Premiere

Digital geprobt, live aufgeführt: Mafiosi an der Gesamtschule

Wie probt man Theater im Distanzunterricht? Der Literaturkurs der Gesamtschule Gänsewinkel hat in der Pandemie gezeigt, wie es klappen kann. Mit einer Woody-Allen-Komödie – und iPads.
Autor David Shayne (Berin Kurtbas, Mitte) will sich von seiner Agentin Julia (Xenia Schmoll, r) nicht zwingen lassen die Gangsterbraut (Nikol Ganzvind) zu besetzen. © Sina Weber

Kurz vor Weihnachten hatten sich die 22 Schülerinnen und Schüler des Literaturkurses für das Stück entschieden, das sie aufführen wollten. „Bullets over Broadway“ sollte es werden, eine Komödie von Woody Allen.

Doch dann kam den Gändewinkel-Schülern, wie so vielen anderen auch, die Pandemie dazwischen. Mit Distanzunterricht und später Hybridunterricht. Doch wie soll man ein Theaterstück proben, wenn erst gar keiner und später dann nur die Hälfte der Schauspieler zu den Proben kommen kann?

Proben in der Videokonferenz

Sina Weber leitet den Literaturkurs. Sie berichtet, wie es war, als der Präsenzunterricht im Januar ausgesetzt wurde. „Als das passierte, fanden die Proben digital statt.“ Die Schüler lasen den Text und behandelten Intonation und Mimik in Videokonferenzen. Sina Weber: „Später wurden die heimischen Zimmer zur Bühne und man bewegte sich auch darin. Doch all das konnte reale Proben nicht ersetzen.“

Während des Hybridunterrichts kam danach immer nur die Hälfte des Kurses zur Schule. Eine besonders witzige, aber auch herausfordernde Phase, wie sich Sina Weber erinnert: „Wir haben die Kinder von zu Hause aus dazugeschaltet, sie auf einzelne iPads in Videokonferenzen geholt und diese durch den Raum getragen.“

Premiere nach den Sommerferien

Als schließlich alle in voller Kursstärke zurückkehrten, blieb nicht mehr viel Zeit. „Der Kurs hat die ganze Zeit einen so starken Willen gehabt, das Stück am Ende zu präsentieren, dass immer klar war, dass es eine Aufführung geben muss“, erzählt Referendarin Marie Schmalor.

Die Schülerinnen und Schüler schlüpften in verschiedene Rollen aus dem New York der 50er-Jahre.
Die Schülerinnen und Schüler schlüpften in verschiedene Rollen aus dem New York der 50er-Jahre. © Sina Weber © Sina Weber

Die Generalprobe vor den Ferien fand bereits vor Stufenmitgliedern statt, doch das konnte keine richtige Aufführung ersetzen. Nach den Sommerferien war es endlich so weit: „Bullets over Broadway“ wurde in zwei Tagen erneut einstudiert, ein einziges Mal mit Technik und Kostümen geprobt und am Freitagabend einem ausgewählten Publikum präsentiert.

Wenn der Mafiaboss das Theaterstück finanziert

Die schwungvolle Handlung wurde in 90 Minuten rasant erzählt: Der noch unbekannte Autor David Shayne (Berin Kurtbas) versucht mithilfe finanzieller Unterstützung des Mafiabosses Nick Valenti (Tjark Böckelühr) ein Theaterstück auf die Bühne zu bringen und den Durchbruch am Broadway zu schaffen.

Zwischen David Shayne (Berin Kurtbas, l) und Helen Sinclair (Lisa-Marie Bartmann) entwickeln sich Gefühle...
Zwischen David Shayne (Berin Kurtbas, l) und Helen Sinclair (Lisa-Marie Bartmann) entwickeln sich Gefühle… © Sina Weber © Sina Weber

Der einzige Haken: Neben den bereits gesetzten Schauspielerinnen und Schauspielern, wie Diva Helen Sinclair (Lisa-Marie Bartmann), muss der Regisseur nun auch noch die untalentierte Geliebte des Mafiosos (Nikol Ganzvind) in das Stück einbeziehen. Deren Leibwächter Cheech (Colin Fieber) birgt ungeahntes Potential.

Faszinierend: „Kinder sind wie verwandelt“

„Alle Rollen haben mich gleichermaßen begeistert“, sagt Schulleiterin Eva Graß-Marx. „Es war, als wäre jede und jeder Einzelne perfekt für die Rollen dieses Stückes“. Auch das restliche Publikum war vollends eingenommen und bedankte sich am Ende mit viel Applaus.

„Es ist immer wieder faszinierend, wie man die Kinder, die man sonst im Unterricht sieht, auf der Bühne völlig verwandelt erlebt!“, meint Matheus Herman aus dem Kollegium. An dieses Erlebnis werden sich die Schülerinnen und Schüler des Kurses sicherlich lange erinnern.

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