Für ein besseres Notquartier während der Neubauzeit des städtischen Kindergartens Wandhofen kämpft der Elternrat mit (v.l.) Dirk Böhling, Miriam Scheuenpflug und Tim Thiele. © Reinhard Schmitz
Kindergarten Wandhofen

Eltern fühlen sich verschaukelt: Widerstand gegen Not-Kita in Geisecke

Kleine Füße, kleine Wege. So heißt es. Doch die Kinder aus Wandhofen sollen ans andere Ende der Stadt umquartiert werden, wenn ihre Kita neu gebaut wird. Den Eltern war etwas anderes versprochen worden.

Zweimal täglich Kleinkinder bis ans andere Ende der Stadt kutschieren. Von Wandhofen quer durch die City bis zum hintersten Zipfel von Geisecke, wohin die Stadt den Kindergarten Wandhofen während des Neubaus in ein ehemaliges Gewerbeobjekt auslagern will.

„Dezentraler geht’s nicht. Der Standort ist für uns nicht leistbar und nicht zumutbar“, erklärt Dirk Böhling, Vorsitzender des Elternrats, klipp und klar. Nicht nur er fühlt sich von der Stadt verschaukelt, da stets eine andere Lösung signalisiert worden sei.

Noch im September war die Rede von Containern auf dem Sportplatz

Noch am 2. September sei den Eltern und Erziehern bei einer Info-Veranstaltung mit Bürgermeister Dimitrios Axourgos als einzig möglicher Ersatzstandort der nahe gelegene Sportplatz des TuS Wandhofen genannt worden, auf dem Container aufgestellt werden sollten, berichtet Dirk Böhling: „Vorschläge von Alternativstandorten seien geprüft worden und gäbe es nicht.“

Ein Vorteil sei auch gewesen, dass während der Bauphase der Außenbereich des alten Kindergartens weiterhin genutzt werden könnte.

„Ich habe den Eindruck, das wurde bewusst zurückgehalten“

„Man sollte doch davon ausgehen, dass ein Bürgermeister, wenn er seine Pläne vorstellt, die Grundlagen dafür vorab prüfen lassen hat und keine Luftschlösser verkauft“, sagt Dirk Böhling. Wie die anderen Elternvertreter sei er aus allen Wolken gefallen, als er von der plötzlichen Kehrtwende im Jugendhilfeausschuss am 28. Januar erfuhr: Für die Abriss- und Bauzeit sollten die Kinder jetzt in einem herzurichtenden, ehemaligen Reiterbedarf-Geschäft Zwischen den Wegen untergebracht werden.

„Wussten die das nicht schon im September?“, fragt sich Elternrats-Mitglied Miriam Scheuenpflug: „Ich habe den Eindruck, das wurde bewusst zurückgehalten.“ Auch konnten sich die Eltern des Verdachts nicht erwehren, dass die Ausschussmitglieder mit Hinweis auf Fristen für Fördermittel bewusst unter Druck gesetzt worden seien, dem neuen Ausweichquartier zuzustimmen.

Mit dem Bus dauert eine Strecke eine volle Stunde

„Diese Lösung ist für die Elternschaft der Kita Wandhofen eine unzumutbare Lösung“, betonen Dirk Böhling und seine Mitstreiter. Bewusst hätten doch alle Eltern ihre Kinder in Wandhofen angemeldet. Der angedachte Ausweichstandort liege 6 Kilometer entfernt – mit dem Auto in Berufsverkehrszeiten eine Strecke von bis zu 20 Minuten.

Und die müsse zum Bringen und Abholen viermal am Tag zurückgelegt werden – was die Vereinbarkeit von Beruf und Familie noch mehr erschwere, wenn zusätzlich vielleicht noch Schulkinder zu transportieren sind. Wer auf Busse mit Umsteigen am Bahnhof und anschließendem Fußweg ins Gewerbegebiet Geisecke angewiesen ist, brauche gar eine Stunde pro Strecke. Und das viermal am Tag?

Eltern legen Unterschriftenlisten für ihren Widerstand aus

Dem vagen Angebot eines Shuttles-Service können die Eltern nicht nur wegen vieler Unwägbarkeiten nichts Positives abgewinnen. „Die Mütter sagen: Wir geben zwei- und dreijährige Kinder nicht irgendeinem Busfahrer mit“, berichtet Miriam Scheuenpflug. Außerdem habe man dann ja gar keinen Kontakt mehr mit den Erzieherinnen, mit denen man doch hin und wieder auch mal sprechen müsse.

„Wie mit den Eltern umgegangen wird, ist schlecht“, erklärt Dirk Böhling und kündigt an: „Wir als Elternrat werden für einen alternativen Ausweichstandort kämpfen und versuchen, unseren Unmut über die zusätzlichen Belastungen und die fehlende Kommunikation lautstark vertreten.“

Geplant seien ein Brief an Bürgermeister Dimitrios Axourgos sowie Unterschriftenlisten. Diese würden ausgelegt am Kindergarten Wandhofen, im Kfz-Meisterbetrieb Scheuenpflug (Adolph-Kolping-Straße 15), im Ruhrtal-Imbiss (Hagener Straße 178) und bei Lotto Engmann (Reichshofstraße 75).

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz

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