Fahrradfahrer protestieren öffentlich gegen B236-Pläne: „Verkehrswende geht anders“

Critical Mass

Es findet wieder eine Critical Mass in Schwerte statt. Fahrradfahrer radeln in großer Gruppe, um auf ihre Rolle im Straßenverkehr aufmerksam zu machen. Besonders im Blick haben sie die B236.

Schwerte

, 11.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die erste Critical Mass fand im September 2019 in Schwerte statt. Schon damals sind die Teilnehmer die B236 hoch- und runter geradelt.

Die erste Critical Mass fand im September 2019 in Schwerte statt. Schon damals sind die Teilnehmer die B236 hoch- und runter geradelt. © Bernd Paulitschke

Wenn es um die Ausbaupläne zur B236 geht, fühlen sich Schwertes Radfahrer benachteiligt. Deshalb soll am Freitag wieder eine Critical Mass stattfinden, bei der alle Teilnehmer gemeinsam als große Gruppe durchs Stadtgebiet fahren werden. Besonders kritisch sollen dabei die Hörder Straße und die Bethunestraße beäugt werden.

„Klimanotstand hin oder: Schwerte gibt nach wie vor dem privaten Auto den Vorrang vor allen anderen Verkehrsarten. Dabei könnte die Ruhrstadt mit ihren kurzen Wegen und wenigen Steigungen ein ideales Fahrradstädtchen sein“, heißt es in der Ankündigung.

Eigentlich sehe das städtische Mobilitätskonzept eine Verdoppelung des Radverkehrs bis 2025 vor. „Aber wenn es hart auf hart kommt, müssen sich Fußgänger und Radfahrer immer noch bei ‚König Auto‘ hinten anstellen“, beklagen die Teilnehmer.

Radfahrer treffen sich am Freitag um 17 Uhr am Bahnhof

Die Critical Mass ist ein vermeintlich zufälliger Zusammenschluss von fahrradfahrenden Menschen, die den Radverkehrs stärken wollen. Es gibt keine Organisatoren. Die Critical Mass organisiert sich selbst.

Immer am zweiten Freitag im Monat ab 17 Uhr geht’s los am Bahnhof Schwerte. Diesmal ist es also der 13. März. Dann geht es den Radlern einmal mehr um die B236 und deren Neukonzeption – vor allem im innerstädtischen Bereich.

Viele Radfahrer kritisieren, dass die Situation nach dem Ausbau noch schlimmer sei als jetzt.

Vor allem stadteinwärts werde der Radweg – laut Plänen – immer wieder unterbrochen, er sei nicht durchgängig vom übrigen Verkehr getrennt und schon gar nicht breit genug. „Immer wenn’s eng wird, werden die Räder – bergab mit oft starken Geschwindigkeiten – wieder mit den Fußgängern zusammengezwungen. Und bergauf ist der Notbehelf ohnehin durchgängig eingeplant.“

Wer gewisse Strecken entlangradelt, ist „ernsthaft lebensmüde“

Und auch an anderen Stellen kämen die Radfahrer viel zu kurz, besonders dann, wenn eine größere Straße einmünde. „Wer von Villigst kommend nach links in die Karl-Gerharts-Straße einbiegen will, steigt besser ab und geht zu Fuß über die Ampel, wenn er oder sie Rad fährt und trotzdem nicht ernsthaft lebensmüde ist“. Verkehrsplaner nennen solche Situationen „Sicherheitsdefizite“.

Ab einer Gruppengröße von 16 Fahrern, der namensgebenden „kritischen Masse“, gelten die Radfahrer laut Straßenverkehrsordnung als Verbund, also als ein großes Fahrzeug. Das heißt, dass alle Fahrer gemeinsam Straßen und Ampeln geschlossen überqueren dürfen - auch, wenn beim hintersten Fahrer die Ampel schon rot ist. Wer vorne fährt, bestimmt die Route.

Daher kann die Aktion auch nur starten, wenn sich mindestens 16 Teilnehmer vor dem Bahnhof treffen.

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