Erstes Konzert nach Corona-Pause: Was der junge Beethoven schrieb

dzRohrmeisterei

Für die Pianistin war es der erste Auftritt seit Monaten. Und auch für die Konzertgesellschaft Schwerte war dieses Konzert in der Rohrmeisterei etwas Ungewöhnliches. Wegen Corona.

Schwerte

, 24.08.2020, 04:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Premiere war es für die Bonner Pianistin Jamina Gerl, nach den Pandemie-Beschränkungen wieder auftreten zu dürfen. Für die Konzertgesellschaft ebenfalls ein ungewohntes Ereignis war diese „Sternstunde“ in der Halle 3 der Rohrmeisterei. Gerade 100 Zuhörer durften auf einzeln gestellten Stühlen Platz nehmen. Dennoch war das Konzert eine runde Sache.

Im Zeichen des Beethoven-Jubiläums legte Gerl einen Schwerpunkt auf Werke, die der Komponist noch in der gemeinsamen Heimatstadt schrieb. Reiches Hintergrundwissen offenbarte die Künstlerin, die in Köln, Fairbanks und Washington studierte, in ihren Moderationen, spielte eine Komposition des gerade 12-jährigen Jubilars zur Eröffnung.

Zunächst recht einfach gehalten wirkten das gegebene Marschthema und die ersten Variationen, dabei geprägt von großer Tiefe und Vielfalt. Bald keimte auch das ungestüme Wesen des Meisters auf, steigerte sich die Musik bis ins Presto.

Ludwig van Beethoven (19) verehrte den Altmeister Bach

Einer Klaviersonate aus jener Zeit folgte ein Streifzug durch alle Tonarten. Mit diesem Präludium formulierte der 19-Jährige polyphon seine Verehrung für Altmeister Bach. In ihre Programmauswahl bezog Gerl auch das Umfeld des Jubilars ein. So spielte sie eine Etüde eines aus Prag stammenden Orchesterkollegen am Bonner Hof, des Flötisten Anton Reicha, eine für seine Zeit sehr moderne Musik.

Zwei Stücke für die Orphica, ein kleines Wanderklavier, Vorläufer der „Keytar“ unserer Tage, wurden lange der Bonner Zeit zugeordnet. Da das Instrument jedoch erst später erfunden wurde, dürften diese jedoch bereits in Wien entstanden sein. Beim ersten mit dem Tempo spielend, getragen und gefühlsbetont beim zweiten, zeigte Gerl sich interpretationsstark.

Duell zwischen Beethoven und Mozart-Schüler Woelfl

Sonaten der Wiener Zeit stellte sie schließlich gegenüber, eine von Mozart-Schüler Woelfl, die andere von Beethoven. Beide waren 1798 zu einem musikalischen „Duell“ geladen. Woelfls Musik, damals „mainstream“, lieferte dabei offenbar die Vorlage für Beethovens spätere Mondscheinsonate.

Doch dessen zeitgleich entstandene, energiegeladene Sonate zeigte eine andere Sprache: Übergriff-Effekte, ein Mittelsatz zwischen Grollen und lichter Tongebung wechselnd, leiteten zu einem verspielten Schluss. Stets dem tieferen Gehalt ihres Tastenspiels nachspürend, verabschiedete Gerl sich mit einem da Capo des Stückes für Orphica.

Info


Nächstes Konzert am 10. September

  • Ein Kammerkonzert mit dem Trio Lézard findet am Donnerstag, 10. September, um 19 Uhr in der Rohrmeisterei statt.
  • Mit Oboe, Klarinette und Fagott setzen die Musiker eine Tradition aus dem Paris der 30er-Jahre fort.
  • Karten kosten im Vorverkauf 17 Euro auf kgs-schwerte.de, an der Tageskasse 20 Euro.
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