Hier droht Radfahrern in Schwerte Gefahr - gefährliche Kanten, Radwege ins Nirgendwo

dzRadpendler erzählt

Kay Nentwig verzichtet aufs Auto, obwohl er nach Bonn pendelt. In Schwerte nutzt er das Fahrrad. Sein Fazit: Es wird zu wenig für Radler getan. Er zeigt, wo es besonders gefährlich ist

07.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Um wen geht es hier?

Sein Auto hat Kay Nentwig verkauft. Er ist aufs Fahrrad umgestiegen. Zumindest für die Wege in Schwerte. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass er in Bonn arbeitet. Den Weg von Schwerte nach Bonn legt er mit dem Zug zurück. Und das bereits seit 2006. Damals als er in Bonn zu arbeiten begann, habe er noch geglaubt, dass der Weg zur Arbeit am besten mit dem Auto zurückzulegen sei. Aber das änderte sich schnell. Die Nentwigs verkauften einen ihrer zwei Wagen und Kay Nentwig stieg aufs Fahrrad und die Bahn um. 2750 Euro kostet das Jahresticket bei der Deutschen Bahn. „Dafür kann ich noch nicht einmal das Benzin finanzieren“, sagt er. Und umweltfreundlicher ist diese Variante allemal. Deshalb ist Nentwig auch so sauer auf viele Verkehrslösungen in Schwerte. Denn auch wenn die Stadt sich fahrradfreundlich gebe, geplant werde nur für Autos. Warum, das belegt er bei einer Radtour mit Beispielen.

1. Die Hagener Straße von der Brückstraße bis zum City-Centrum

Hier droht Radfahrern in Schwerte Gefahr - gefährliche Kanten, Radwege ins Nirgendwo

Achtung, hier auf der Hagener Straße kommen einem oft Autos auf dem Fahrradstreifen entgegen. Schuld daran sind vor allem die Fahrzeuge links im Halteverbot. © Bernd Paulitschke

Eigentlich sieht die Lösung auf den ersten Blick durchaus fahrradfreundlich aus. Der Radfahrer darf die Einbahnstraße entgegen der Fahrtrichtung nutzen und es gibt auch einen Sicherheitsstreifen. „Der ist aber nutzlos, wenn auf der anderen Seite nicht konsequent gegen Falschparker vorgegangen wird. Denn größere Autos und der Bus müssen bis auf den Radstreifen ausweichen. Kaum einer wartet, wenn im Gegenverkehr „nur“ ein Fahrrad auftaucht. Der Effekt: Die Radler werden von den Autos in Richtung Bordsteinkante und Fußweg gedrängt. Richtig gefährlich wird das, wenn zudem Radfahrer aus der Gegenrichtung meinen, sie müssten auch den Schutzstreifen nutzen. Das ist zwar nicht erlaubt, aber solange die Autos auf der City-Centrum-Seite parken, glauben viele Radler sie müssten dorthin ausweichen.

2. Lebensgefährliche Kreisverkehre am Schützenhof und in Wandhofen

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Der Kreisverkehr in Wandhofen. Hier hat der Radler keine Vorfahrt und muss nach hinten schauen, ob ein Auto kommt. © Bernd Paulitschke

Wer am Schützenhof mit dem Rad die beiden Kreisverkehre passiert, hat Vorfahrt, auch wenn er wie vorgeschrieben den Radweg nutzt. Das klappt zwar nicht immer, weil manche Autofahrer die Radler übersehen, aber grundsätzlich ist es so geregelt. Am Kreisverkehr in Wandhofen aber nicht. Hier müssen die Radfahrer erst auf einen Radweg, um dann eben keine Vorfahrt mehr zu haben. Und das in einer Situation, in denen der Autoverkehr quasi hinter ihnen in die zu überquerende Straße einbiegt. „Das wäre noch beherrschbar, wenn alle Autofahrer rechtzeitig blinken würden, wenn sie aus dem Kreisverkehr abbiegen“, so Nentwig. Zumal die langgestreckte Kurve nicht zum Bremsen zwingt. Die Situation ist auch für Autofahrer nicht ungefährlich. Weil auch sie oft glauben, der Radfahrer hat Vorfahrt und dann mitten im Verkehr bremsen.

