Diese verlassene und denkmalgeschützte Villa an der Lembecker Straße in Rhade hat der Profi-Fußballer Marvin Bakalorz (2.v.l.) erworben und wollte sie nach seiner sportlichen Karriere mit seiner Familie bewohnen. Rechts Bürgermeister Tobias Stockhoff, daneben Vater Dirk Bakalorz und links Architekt Eberhard Berg. © Michael Klein (A)
Immobilien

Fußballprofi möchte denkmalgeschützte Villa schon wieder verkaufen

Eine denkmalgeschützte Villa in Dorsten steht lange leer. Eigentlich wollte ein bekannter Fußballprofi das Anwesen herrichten lassen. Doch nun möchte er es doch wieder verkaufen.

Das stattliche Gebäude ist stilvoll im Gegenlicht fotografiert. „Denkmalgeschützte Jugendstillvilla repräsentiert historischen Charme“, lautet die Überschrift.

250 Quadratmeter Wohnfläche, acht Zimmer, dazu ein angrenzendes Stallgebäude, 1.000 Quadratmeter Grundstück: 389.000 Euro soll das herrschaftliche, aber schon seit vielen, vielen Jahren leer stehende Anwesen an der Lembecker Straße in Rhade kosten, das derzeit in den gängigen Immobilien-Portalen angepriesen wird.

Villa ist über 100 Jahre alt

Moment mal: Hat nicht erst vor knapp einem Jahr ein bekannter Fußball-Profi das markante und aktuell noch sehr marode Bauwerk gekauft?

Richtig: Es handelt sich tatsächlich um die mehr als 100 Jahre alte Villa, die Marvin Bakalorz, seinerzeit noch Kapitän des Zweitliga-Clubs Hannover 96, erworben hat. Und in die er irgendwann mit Frau und Kind nach dem Karriereende einziehen und damit in seine Heimat und die seiner Eltern zurückkehren wollte.

Doch wie das Leben und das Fußball-Geschäft so spielt: „Nach dem Hauskauf hat Marvin einen Vertrag in der ersten türkischen Liga unterschrieben“, erzählt sein Vater und Ex-Fußballprofi Dirk Bakalorz, der in Raesfeld ein Sportgeschäft betreibt und in Rhade lebt.

„Da war es für ihn und seine Frau nicht möglich, sich hier regelmäßig um den Umbau zu kümmern.“ Denn die Renovierung ist kompliziert: Immerhin müssen bei allen Sanierungsschritten die Denkmalschutzbehörden mitreden.

Als Marvin Bakalorz das Haus kaufte, war er noch Kapitän bei Hannover 96. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Und wo die Karriere des früheren BVB-Spielers weitergeht, sei ebenfalls noch unklar. Denn der türkische Club Denizlispor, für den der 31-Jährige in den letzten Monaten seine Fußballstiefel geschnürt hat, wird definitiv absteigen. Ob Marvin Bakalorz weiter in der Türkei bleibt oder vielleicht woanders im In- oder Ausland spielt, das wird er nun mit seinem Spieler-Berater entscheiden.

Den Sohn vom Objekt überzeugt

„Wenn Marvin und seine Frau nicht hier sein können, macht ein solch großes Umbau-Projekt keinen Sinn“, sagt Vater Dirk Bakalorz, der die Villa entdeckt und seinen Sohn von dem Objekt überzeugt hat. „Wir Eltern können ja nicht über jedes Detail entscheiden.“

Als „treibende Kraft“ findet es der Rhader natürlich „sehr schade“, dass sein Sohn das Anwesen – das vom „Schandfleck zum Schmuckstück des Dorfes“ werden sollte – wieder verkaufen möchte. „Das ist ja schon eine Menge Vorarbeit, Geld und Engagement reingeflossen.“

Bis zum Sommer wolle man versuchen, die Villa zu verkaufen. „Wir haben einen Makler in Schermbeck, der schon viel mit denkmalgeschützten Häusern zu tun gehabt hat.“

Vor ein paar Jahren hatte es einen Dachstuhlbrand in dem Haus gegeben.
Vor ein paar Jahren hatte es einen Dachstuhlbrand in dem Haus gegeben. © Guido Blaudau (A) © Guido Blaudau (A)

Und wenn es bis zum Sommer nicht klappt? „Dann bauen wir wahrscheinlich weiter“, so Dirk Bakalorz. „Auch wenn dann der Zuschuss womöglich verfällt.“

Denn der Staat hatte Interesse, die wertvolle Baugeschichte zu erhalten – und wollte den Umbau des 1907 erbauten Hauses mit Mitteln aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm mit 150.000 Euro fördern. „Doch dazu hätten wir das Geld bis zum 30. April abrufen müssen und das haben wir nicht getan.“

Für potenzielle Käufer der Villa heißt dies: Da sich die Bewilligung der Bundes-Zuwendung lediglich auf den Antragsteller bezog, kann und müsste bei einem Eigentumswechsel die Bewilligung neu beantragt werden.

Und: Eine Unterteilung der Immobilie in ein Zwei- oder Dreifamilienhaus wäre ebenfalls denkbar, jedoch liegt für eine solche Umnutzung noch keine behördliche Genehmigung vor.

Aus Kalksandstein

Bei der Villa handelt es sich um eines der ältesten – wenn nicht sogar das älteste – Bauwerk aus Kalksandstein in der Region. Die meisten Räume und Ausstattungselemente stammen aus der Erbauungszeit.

Eine Expertise des „Zentrums für Denkmalpflege“ in Raesfeld liegt vor. Demnach dürften sich die Sanierungskosten auf rund 380.000 Euro belaufen.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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