Grundschüler zurück im Klassenraum: „Wirkt wie ein großer Feldversuch“

dzSchwerter Grundschulen

Kompletter Neustart für alle sieben Grundschulen: Ab dem 15. Juni sind die Klassenräume wieder voll. Obwohl alle vorbereitet scheinen, bereitet die Anordnung Schulleitern und Lehrer Sorgen.

Schwerte

, 08.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Noch knapp zwei Wochen bis zu den großen Sommerferien. Und ganz vor dem Endspurt hatte das NRW-Schulministerium dann am Freitag beschlossen: Ab dem 15. Juni sollen alle Grundschüler wieder zusammen und gleichzeitig den Unterricht besuchen.

Die allgemein gültige Abstandsregelung von 1,50 Metern muss wegfallen. Stattdessen soll es feste Lerngruppen geben, die durch gestaffelte Zeiten während des Unterrichts und dann auch in den Pausen voneinander getrennt werden. So die Theorie. An den Schulen selbst weiß man, dass das nicht immer funktioniert.

Getrennte Lerngruppen? Nicht in der Betreuung

„Wer im Klassenraum an seinem Platz sitzt, muss keine Maske tragen. Doch sobald ein Kind aufsteht, auf die Toilette oder auf dem Schulhof ist: Masken auf“, erklärt Martin Krämer von der Lenningskampschule die vom Ministerium auferlegten Regeln. Probleme gibt es bei der Einhaltung fester Gruppen: „Wir versuchen das so weit es geht. Das klappt aber in der Betreuung nicht, spätestens da werden die Klassen durchgemischt.“

Für alle Schwerter Grundschulen gilt deshalb ein Kompromiss. Früh- und Nachmittagsbetreuung finden in vier Gruppen statt, für jeden Jahrgang eine. Auch die Pausen- und Eingangssituationen müssen jahrgangsbezogen organisiert werden, erklärt Krämer. Das Problem an der Lenningskampschule: „Wir sind hier zusätzlich noch mitten in der Baustelle an der OGS. Uns fehlen zwei Eingänge“, so der Schulleiter.

Die Lehrer haben die zusätzliche Aufgabe, die jeweiligen Gruppenzusammensetzungen und Anwesenheiten zu dokumentieren, um eventuelle Infektionsketten zurückzuverfolgen.

„Es gibt keinen ersichtlichen Grund, alles umzuwerfen.“

Alle neuen Standards umschmeißen, zehn Schultage vor den Sommerferien? Krämer meint: „Das hätte nicht sein gemusst. Wir könnten uns das alle schenken. Das wirkt wie ein großer Feldversuch, um mal zu schauen, was denn überhaupt passiert, wenn man zur Normalität zurückgeht.“ Denn mittlerweile – so sind seine eigenen Erfahrungen und die seiner Kollegen – hatten sich alle gut mit der Ausnahmesituation arrangiert.

Jetzt lesen

Schüler wurden mit Material fürs Home Schooling versorgt, manche Klassen haben tägliche Videkonferenzen gemacht. „All das hat funktioniert. Es gibt keinen ersichtlichen Grund, das jetzt umzuwerfen.“

Aber genau das wird jetzt passieren. Bis zum Start am Montag ist noch viel zu tun. „Wir müssen gucken, dass die Eingangssituation geregelt ist. Es wird neue Anfangs- und Endzeiten geben, neue Stundenpläne. Das ist eine ganze Menge.“ Zu seinem Kollegium gehört nur eine Lehrerin, die zur Risikogruppe gehört und deshalb dem Unterricht fern bleibt. Mit ein paar Tricks könne man also „ganz gut planen.“

Die Schuleiter aller sieben Grundschulen trafen sich mit Peter Kranhold (r.) und Sabine Reetz (Mitte) zum Vorbereitungsgespräch.

Die Schuleiter aller sieben Grundschulen trafen sich mit Peter Kranhold (r.) und Sabine Reetz (Mitte) zum Vorbereitungsgespräch. © Ingo Rous

Am Montag hatten sich die Schulleiter gemeinsam mit Vertretern der Offenen Ganztagsschulen mit Peter Kranhold und Sabine Reetz aus dem Schulverwaltungsamt der Stadt Schwerte getroffen. Durch eine Elternumfrage soll jetzt deutlich werden, welche Kinder vom 15. Juni an wieder die Schulen besuchen werden.

Auch die Notbetreuung läuft am Freitag aus und wird ergänzt durch reguläre Betreuungsangebote wie den Offenen Ganztag und die Randzeitenbetreuung. Wie genau die Betreuung abläuft, wer teilnehmen darf und wie die Kinder verpflegt werden, muss die Schulleitung in Abstimmung mit den Betreuern vor Ort entscheiden.

Lesen Sie jetzt