Hoesch-Schwerter-Profile: Betriebsrat kündigt Rentnern die Zahnkasse

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Jahrelang reichte die Solidarität bei Hoesch Schwerter Profile auch für die Rentner. Jetzt wurde dem Betriebsrat das zuviel, er kündigte die Zahnkasse. Das ärgert Rentner Dieter Schrei.

Schwerte

, 13.04.2019 / Lesedauer: 3 min

36 Jahre hat Dieter Schrei bei Hoesch Schwerter Profile gearbeitet. 1995 war Schluss für den Schweißer. Im Zuge eines der vielen Sozialpläne schied er aus dem Betrieb aus. Mit dem Eintritt in sein frühes Rentenalter trat er der Zahnkasse des Betriebsrates bei Hoesch bei. Die garantierte ihm damals einen Zuschuss zum Eigenanteil, wenn er mal Kronen oder Zahnersatz brauchen werde.

Den brauchte er jetzt Anfang des Jahres. Für einen umfangreichen Zahnersatz bekam er einen Kostenplan von seinem Arzt. Der Eigenanteil beläuft sich demnach auf 2542 Euro. Die wird Schrei wohl selber bezahlen müssen, denn einen Zuschuss zum Eigenanteil von der Zahnkasse gibt es nicht. Die wurde nämlich im November kurzfristig geschlossen. Dieter Schrei ärgert das. Jahrzehntelang habe er da eingezahlt und jetzt gebe es plötzlich kein Geld mehr. „Vorher habe ich nun mal keine neuen Zähne gebraucht“, ärgert er sich.

Im Oktober Schreiben, ab November nicht mehr versichert

Im Oktober vergangenen Jahres hatte er ein Schreiben vom Betriebsrat erhalten. Darin wurde ihm mitgeteilt, dass die Versicherung zum 1. November eingestellt werde. „Dabei hatte ich noch im Juni den Jahresbetrag eingezahlt“, so Schrei. Im Betriebsratsbüro habe man ihm sogar gesagt,das Geld sei weg.

„Ganz so ist das nicht“, erklärte Betriebsratschef Horst Köchling auf RN-Anfrage. Die Zahnkasse sei ein Teil der sogenannten Sozialkasse des Betriebsrates. In die zahlen aktive Hoeschianer einen Teil ihres Gehaltes ein, um zum Beispiel bei längerer Krankheit einen Zuschuss zum Krankengeld zu erhalten. Ein kleiner Betrag, nämlich drei Euro pro Monat, habe man auch für Zahnbehandlungen einbehalten. In diese sogenannte Zahnkasse konnten - anders als in die Sozialkasse - auch die Rentner einzahlen.

Verwaltungsaufwand war am Ende zu groß

„Doch der Verwaltungsaufwand hat uns am Ende schlicht überfordert“, so Köchling. Deshalb habe man die Zahnkasse für Rentner eingestellt. „Wir hätten mittlerweile alleine dafür eine Vollzeitkraft gebraucht“, so Köchling. Doch die würde der Arbeitgeber sicherlich nicht genehmigen.

Als man die Sozialkassen in den 80er-Jahren einführte, gab es bei Hoesch Schwerter Profile noch über 1000 Beschäftigte. Heute sind es gerade mal 400 Mitarbeiter, dementsprechend ist auch der Betriebsrat mit Personal ausgestattet.

Betriebsratschef Köchling kann den Ärger des ehemaligen Kollegen dennoch nachvollziehen. „Das ist ärgerlich, aber wir sind froh, dass für die aktive Belegschaft aufrechterhalten zu können.“

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