3. Die Hagener Straße vor dem Penny-Markt und die Baustelle

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Besonders gefährlich wird es an der Baustelle an der Hagener Straße. © Bernd Paulitschke

Auf der Hagener Straße gilt es gleich mehrere gefährliche Situationen zu meistern. Zum Beispiel vor dem Penny-Markt darf der Radfahrer auf dem Bürgersteig fahren, allerdings steht die Ampel direkt in der Mitte des ohnehin schon kleinen Wegs, den sich Fußgänger und Radfahrer teilen. Das führt dazu, dass viele Radfahrer auf den Parkplatz ausweichen und danach wieder in den Verkehr einfädeln. Noch komplizierter ist die Situation an der Kanalbaustelle, die seit über einem halben Jahr dort die Hälfte der Fahrbahn und einen Großteil des Bürgersteiges versperrt. Der Radfahrer hat die Alternative vorbeizuschieben, wobei das nur ohne Gegenverkehr möglich ist, oder auf die Straße auszuweichen. Hier sind die Fahrspuren aber so eng, dass die Autofahrer eigentlich nicht überholen dürften. „Das tun sie aber regelmäßig“, so Nentwig. Besonders gefährlich wird die Situation, wenn jemand im Gegenverkehr nicht bemerkt, dass er über den Standstreifen geleitet wird.

4. Bushaltestellen mitten auf dem kombinierten Rad- und Fußweg

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Die Durchfahrt vorbei an der zudem durchsichtigen Baushaltestelle ist äußerst schmal und muss mit Fußgängern geteilt werden. © Bernd Paulitschke

In Wandhofen an der Hagener Straße teilen sich Radfahrer, Fußgänger und ein komplettes Wartehäuschen für Busfahrgäste den Bürgersteig. An der engsten Stelle ist der Weg kaum 70 Zentimeter breit. Zudem Fahren die Radfahrer hier direkt vor dem Wartehäuschen her und müssen sich drauf verlassen, dass niemand plötzlich aufsteht.

5. Radwege, die plötzlich enden

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Auf der Hagener Straße gilt es die Straße auf dem Bürgersteig zu überqueren. © Bernd Paulitschke

Hinter der Einmündung zur Strangstraße in Wandhofen endet der Rad- und Fußweg. Allerdings ohne abgesenkte Bordsteine. Ähnlich beginnt er auf der Gegenfahrbahn. „Da habe ich mich schon mal langgemacht“, sagt Nentwig. Denn durch den stumpfen Winkel, mit dem man auf den halb abgesenkten Bordstein triff, rutsche einem leicht der Reifen weg. Ähnlich gefährlich ist es auch an der Schützenstraße hinter der Kuhbar. Hier endet der Radweg und mündet auf die viel befahrene Schützenstraße, die dort nicht nur eine Einmündung hat, sondern auch nicht besonders breit ist. Kaum ein Autofahrer erkennt das frühzeitig. Wenn der Radfahrer nicht hält, begibt er sich in Lebensgefahr.

6. Unpraktische Fahrradständer am Bahnhof zu eng

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Erweitert und doch noch zu eng: Der Fahrradständer am Bahnhof. © Bernd Paulitschke

Eigentlich wurde der Bahnhof in Sachen Radständer großzügig aufgerüstet. Doch die neuen Ständer seien „völliger Blödsinn“, sagt der Dauerpendler Nentwig. Denn wenn man sie regulär nutzt, wären sie zwar ausreichend breit, die Kapazität reicht aber nicht aus. Deshalb sind die Ständer nicht nur mittig, sondern auch links und rechts belegt. Das führt aber dazu, dass man seinen Drahtesel dazwischen quetschen muss. „Wenn man es morgens eilig hat, ist das schon ein Faktor.“ Vor allem ärgern ihn aber die vielen Freiräume rund um die Fahrradständer. „Warum kann man hier nicht einfach noch ein paar Fahrradständer aufstellen? Da kann doch allenfalls der Architekt des Platzes was dagegen haben“, so Nenntwig.

Kampagne für Klimaschutz

Autor ist seit zwei Wochen Stadtradelstar

Seit knapp zwei Wochen ist der Autor Heiko Mühlbauer als Stadtradelstar unterwegs. In dieser Zeit muss er ganz auf das Auto verzichten, auch als Beifahrer. Die meisten Wege in der Stadt werden mit dem Rad zurückgelegt. Auch auf dem Weg nach Dortmund ist man mit dem Drahtesel gut aufgehoben. Gleich zu Beginn hatte er eine E-Mail von Kay Nentwig bekommen, in der er anmerkte, dass der Redakteur sicherlich auch selbst die Probleme kennenlernen würde. Hat er dann auch. Aber für die Geschichte radelte man gemeinsam durch die Stadt, hauptsächlich natürlich auf dem täglichen Weg von Kay Nentwig
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