Philip Winterkamp und Jan Möller von der muto heimatgastronomie renovieren trotz des Lockdowns den Freischütz weiter. © Heiko Mühlbauer
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Freischütz-Pächter: „Wenn es losgeht, müssen wir wieder laufen lernen“

„Ohne Hilfen wären wir nicht über die Runden gekommen“, sagt Freischütz-Pächter Philip Winterkamp. Dennoch blickt man im Traditionslokal optimistisch nach vorn und hat einiges umgebaut.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, der Freischütz bereitet sich auf die Biergartensaison vor. Pflaster wird aufgenommen, ein Container Pavillon mit einer Holzfassade versehen und auf der Terrasse – noch hinter Glas – stehen die neuen Möbel. Zu Jahresbeginn hat die muto heimatgastronomie das Traditionslokal übernommen. Seitdem war der Freischütz mehr im Lockdown geschlossen, als geöffnet. Dennoch wollen die Betreiber Philipp Winterkamp und Jan Möller sich nicht geschlagen geben. „Krise kommt, Krise geht“ steht auf einem Plakat, das sie an der B236 aufgestellt haben.

Freischütz hat schon ganz andere Krisen überwunden

„Das Plakat hat uns Moritz Bergmann, ein befreundeter Texter und Künstler, geschenkt. Eigentlich sollten wir es innen aufhängen, wir wollten aber, dass das alle sehen können“, erzählt Jan Möller. Denn der altehrwürdige Freischütz habe zwei Weltkriege und ganz andere Krisen überwunden.

„Die Arbeiten hier sind eine gute Ablenkung“, sagt Möller. Und das müssen sie auch. Denn die beiden Gastrounternehmer haben das Jahr 2020 mit großen Umsatzeinbußen und Verlusten abgeschlossen. „Ich muss sagen, uns haben die Hilfen vom Bund gerettet“, betont Philip Winterkamp. Allerdings habe man auch lange darum gestritten. Denn der Freischütz hatte im November ja noch einen anderen Pächter. Und noch sind auch nicht alle zugesagten Hilfen geflossen, aber letztlich wäre ohne die Unterstützung das Projekt gescheitert.

Umbaupläne wurden teilweise zusammengestrichen

Einiges von den großen Umbauplänen wurde zusammengestrichen. Aber im Großen und Ganzen geht es voran: Der Biergarten wird künftig nicht mehr durch den Durchgang zwischen den Gebäuden vom Parkplatz her erschlossen, sondern von der Seite am Kletterwald. Die Terrasse wurde erweitert, neue Sichtschutzelemente trennen die Gäste und hinter der Fensterreihe am Wintergarten warten schon neue Tische und Stühle auf ihren ersten Außeneinsatz. Der bisherige Durchgang sollte eigentlich richtig zugebaut werden. Jetzt setzt man auf eine Lösung mit Containern, die aber eine Fassade erhalten, sodass man sie nicht erkennt.

Moritz Bergmann hat für den Freischütz dieses Plakat entworfen. © Möller © Möller

Zuletzt wurde der Buffet-Raum neu gestrichen. Auch wenn große Büffets für viele Gäste noch in weiter Ferne liegen. „Das fühlt sich im Moment komisch an, wir denken aber in Richtung Zukunft“, so Möller. Man wolle jetzt nicht nur Bier kalt stellen, wenn es im Biergarten wieder losgehen kann.

Überhaupt haben die beiden ihre Erwartungen da zurückgeschraubt. Eher nach als vor Ostern könne man starten, vermutet Winterkamp. Auch wenn das Dickicht der aktuellen Regelungen unter Umständen eine frühere Öffnung zulässt.

Die Öffnung werde für alle Gastronomen gar nicht so einfach. „Nach der langen Phase des Lockdowns müssen wir wieder laufen lernen“, so Winterkamp. Denn auch wenn man sich bemüht hat, alle 60 Festangestellten zu halten, habe man schon von denen eine Handvoll verloren. Und wie viele der erfahrenen Aushilfen, die man in der Saison braucht, nun einen anderen Nebenjob haben, das weiß man nicht.

Solidarität unter den Gastronomen

Zumindest die Solidarität unter den Gastronomen hat während der Pandemie geklappt. Der Gastrocontainer mit dem Ausschank für den Biergarten hat man sich für die kurze Saison vom Strobls in Dortmund geliehen. Im Gegenzug bekamen die von muto Barhocker geliehen.

Von den Objekten im Westfalenpark haben sich die beiden Gastrounternehmer nicht komplett verabschiedet. „Für das Schürmanns und das Daddy Blatzheim haben wir den Schlüssel übergeben“, so Winterkamp. „Aber den Spatengarten wollen wir weiter betreiben.“

Grundsätzlich wartet man am Freischütz natürlich auf die großen Lockerungen. Denn der Saal rechnet sich nur mit Veranstaltungen. Und da gab es in der Ära muto bislang nur drei Stück. Vielleicht geht da ja irgendwann etwas mit ausgeklügelten Teststrategien. Bis dahin gilt am Freischütz: Krise kommt, Krise geht.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
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Heiko Mühlbauer

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