Experte erklärte vor Gericht den Begriff "Ehrenmord"

20-Jährige erschossen

Was kann eine Familie dazu bringen, den Tod eines Verwandten zu beschließen? Dieser Frage ging am Donnerstag vor dem Landgericht Hagen ein Experte nach. Eine junge Schwerterin wurde vor vier Jahren erschossen, mehreren Familienmitgliedern wird "Ehrenmord" vorgeworfen.

SCHWERTE

von Von Patricia Prange

, 24.05.2013, 07:04 Uhr / Lesedauer: 1 min

Hintergrund
Seit dem 15. März 2013 sitzen zwei Onkel, die Mutter und ein Bruder des Opfers auf der Anklagebank. Der Vorwurf: Sie sollen die junge Frau im Sommer 2008 wegen ihres westlichen Lebensstil auf einem „Familientribunal“ zum Tode verurteilt haben. Die 20-Jährige wurde auf einem Rastplatz an der A45 mit einem Kopfschuss hingerichtet. Ein Cousin wurde bereits verurteilt.

Die Familie der ermordeten Schwerterin stammt teilweise aus einer Gegend im Nahen Osten, wo eine von Männern dominierte Gesellschaft besteht. Diese Gesellschaft ist noch geprägt von eigenen Rechtsnormen, die parallel zur staatlichen Justiz existieren. Alle Regeln und Rituale basieren auf Ehre. Und die wichtigste Einheit ist die Großfamilie. Solange die Familienmitglieder die Regeln befolgen, ist die Ehre intakt.Die vorehelichen sexuellen Beziehungen, die die junge Schwerterin eingegangen ist, stellten da einen schweren Gesichtsverlust für die gesamte Familie dar, wie Professor Kizilhan erklärte. Da das Verhalten der Familienmitglieder grundsätzlich die gesamte Familie betrifft, war das „Fehlverhalten“ der Tochter auch gleichzeitig als Versagen der gesamten Familie zu werten.

In so einem Fall müssen die Ehre und das Ansehen um jeden Preis wieder hergestellt werden, erläuterte der 46-Jährige das typische Vorgehen. So wird die Familie zunächst versuchen - wie auch im Fall der Schwerterin - eine Verheiratung der jungen Frau herbeizuführen, was hier aber scheiterte. „Die Lösung ist dann nicht automatisch die Tötung, aber es ist eine Option, je nachdem wie sehr die Familie die traditionellen Gesetze verinnerlicht hat“, gab der Sachverständige zu bedenken. Mit dem Islam haben solche Taten nichts zu tun. Sie basieren auf Vorstellungen, die schon lange vor der Entstehung des Islam herrschten.  

Hintergrund
Seit dem 15. März 2013 sitzen zwei Onkel, die Mutter und ein Bruder des Opfers auf der Anklagebank. Der Vorwurf: Sie sollen die junge Frau im Sommer 2008 wegen ihres westlichen Lebensstil auf einem „Familientribunal“ zum Tode verurteilt haben. Die 20-Jährige wurde auf einem Rastplatz an der A45 mit einem Kopfschuss hingerichtet. Ein Cousin wurde bereits verurteilt.

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