Insolvenz bei Hundhausen: Mitarbeiter erfuhren es per Aushang

dzWirtschaft in Schwerte

Beschäftigungsschwierigkeiten wurden schon Ende 2019 sichtbar. Durch die Coronakrise spitzte sich die Lage bei Hundhausen zu. Trotzdem wurde die IG Metall vom Insolvenzantrag überrascht.

Schwerte

, 13.05.2020, 19:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

Per Aushang erfuhren die Hundhausen-Mitarbeiter die Schreckensnachricht: Ihr Arbeitgeber hatte ein Insolvenzverfahren beantragt. Zusammentrommeln konnte man die rund 480 Beschäftigten in Coronazeiten am Dienstag (12. Mai) ja nicht, wie Jens Mütze erklärt. Der Geschäftsführer der Industriegewerkschaft (IG) Metall in Hagen war von der Zuspitzung der Lage in dem Gießereibetrieb selbst kalt erwischt worden. „Betriebsrat und IG Metall wussten von der schwierigen Situation“, sagt er: „Aber von der Insolvenz wurden wir trotzdem überrascht.“

Beschäftigungsschwierigkeiten wurden schon Ende 2019 sichtbar

Beschäftigungsschwierigkeiten - so berichtet Mütze - seien schon Ende vergangenen Jahres erkennbar gewesen. Die Konjunktur bei den Abnehmern der Gussteile in der Automobilindustrie lief nicht mehr so rund. Damals sei die Geschäftsführung auf die Gewerkschaft zugekommen, um über mögliche tarifliche Veränderungen zu sprechen. Zu einer Vereinbarung kam es nicht: „Die Verhandlungen sind jetzt auf Eis gelegt worden, weil wir überrollt wurden von den Ereignissen.“ Die Coronakrise habe Hundhausen „wegen des Kundenstamms extrem“ getroffen. Der Betrieb ist Zulieferer für die Autoindustrie mit dem Lkw-Bauer MAN als größtem Kunden. Die Frage sei: „Wann fährt der die Produktion wieder hoch?“

Drei Monate lang zahlt die Arbeitsagentur jetzt Löhne und Gehälter

Für die nächsten drei Monate seien die Beschäftigten durch das eingeleitete Vorinsolvenzverfahren geschützt, erläutert der Gewerkschafts-Geschäftsführer weiter. Die Lohne und Gehälter würden durch das Insolvenzgeld von der Arbeitsagentur weitergezahlt. Auch die Produktion werde fortgesetzt. „Wir werden alles dafür tun, dass es einen Fortbestand des Unternehmens gibt mit so vielen Arbeitsplätzen wie möglich“, kündigte Jens Mütze an. Noch am Tage des Insolvenzantrags hatte er Unterredungen mit der Geschäftsführung geführt.

Seit 1919 gibt es die Gießerei Hundhausen in Schwerte. Bei der Sanierung der Bahnhofshalle kamen vor einigen Jahren hinter einer Verkleidung alte Werbeschriftzüge zum Vorschein.

Seit 1919 gibt es die Gießerei Hundhausen in Schwerte. Bei der Sanierung der Bahnhofshalle kamen vor einigen Jahren hinter einer Verkleidung alte Werbeschriftzüge zum Vorschein. © Reinhard Schmitz

Gespräche mit „allen wesentlichen Beteiligten“ will auch der als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzte Rechtsanwalt Dr. Dirk Andres (Düsseldorf), ein Experte für Restrukturierungen, aufnehmen. Das kündigt sein Pressesprecher Thomas Feldmann an. „Andres wird sich jetzt einen umfassenden Überblick über die wirtschaftliche Ausgangslage des Schwerter Unternehmens verschaffen“, teilt er mit: „Wir schauen uns die Gesamtsituation genau an und werden alle uns zur Verfügung stehenden Sanierungsoptionen prüfen.“ In den kommenden Wochen werde sich Dr. Andres dabei auch eng mit dem Sanierungsberater Dr. Thomas Kluth austauschen, den die Geschäftsführung von Hundhausen bereits zuvor mit ins Boot geholt hatte.

Wegen Corona gibt es jetzt mehrere Mitarbeiterversammlungen

Die Beschäftigen, die sich laut Thomas Feldmann wegen der Coronakrise bereits zum Teil in Kurzarbeit befinden, sollen am Donnerstag (14. Mai) auch persönlich mehr Informationen über die aktuelle Situation und das weitere Vorgehen erhalten. Wegen der Coronakrise werden sie - unter Berücksichtigung der erforderlichen Schutzvorkehrungen - auf mehrere Mitarbeiterversammlungen aufgeteilt.

Hundhausen hat seit 1914 viele turbulente Wirtschaftszeiten gemeistert

„Setzen wir uns gemeinsam für eine auskömmliche Zukunft unserer Walter Hundhausen GmbH (...) ein“, ruft die Geschäftsführung die Mitarbeiter in dem Aushang vom Dienstag auf. Das Unternehmen hat schon viele turbulente Wirtschaftszeiten überstanden, seit es 1914 von dem Kaufmann Walter Hundhausen in Gevelsberg als Eisen- und Stahlgießerei gegründet worden ist. Fünf Jahre später zog sie nach Schwerte um. Ein Meilenstein war 1928 die Produktion von sogenanntem schwarzen Temperguss, bei dem ein Glühvorgang (das sogenannte Tempern) das Material gut bearbeitbar macht. Schon 1944 wurden daraus Bremstrommeln für das heutige Volkswagenwerk gefertigt. Nach wechselnden Eigentümern gehört die Walter Hundhausen GmbH seit 2000 zur Georgsmarienhütte Holding.

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