Ein in Schwerte gegründetes Unternehmen erfindet das Buch neu

dzStart-Up

In Schwerte wurde ein Unternehmen gegründet, um das Buch neu erlebbar zu machen. Mit „erweiterter Realität“ wollen die Macher den Buchmarkt aufmischen.

Schwerte

, 03.11.2019, 12:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit innovativer Technik will ein in Schwerte gegründetes Unternehmen das Leseerlebnis revolutionieren. Dabei wird sogenannte „erweiterte Realität“ eingesetzt. Das eröffnet den Lesern ganz neue Möglichkeiten.

Es begann mit einem Manuskript, das der heute 21-jährige Autor Timon Thöne bereits 2015 auf der Leipziger Buchmesse vorstellte und aus dem der Fantasy-Roman „Flux – Zugzwang“ entstand. Bereits zwei Jahre später wurde daraus ein Unternehmen.

Vom Buch zum Start-Up

Thöne kam mit 16 Jahren nach Schwerte und machte hier sein Abitur. Da gab es die Fantasie-Welt in seinem Roman bereits. Dementsprechend komplex ist sie. Deshalb gibt es neben den 300 Seiten Roman auch ungefähr 200 Seiten Lexikon, in dem Hintergrundinformationen zu den Orten und Charakteren zu finden sind. Im Anhang. „Das liest einerseits niemand, und andererseits ist es ja vielleicht interessant, die eine oder andere Information gezielt vorher mitgeteilt zu bekommen“, findet Thöne.

„So entstand die Idee, dass wir diesen Lexikoninhalt auslagern und schauen, dass er innerhalb des Romans verfügbar wird.“ Bald war klar, dass dieses Ziel mit erweiterter Realität erreicht werden soll. Hierfür gründete Thöne zusammen mit dem Illustrator Sven Arne Klinger im Herbst 2017 das Unternehmen Arkanite Productions. Während Thöne seit Anfang des Jahres in Dortmund lebt, wohnt Klinger in der Nähe von Leipzig. Die Kommunikation der beiden erfolgt meist über das Internet.

Zusätzliche Informationen über das Smartphone

Durch die erweiterte Realität wird der Roman um digitale Inhalte erweitert. Das können Animationen, Kurzgeschichten oder Landkarten sein, die dann über den Bildschirm des Smartphones oder Tablets abgerufen werden können. Thöne sieht darin einen Vorteil: „Man bekommt als Leser die Möglichkeit, das lineare Lesen aufzubrechen, weil man dann beliebig tief in ein Thema einsteigen kann.“

Möglich macht das die App des Dortmunder Unternehmens Viality. Seit vergangenem Jahr kooperiert Arkanite Productions mit dem Anbieter für virtuelle und erweiterte Realität.

Diese App lässt sich laut Thöne nicht nur bei seinem Roman gut einsetzen, sondern auch im Bereich der Bildung.

Ein in Schwerte gegründetes Unternehmen erfindet das Buch neu

Sven Arne Klinger (links) und Timon Thöne von Arkanite Productions auf der Leipziger Buchmesse 2019. © Arkanite Productions

Nachhaltig und wirtschaftlich

Mithilfe der App könnte man so beispielsweise auf eine Deutschlandkarte virtuell verschiedene Situationen projizieren. Damit kann man bei einem Schulatlas auf viele Seiten verzichten.

Mit jedem Buch könnten unzählige Seiten im Druck eingespart werden. Es wird nur noch der „rote Faden“ als Buch gedruckt, der Rest wird digital angeboten. Das sei nicht nur umweltfreundlich, sondern senke auch die Produktionskosten.

Oft wird Timon Thöne gefragt, warum sein Unternehmen dann nicht ganz auf das gedruckte Buch verzichtet. Darauf hat er eine einfache Antwort: „Die Leute möchten noch etwas in der Hand haben, etwas ins Regal stellen oder verschenken können.“

„Sonderpreis Innovation“ der Leipziger Buchmesse

Seit seiner ersten Teilnahme an der Leipziger Buchmesse im Jahre 2015 ist Thöne jedes Jahr dort vertreten. Im März 2019 lernten sich die beiden Firmengründer von Arkanite Productions auf der Messe das erste Mal persönlich kennen.

In diesem Jahr gewannen sie dort den „Sonderpreis Innovation“. Vor kurzem war das Unternehmen auch auf der Buchmesse in Frankfurt vertreten.

Zuletzt waren Thöne und Klinger mit ihrer Idee unter den bundesweiten Finalisten des Start-up-Preises „Kultur- und Kreativpiloten 2019“, der vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird.

Trotz der Auszeichnungen sucht Thöne noch Finanzierungsmöglichkeiten für das Projekt. Im nächsten Jahr soll dann voraussichtlich eine Crowdfundingkampagne gestartet werden. Beim Crowdfunding können Interessierte in die Idee investieren und bekommen das fertige Produkt meist zu einem Sonderpreis. Vielleicht der endgültige Durchbruch.

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