Herbstkirmes-Aus in Schwerte: „Das ist ein Schlag ins Gesicht“

dzCorona-Folge

Keine Herbstkirmes 2020 in Schwerte – nach der Verlängerung des Veranstaltungsverbots für NRW steht das nun fest. Das hat auch Auswirkungen auf den Verkaufsoffenen Sonntag.

Schwerte

, 18.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ich habe eine schlaflose Nacht gehabt“, sagt Dieter Hahn. Der Schausteller aus Holzwickede und Chef der Herbstkirmes in Schwerte hatte die deutlichen Signale vernommen. Die aus München und die aus Berlin.

Ein längeres Verbot von Großveranstaltungen, für das Oktoberfest ebenso wie für eine kleine Kirmes auf dem Land, bis Ende Oktober mindestens, vielleicht sogar länger. „Wir haben am Montag schon zusammengesessen.“

Und schon bevor die Verlängerung des Verbotes offiziell verkündet war, hatte es Hahn im Gefühl: die Herbstkirmes in Schwerte, rund um den Verkaufsoffenen Sonntag am 25. Oktober? Das wird nichts mehr.

Dirk Hahn vom Schaustellerverein Iserlohn organisiert die Kirmes in Schwerte.

Dirk Hahn vom Schaustellerverein Iserlohn organisiert die Kirmes in Schwerte. © Archiv

„Jetzt wird‘s schwierig, wirtschaftlich gesehen richtig schwierig“, unterstreicht er: „Es ist ein Berufsverbot. Das ist für uns ein Schlag ins Gesicht.“

Ein paar Monate ohne Kirmes würden sich ja überbrücken lassen. Aber eine Pause von einem halben Jahr oder noch länger? „Jetzt sehen wir wirklich unsere Existenz bedroht“, verdeutlicht Hahn. Um sich selbst dann wieder Mut zu machen: „Aber noch schmeißen wir die Flinte nicht ins Korn.“

„Es kann nicht sein, dass Freibäder aufmachen und Parks. Die Leute sitzen nebeneinander im Flieger. Und wir sind unter freiem Himmel und dürfen nicht?“
Dirk Hahn, Organisator der Herbstkirmes

Er habe ja Verständnis gehabt zu Beginn der Corona-Krise. Alles dicht, alle zuhause, also auch keine Kirmes – klar.

Aber nun, da Vieles wieder gelockert werde? „Es kann nicht sein, dass Freibäder aufmachen und Parks. Die Leute sitzen nebeneinander im Flieger. Und wir sind unter freiem Himmel und dürfen nicht?“

Nur jedes zweite Fahrzeug besetzt, Kirmes ohne Alkohol?

Man habe doch Konzepte erarbeitet für die Kirmes im Corona-Modus: „Nur jedes zweite Fahrzeug besetzt, zwischendrin desinfizieren. Denn besser, wir machen es mit halber Kraft als gar nicht.“ Auch wenn das natürlich mit vielen Mühen und zusätzlichen Kosten verbunden wäre.

Im Zweifelsfall ohne Alkoholausschank und mit geringem kulinarischen Angebot oder ganz ohne – auch das wäre gegangen. Dieter Hahn kennt es aus Menden. Da organisierte er vor einigen Wochen eine „Kirmes to go“: Die Menschen kamen in Autos, nahmen sich Kirmes-Leckereien mit. „Da haben wir wenigstens ein bisschen Umsatz fahren können“, findet Hahn.

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Ohne Großveranstaltung kein Verkaufsoffener Sonntag

Eine echte Kirmes wird es aber nicht geben, auch nicht am letzten Oktober-Wochenende in Schwerte. Und das hat Auswirkungen für die Einzelhändler. „Ein Verkaufsoffener Sonntag ist immer anlassbezogen. Es muss also eine Großveranstaltung geben“, unterstreicht Peter Rienhöfer, Chef der Werbegemeinschaft in Schwerte.: „Das heißt, es müssen richtig Menschenmengen in der Stadt sein.“

Die Kirmes-Absage bedeutet also auch: 2020 wird es keinen Verkaufsoffenen Sonntag mehr geben in Schwerte. Der im September war mit Absage des Pannekaukenfestes schon hinfällig. Der am 25. Oktober ist nun auch gekippt. Denn das restliche Rahmenprogramm allein – „Schwerte kulinarisch“ und Handwerkermarkt – reiche auch nicht, findet Rienhöfer. Da falle sicherlich alles weg.

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