulierte es die Sprecherin des Gesundheitsministeriums), ist unbenommen. Aber mussten wir gleich derart krachend daran scheitern?

Warum ich mich derart aufrege? Weil ich nun eine Woche meines Lebens damit zugebracht habe, für meine Eltern einen Impftermin zu buchen.

Ich wurde mit lauen Entschuldigungen überlasteter Mitarbeiter, immer wieder anderen Angaben und am Ende (das dann aber beruflich) mit der Aussage „Herr Laumann habe doch schon ein Statement dazu abgegeben“ konfrontiert, ohne bis jetzt zu wissen, ob die Buchung geklappt hat. Dafür weiß ich aber, es ist kein Einzelfall. Denn ich habe mit vielen Leserinnen und Lesern gesprochen, die Ähnliches erlebt haben.

PS: Am Montag gab es wieder Termine für Ende März und April.

PPS: Das Problem, es ist wieder nicht gelungen, dass sich die bereits vergebenen löschen.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
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Heiko Mühlbauer

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