Eichhörnchen werden ausgewildert

ERGSTE Ausgelassen tanzt „Nase“ über die Hochsitz-Leiter. Schwingt sich ins frische Birkengrün. Streichelt das hohe Gras mit seinem buschigen, rotbraunen Schwanz. Lebensfreude pur strahlt das Eichhörnchen aus, das in den Ergster Wäldern die Natur zurückerobert.

von von Reinhard Schmitz

, 12.07.2008, 07:12 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eichhörnchen "Nase" genießt seine ersten Sprünge in die Freiheit.

Eichhörnchen "Nase" genießt seine ersten Sprünge in die Freiheit.

Doch „Nase“ hatte Glück im Unglück. Die Tier-Homöopathin behandelte die Krankheit und zog ihr Waisenkind mit Spritze und Pipette groß. „Anfangs bekommen die Hörnchen alle anderthalb Stunden zwei bis drei Tröpfchen Milch“, musste sich Helga Maria Meissner Nacht für Nacht den Wecker stellen. „Nach vier bis fünf Wochen öffnen sie die Augen und fangen an, Nüsse zu knabbern.“ Doch noch bis zur zehnten Lebenswoche bleibt Milch die Hauptnahrung. Genauso wie bei „Spitzmaus“ (wegen ihres Aussehens) und „Hagen“ (nach ihrem Fundort), die „Nase“ bei ihrem Weg zurück in die Freiheit begleiten. Noch verstecken sie sich in ihrem Schlafhaus auf einem Hochsitz, den Hegeringsleiter Dietrich Junge zur Verfügung gestellt hat. Als Ersatz für den Kogel, das fußballgroße Schlafhaus, das die Muttertiere eigentlich aus Moos und Stoffresten in den Baumwipfeln bauen.

„Bislang hatte ich nur eine Auswilderungsstation in Werl“, freut sich Helga Maria Meissner über die zusätzliche Heimat für ihre Waisenkinder. Immer wieder erhält sie über den Verein Eichhörnchen-Notruf, den sie mit Kolleginnen gegründet hat, neue Schützlinge. „Im Frühjahr ist es am schlimmsten“, ärgert sie sich über die Fällerei in den Wäldern, mit der die Kogel reihenweise zu Boden gerissen werden. Mitsamt der vier bis sieben Jungtiere, die beim ersten Wurf im Januar geboren wurden: „Dann rieselt es Eichhörnchen.“ Andere drohen zu verhungern, weil die Mutter vom Auto überfahren wurde. „Wenn die Tiere auf die Schulter springen, haben sie keine Tollwut“, deutet Helga Maria Meissner die Zeichen: „Sie suchen Hilfe.“ Wer den Eichhörnchen-Notruf wählt, kann sie geben.

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