Von Bombensplittern durchsiebt: Pfeiler vom Bahnsteigdach wird Mahnmal

dzBahnhof Schwerte

Vor 75 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Das Grauen der Bombennächte macht ein eiserner Pfeiler vom Bahnsteigdach erlebbar, der beim Bahnhofsumbau gesichert wurde. Er soll Mahnmal werden.

Schwerte

, 20.05.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mehr als 300 Tote, viele davon fürchterlich zerstümmelt. Es war einer der schlimmsten Tage in der über 600-jährigen Geschichte der Ruhrstadt, als anglo-amerikanische Bomberverbände am 31. Mai 1944 am helllichten Tage große Teile des Nickelwerks und des angrenzenden Güterbahnhofs in Schutt und Asche legten.

Die zerstörerische Wucht der Explosionen macht ein stummer Zeitzeuge erfahrbar: Ein Pfeiler der alten Bahnsteig-Überdachung im Bahnhof, dessen zentimeterdicker Stahl von den Splittern der Bomben und den Bordwaffen der Tiefflieger durchlöchert worden ist. Wie Papier haben sie das Material durchlöchert, teilweise in Zwei-Euro-Stück-Größe.

Eisenbahnfreunde Schwerte setzten sich für die Erhaltung ein

Eisenbahner zogen später als Souvenir Granatsplitter aus den Öffnungen, die aber nie zugeschweißt wurden. Auch nicht bei einer umfangreichen Renovierung der Bahnsteigdächer in den 1960er-Jahren.

Am letzten Bahnsteig, wo die Züge nach Dortmund und Iserlohn abfahren, blieben die am stärksten betroffenen Pfeiler stehen, bis 2018 beim barrierefreien Umbau des Bahnsteigs auch die Überdachung erneuert wurde.

Die Eisenbahnfreunde Schwerte setzten sich dafür ein, dass dabei ein Doppelpfeiler erhalten blieb, der direkt neben der Aufgangstreppe gestanden hatte.

Wie Butter haben die Granatsplitter beim todbringenden Fliegerangriff auf das Nickelwerk im Zweiten Weltkrieg das dicke Eisen der Bahnsteigdach-Träger durchschlagen.

Wie Butter haben die Granatsplitter beim todbringenden Fliegerangriff auf das Nickelwerk im Zweiten Weltkrieg das dicke Eisen der Bahnsteigdach-Träger durchschlagen. © Wolfgang Güttler

„Für die Arbeiter war als Markierung ein rotes Kreuz aufgemalt worden“, berichtet Wolfgang Güttler von den Eisenbahnfreunden. Immer wieder schaute er vorbei, um sicherzustellen, dass die geschichtsträchtige Stütze nicht doch mit all dem anderen Abbruchmaterial zum alten Eisen wanderte. „Wir sind froh, dass die Bahn mitgespielt hat“, sagt er.

Das Unternehmen habe den Doppelpfeiler sogar zum städtischen Bauhof transportiert, wo er zwischengelagert wurde. Absicht war es, die Stütze als Mahnmal gegen den Krieg aufzustellen.

Neuer Standort neben dem Bahnhofseingang gefunden

Das soll noch möglichst noch in diesem Jahr geschehen, berichtet Güttler. In Absprache mit der Stadt wurde ein Standort auf dem Bahnhofsvorplatz gefunden, links von dem Eingangsportal.

Dort müssen zwei Fundamente für den Doppelpfeiler gegossen werden, der auch noch einen neuen Anstrich erhält. Denn die unter seinem Lack noch verborgene bleihaltige Mennige muss aus Umweltgründen beseitigt werden.

Beim Abriss des alten Daches über dem Bahnsteig 3 im Schwerter Bahnhof wurde der Pfeiler gesichert, um später als Mahnmal aufgestellt zu werden.

Beim Abriss des alten Daches über dem Bahnsteig 3 im Schwerter Bahnhof wurde der Pfeiler gesichert, um später als Mahnmal aufgestellt zu werden. © Wolfgang Güttler

Für das Projekt haben die Eisenbahnfreunde und der Stadtmarketing-Verein vom NRW-Heimatministerium jeweils einen „Heimatscheck“ über 2000 Euro zugesagt. Finanzielle Unterstützung komme auch von der Eisenbahner- Wohnungsgenossenschaft. Aber weitere Spenden werden für die Neuaufstellung noch benötigt, die gleichzeitig ein Denkmal für die Vergrößerung des Schwerter Bahnhofs im Jahre 1905 sein kann.

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