Der Betrüger vom Kirschbaumsweg trug eine OP-Maske und blaue Einweghandschuhe. (Symbolbild) © unsplash.com/@andyadcon
Polizei in Schwerte

Fremder Mann mit OP-Maske und blauen Handschuhen klopft an Terrassentür am Kirschbaumsweg

Der Fremde stand schon mitten im Wohnzimmer. Der 85-Jährige hatte ihn hereingelassen, als er an seine Terrassentür am Kirschbaumsweg klopfte. Doch vom Medizinischen Dienst war der Mann nicht.

Unter der Lüge, ein Mitarbeiter des Medizinischen Dienstes zu sein, erschlich sich ein Mann das Vertrauen eines 85-Jährigen, als er an seine Terrassentür am Kirschbaumsweg in Schwerte klopfte. Der Senior ließ den Mann hinein. „Es gibt reichlich Beschwerden über Ihren Pflegedienst“, sagte der: „Ich muss dem nachgehen und mal gucken, ob das so ist.“

Außerdem gäbe es angeblich wegen Corona noch zusätzliche Leistungen der Krankenkasse. Um dies zu kontrollieren, wollte er die Unterlagen des Pflegedienstes einsehen.

Tochter prägte sich Aussehen und Kleidung ein

Doch so weit kam der Trickbetrüger nicht mehr. Per Funkklingel hatte der Senior seine Tochter Marion Roth aus der Nachbarwohnung herbeigerufen, der die Sache schon auf den ersten Blick nicht koscher vorkam. Bewusst verwickelte sie den Mann in ein Gespräch.

Sie wollte sich Aussehen und Kleidung einprägen, bevor sie nach dem Dienstausweis fragte. „Da hat er in allen Taschen gefühlt und dann schnell gesagt: ,Den habe ich im Auto vergessen‘“, berichtet die Schwerterin. Anschließend habe es der Fremde plötzlich eilig gehabt.

Spionieren die Täter aus, wo die Dienstfahrzeuge parken?

Ein Anruf beim Pflegedienst bestätigte den Verdacht von Marion Roth: „Die sagten, der Medizinische Dienst kommt nicht wegen Corona.“ Als sie mit ihrem Ehemann draußen nachschaute, war der Trickbetrüger bereits weg: „Ich habe ihn nicht mehr gesehen.“

Sie rätselt, woher der Täter überhaupt wissen konnte, dass ihr Vater von einem Pflegedienst versorgt wird. Ob er vorher womöglich ausspioniert hat, vor welchen Häusern die Dienstfahrzeuge der Pflegerinnen parken?

Polizeisprecherin Vera Howanietz (Unna) bestätigt den Fall: „Der Täter gab sich als Mitarbeiter der Pflegedienst-Kontrolle aus und wurde über die Terrasse ins Haus gelassen.“ Ein ähnlicher Fall sei ihr aus dem Kreis Unna bislang noch nicht bekannt. Er ist eine Variante einer immer wiederkehrenden Masche: „Man versucht, sich unter irgendeiner Legende Zutritt zu verschaffen.“

Entweder, um Wertsachen zu stehlen oder um heimlich einen weiteren Täter hineinzulassen. „Die Täter sind sehr erfinderisch“, weiß Vera Howanietz. Mittlerweile nutzten sie auch die Corona-Krise aus und wollten angeblich Corona-Impfstoff verkaufen.

Auffällig war das besonders gepflegte Aussehen

Von dem Betrüger vom Kirschbaumsweg kann Marion Roth eine genaue Beschreibung abgeben: 30 bis 35 Jahre alt, etwa 1,80 Meter groß, schlank und „südländischer Typ“ mit ganz gepflegtem Äußeren. Er trug eine auffällig weiße Hose, eine kurze schwarze Jacke und schwarze Turnschuhe mit weißen Sohlen, dazu eine OP-Maske und blaue Einweghandschuhe.

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Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz

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