In Sachen Familien- und Erbrecht informiert unser Familienrechts-Experte Leander Müller in dieser Kolumne über häufige Rechtsfälle in Familien. © Optik Klose
Familienrecht in Unna

Familienrechts-Kolumne: Was passiert mit Wohneigentum nach der Trennung?

Nach einer Scheidung oder Trennung muss ein Paar oft gemeinsamen Besitz aufteilen - darunter Wohnimmobilien. Wie man sich darauf vorbereiten kann, erklärt Familienrechts-Experte Leander Müller.

Die Anschaffung einer eigenen Wohnimmobilie dürfte für viele Menschen die größte Investition ihres Lebens sein. Neben der Möglichkeit von Streitigkeiten mit Bauunternehmern, Handwerkern oder Verkäufern der Immobilie bleibt ein ganz anderes Risiko in diesem Zusammenhang von Familien oftmals unbedacht: Wie bleibt es nach einer Trennung oder Scheidung gerecht?

Ohne in die Höhen der antiken Philosophen vorstoßen zu wollen: Gerechtigkeit ist ein Begriff, der im Einzelfall mit Leben gefüllt werden muss. Es kann gerecht sein, wenn jeder gleichbehandelt wird. Es kann aber auch gerecht sein, wenn derjenige, der mehr leistet, mehr bekommt, als derjenige der weniger leistet. Einen gerechten Ausgleich zwischen Eheleuten herzustellen, ist für unseren Gesetzgeber und unsere Richter eine große Herausforderung. Denn solange die Partnerschaft intakt ist, werden nur die wenigsten jedem Handgriff im Haushalt, bei der Kindererziehung oder beim Heckeschneiden im heimischen Garten einen Geldwert mit großer Buchführung zumessen und der Bezahlung des Handwerkers, der das Bad saniert hat, die Hauskreditrate entgegenhalten wollen.

Ausgleich wegen Wertzuwachses durch steigende Hauspreise möglich

Daher kann das juristische Ergebnis der Vermögensaufteilung den ein oder anderen durchaus verblüffen. Insbesondere in den Fällen, in denen einem der Eheleute das Haus alleine gehört und der andere Eigenleistungen beim Renovieren erbracht oder die Darlehensraten (mit)getilgt hat, wird im gesetzlichen Normalfall durch den Zugewinnausgleich von jedem der monatlich investierten Euros allenfalls ein halber Euro vom Hauseigentümer an den Nichthauseigentümer „zurückzuzahlen“ sein. Daneben kann es sein, dass ein Wertzuwachs aufgrund steigender Hauspreise auszugleichen ist und noch andere Vermögenszugewinne auszugleichen sind. Ein vollständiger Ausgleich ist allerdings nur auf Einzelfälle beschränkt.

Noch schlechter sieht es dann für den Nichteigentümer aus, wenn er nicht einmal mit dem Hauseigentümer verheiratet ist. Da in diesem Falle kein Zugewinnausgleich greift, kommt nur der Ausgleich von Leistungen, die über die Deckung des alltäglichen Lebensbedarfs hinausgehen, in Betracht. Dabei ist es Voraussetzung, dass nach der Dauer der Beziehung, dem Alter der Lebensgefährten, den getätigten Investitionen, der Dauer der gemeinsamen Nutzung der Immobilie, der finanziellen Situation der Lebensgefährten und der fortdauernden Bereicherung des Hauseigentümers ein unverändertes Festhalten an der eingetretenen Vermögensverteilung nach Treu und Glauben nicht zumutbar ist.

Wie man sieht, ist es sehr schwierig vorab abzuschätzen, ob und in welcher Höhe man einen Ausgleich für die laufende Entschuldung des Hauses im Falle einer Trennung erhalten kann oder zahlen muss. Es bietet sich daher für beide Partner an, vorab eine Regelung zu treffen, mit der auch eine Absicherung von etwaigen Ansprüchen vereinbart werden kann. Denn einen Anspruch auf eine Geldzahlung zu haben, heißt noch lange nicht, sie auch zu bekommen.

Leander Müller (33) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Erbrecht und Familienrecht. Er ist in der Rechtsanwalts- und Notarkanzlei Dr. Strecker und Hane in Lünen (www.strecker-hane.de) tätig. Zu seinem Aufgabenspektrum gehören vorsorgende Beratungen und die Vertretung in Rechtsstreitigkeiten rund um beispielsweise den Pflichtteil, Vermächtnisse, Testamente, die Auseinandersetzung von Erbengemeinschaften, Scheidungen, Vermögensauseinandersetzungen oder Unterhaltsansprüche.

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.