In Sachen Familien- und Erbrecht informiert unser Familienrechts-Experte Leander Müller in dieser Kolumne über häufige Rechtsfälle in Familien. © Optik Klose
Familienrecht im Kreis Unna

Familienrechts-Kolumne: So können biologische Väter ihre Rechte geltend machen

Nicht immer sind Menschen, die ein Kind zeugen, auch verheiratet. Welche Rechte biologische Elternteile haben und was vor Gericht durchsetzbar ist, erklärt unser Familienrechts-Experte.

In den deutschen Haushalten leben in den letzten Jahren zunehmend mehr Kinder mit unverheirateten Eltern zusammen. Viele Eltern, die minderjährige Kinder erziehen, sind nicht miteinander verheiratet. Auch das Lebensmodell der Patchwork-Familie dürfte in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen haben. Sicherlich gab es auch früher schon Familienverbände, die sich aus Trennung und Neubindung der Eltern gebildet haben, man hat es vielleicht nur nicht so genannt.

Es lohnt sich mithin einmal einen Blick auf den rechtlichen Rahmen um Kinder, die in nicht-ehelichen Lebensgemeinschaften der Eltern geboren werden, zu werfen: Welche interessanten rechtlichen Regelungen gelten hier? Wer gilt als Vater, wer als Mutter, und wie sieht es mit dem Sorgerecht und, im Falle der Trennung, mit dem Umgangsrecht aus?

Das Familiengericht kann über den rechtlichen Vater entscheiden

„Die Mutter eines Kindes ist die Frau, die es geboren hat.“ Der Gesetzgeber des Bürgerlichen Gesetzbuches hat es sich in § 1591 BGB ganz einfach gemacht. Der kürzeste Paragraf des BGB bedarf keiner Erklärung. Wer die Mutter eines Kindes ist, ist in den meisten Fällen hierzulande schnell geklärt. Bei der Frage, wer der Vater eines Kindes ist, wird es schon schwieriger. Zunächst gilt als Vater eines Kindes der Mann, der zur Zeit der Geburt mit der Mutter verheiratet ist.

Wenn ein mit der werdenden Mutter verheirateter Ehemann nicht der biologische Vater des Kindes sein sollte und rechtlich auch nicht als solcher gelten möchte, empfiehlt sich fachanwaltlicher Rat. Man kann von seiner rechtlichen Stellung als Vater in diesem Falle nämlich noch loskommen: Denn zum rechtlichen Vater kann jemand auch durch die Feststellung des Familiengerichtes bestimmt werden oder diese Frage kann über eine besondere und förmliche gemeinsame Erklärung aller drei „Beteiligter“ geklärt werden.

Wie sieht es jedoch mit dem biologischen Vater aus, der nicht mit der Mutter verheiratet und rechtlich als Vater mit allen Rechten und Pflichten gelten möchte? Er kann in Übereinstimmung mit der Kindesmutter im Rahmen der Geburt des Kindes die Vaterschaft förmlich anerkennen und gilt dann auch rechtlich als der Vater. Die Erklärungen können auch schon während der Schwangerschaft der Mutter abgegeben werden. Wer später erfährt, dass er doch gar nicht der biologische Vater eines Kindes ist, mit welchem er möglicherweise schon das ganze Kinderleben unter einem Dach gewohnt hat, der kann binnen einer Frist von zwei Jahren seine rechtliche Vaterschaft auch wieder gerichtlich anfechten.

Stiefkind-Adoption bei nicht-vorhandener Blutsverwandtschaft

Nachdem man geklärt hat, wer von wem abstammt, kann sich trotzdem der Wunsch ergeben, eine nähere (rechtliche) Beziehung mit einem Kind einzugehen, das nicht von einem selbst abstammt. Insofern kommt eine Stiefkind-Adoption in Betracht. Hier gibt es die Neuerung, dass inzwischen auch Stiefkinder von einem nicht mit der Mutter/dem Vater verheirateten Partner einer nicht-ehelichen Lebensgemeinschaft adoptiert werden können.

Zusätzlich zu den gewöhnlichen Regeln einer Minderjährigen-Adoption, wie etwa, dass die Adoption dem Wohl des Kindes förderlich sein muss, wird ein besonderes Augenmerk darauf gelegt, dass die nicht-eheliche Lebensgemeinschaft verfestigt ist und ein gemeinsamer Haushalt besteht. Es geht viel Verantwortung mit einer Minderjährigen-Adoption einher. Auf der anderen Seite ist zu bedenken, dass der nicht verheiratete Stiefelternteil keinerlei Sorgerechte im Hinblick auf die Kinder hat, er also auch bei rechtlichen Problemen allenfalls mit Vollmachten des anderen aushelfen darf.

Eltern können gemeinsame Sorgeerklärung abgeben

Nur weil man der biologische und rechtliche Vater eines Kindes ist, hat man ohne mit der Mutter verheiratet zu sein, jedoch auch noch kein Sorgerecht für das Kind. Dies ist aber sehr wichtig. Denn unter das Sorgerecht fallen etwa die Fürsorge für das Kind bei ärztlichen und schulischen Entscheidungen, oder auch das Recht und die Pflicht, sich um das Vermögen des Kindes zu kümmern. Auch hierbei kann abgeholfen werden: Die Eltern können eine gemeinsame Sorgeerklärung abgeben.

Wenn die Mutter dabei nicht mitspielt, sollte man sich mit fachanwaltlicher Unterstützung an das Familiengericht wenden. Dieses prüft dann im Wesentlichen, ob irgendwelche Gründe gegen die gemeinsame Sorge sprechen. Im Regelfall wird man mit gerichtlicher Hilfe also auch (Mit-)Sorgeberechtiger. Wichtig zu wissen ist, dass nach einer Trennung das Recht und die Pflicht zum Umgang mit dem Kind unabhängig von der Frage des gemeinsamen Sorgerechtes oder einer Ehe mit dem anderen Elternteil besteht.

Der Familienrechts-Experte

Leander Müller (33) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Erbrecht und Familienrecht. Er ist in der Rechtsanwalts- und Notarkanzlei Dr. Strecker und Hane in Lünen (www.strecker-hane.de) tätig. Zu seinem Aufgabenspektrum gehören vorsorgende Beratungen und die Vertretung in Rechtsstreitigkeiten rund um beispielsweise den Pflichtteil, Vermächtnisse, Testamente, die Auseinandersetzung von Erbengemeinschaften, Scheidungen, Vermögensauseinandersetzungen oder Unterhaltsansprüche.

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