Mieten für manche Läden der Schwerter Fußgängerzone sind im freien Fall

dzSchwerter Fußgängerzone

Die Industrie- und Handelskammer zu Dortmund hat einen aktuellen Gewerbemietpreisspiegel 2019 veröffentlicht. Für die Schwerter Hüsingstraße nennt er überraschende Zahlen.

Schwerte

, 21.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Top-Lage, aber trotzdem sind die Mieten im Sinkflug. Kleine Ladenlokale in 1-a-Bereichen der Schwerter Fußgängerzone sind offenbar schwer an den Mann zu bringen. Wie der aktuelle Gewerbemietpreisspiegel 2019 der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund ermittelt, sind die Mieten für Geschäfte mit 60 Quadratmetern Verkaufsfläche dort seit der vorherigen Erhebung 2016/17 um satte 40 Prozent gesunken.

Statt 25 Euro pro Quadratmeter wurden im Schnitt nur noch 15 Euro gezahlt. Und das ist bleibe nicht der erste Rückgang. Im Jahr 2013 hatten die Vermieter sogar noch 30 Euro pro Quadratmeter aufrufen können, wie IHK-Experte Patrick Voss berichtet. Er weiß auch, was in Schwerte 1a-Lage ist: „Die Hüsingstraße.“

Bei größeren Geschäftsräumen sind dort die Quadratmeterpreise indes stabil geblieben. Sie liegen weiterhin bei 18 Euro. „Die Ketten sind eher in größeren Bereichen zu finden“, erläutert Patrick Voss, der sich aber die gewaltigen Sprünge bei den Klein-Geschäften auch nicht erklären kann. Manchmal helfe es, sie zu einem geräumigeren zu verbinden - wenn es möglich ist.

Von Einnahmen wie in der Dortmunder City können die Vermieter in Schwerte allerdings nur träumen. In Spitzenlagen des Westenhellwegs werden bis zu 220 Euro pro Quadratmeter verlangt. Allerdings ist auch dort die Spanne groß. In Randlagen, etwa am Ende des Ostenhellwegs, gehen die Mietpreisvorstellungen auch auf 24 bis 50 Euro herunter.

Zu hohe Mietforderungen führen zu Leerstand

Erhoben hat die IHK ihre Übersicht auf Grundlage von Daten des Immobilienverbands Deutschland. „Es sind Mieten bei Neuvermietung und für ebenerdige Ladenfläche“, erläutert Voss. Bestehende Mietverträge wurden nicht erfasst. In den 1b-Lagen von Schwerte gingen demnach die Preise im Berichtszeitraum durchweg nach oben - bei den Klein-Geschäften von 10 auf 13,50 Euro, bei den größeren Ladenlokalen von 8 auf 12 Euro pro Quadratmeter.

Trotzdem gibt es überall in der Schwerter Fußgängerzone immer wieder Leerstände. Bei der städtischen Wirtschaftsförderung baut der Leiter des neuen professionellen Stadtmarketings, Michael Kersting, ein Geschäftsflächenmanagement auf. Er kann aber nur Interessenten zusammenbringen, hat auf die Vertragsverhandlungen natürlich keinen Einfluss. „Die Eigentümerseite muss mitspielen“, sagt er. Zu hohe Mietforderungen behindern oft die Neubesetzung.

Doch die Zeiten haben sich angesichts der Internethandel-Konkurrenz gewandelt: „Wir müssen den Vermietern den Zahn von 35 Euro pro Quadratmeter und Zehn-Jahres-Mietverträgen ziehen.“ Denn es gebe Interessenten, die nach Schwerte kommen möchten. Man sei in Gesprächen: „Doch die Rahmenbedingungen müssen stimmen.“

Fußgängerzonen müssen auch Unterhaltung bieten

Dazu gehört für Patrick Voss auch eine zeitgemäße Gestaltung von Ladenlokalen. In die Jahre gekommene Immobilien seien schwer zu vermitteln. Manchmal fehle es auch an der nötigen Barrierefreiheit. Oder die Schaufensterfront passe nicht zu den Vorstellungen des Mieters.

Mieten für manche Läden der Schwerter Fußgängerzone sind im freien Fall

Die Hüsingstraße als 1a-Lage ist bei den Ladenmieten das teuerste Pflaster von Schwerte - aber nur bei großflächigen Geschäften. © Reinhard Schmitz

Zur Erhaltung und Belebung der Einkaufsmeilen zählt die IHK aber auch noch andere Aspekte auf, um dem Onlinehandel die Stirn bieten zu können. „Der Kunde möchte entertaint werden“, sagt Patrick Voss. Mit Veranstaltungen können man Angebote für eine attraktive Fußgängerzone schaffen. Das wirke sich dann eventuell auch wieder auf eine steigende Preisentwicklung bei den Mieten aus. Die Abwärtsspirale, wie sie die IHK aus anderen Städten kennt, möchte keiner für Schwerte. Als dort der hochpreisige Fach-Einzelhandel verschwand, zogen erst Dienstleister in die Ladenlokale ein, dann folgten denen wiederum Ramschläden und Spielhallen.

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