Muttertag im Pflegeheim: Covid-Scheibe und mündlicher Corona-Test

dzLockerungen in NRW

Pünktlich zum Muttertag dürfen Menschen in Alten- und Pflegeheimen wieder Besuch empfangen. Blitzschnell müssen sich die Einrichtungen vorbereiten und Konzepte erstellen. Was ist geplant?

Schwerte

, 08.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Krise trifft Menschen in Alten- und Pflegeheimen besonders hart. Seit mehr als sechs Wochen dürfen sie keinen Besuch von Angehörigen bekommen, können sich tagsüber nur schwer ablenken. Für Angehörige und die Senioren selbst eine belastende Situation, aber auch für die Mitarbeiter. Denn sie müssen den fehlenden zwischenmenschlichen Kontakt auffangen.

Ab Sonntag soll sich die Situation für alle Beteiligten etwas bessern. Die Landesregierung hat das Besuchsverbot für Alten- und Pflegeheimen ein wenig gelockert. Unter besonderen Bedingungen dürfen Angehörige einmal pro Woche für eine Stunde ihre Familienmitglieder in Heimen besuchen.

Von Mittwoch bis Sonntag ein wasserdichtes Hygiene-Konzept auf die Beine stellen? Die Organisation für die Erfüllung der Vorgaben stellt die Alten- und Pflegeheime in Schwerte vor eine Herausforderung. Denn eins ist klar: Sollte in einem der Heime das Coronavirus ausbrechen, würde es sich rasend schnell verbreiten und für die Bewohner - mitten in der Risikogruppe - zur Gefahr werden.

Besuche im Garten und Plexiglasscheiben gehören ins Konzept

„Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir sichere Besuche für unsere Bewohner ermöglichen können“, sagt Iris Dotschkal, Einrichtungsleitung des Johannes-Mergenthaler-Haus. „Um den Kontakt zwischen Angehörigen und Bewohnern aufrecht, führen wir begleitete Besuche auf den Balkonen und am Gartenzaun durch.“ Vorausgesetzt werde dazu zudem eine vorherige Terminabsprache mit der Einrichtung.

Auf feste Termine setzt man auch im Friedrich-Krahn-Seniorenzentrum. Man habe schon alle Angehörigen informiert, sagt Leitung Kirsten Hermann-Baglivo. Die können sich dann am Telefon anmelden und ein Zeitfenster reservieren. „Damit wir mehr Besuche anbieten können, haben wir die Zeiten aber eingeschränkt.

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Schon vorher hatte man in dem Pflegeheim ein „Corona-Fenster“ installiert, wo sich Bewohner und Angehörige durch eine Plexiglasscheibe sehen konnten. Und Videoanrufe waren auch seit längerem möglich. Jetzt plane man noch einen „auswärtigen Zusatzraum, wo die Angehörigen vorher registriert werden und dann die Senioren besuchen dürfen“, erklärt Hermann-Baglivo.

Kurzscreening, aber kein Fiebermessen

In allen Pflegeheimen gilt: Besucher müssen sich vorab einem Kurzscreening unterziehen - hier werden Fragen zu Symptomen, zum Gesundheitszustand und zu eventuellen Kontakten zu Covid-19-Patienten gestellt. NRW-Gesundheitsminister Josef Laumann stellte aber klar: Körperliche Untersuchungen, wie beispielsweise Fiebermessen, wird es nicht geben.

Auch im Klara-Röhrscheidt-Haus sollen Bewohner ihre Angehörigen über den Gartenzaun oder vom Balkon aus sehen und sprechen können. „Für nächste Woche sind zwei Tische im Garten geplant, die mit einer Plexiglasscheibe ausgestattet sind“, berichtet Einrichtungsleiter Stefan Weizmann. „Wir wollen Angehörigen die Gelegenheit bieten sich zu sehen.“ Dazu gehöre neben dem entsprechendem Abstand und vorheriger Terminabsprache auch die Aufsicht des Betreuungspersonals.

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Erst im März war im Klara-Röhrscheidt-Haus ein Corona-Fall aufgetreten - wenn auch nur indirekt. Ein Bewohner des Pflegeheims war im Marienkrankenhaus positiv auf das Virus getestet worden. Eine anschließende groß angelegte Testaktion konnte die Situation aber entschärfen, alle Testergebnisse fielen negativ aus. Dass das noch einmal vorkommt wolle man auf jeden Fall verhindern, heißt es.

Denn Gesundheitsminister Laumann stellte auch klar: In Heimen mit Corona-Infizierten sind Besuche absolut tabu. Sollte irgendwo ein Fall auftreten, wird das betroffene Heim wieder geschlossen.

Nicht alle Pflegeheime in Schwerte waren am Mittwoch und Donnerstag für eine Stellungnahme zu erreichen.

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