Wer den Parkplatz am Schuh- und Sonderpostenmarkt an der Beckestraße benutzt, sollte unbedingt an die Parkscheibe denken. Auch dort verteilt jetzt „fair parken“ kostspielige Knöllchen.

Schwerte

, 20.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Schnell einen Sonderposten ergattern oder ein Paar schicke Schuhe zum günstigen Preis kaufen? Wenn der Schnäppchenjäger bei Siemes und Jawoll an der Beckestraße/Hagener Straße schon so aufs Shoppen fixiert ist, dass er seine Umwelt kaum noch wahrnimmt, kann das teuer werden. Denn seit Januar gilt auf dem Parkplatz vor den beiden Märkten die Parkscheibenpflicht - und Verstöße können ganz schön ins Geld gehen.

Das hat zu Beginn der Osterwoche Wolfgang Radschun erlebt, der vom Holzener Sommerberg zum Schuhgeschäft seines Vertrauens kam. Als er wieder rauskam, hatte er für sparsame 16,90 Euro eingekauft und fand an der Windschutzscheibe ein Knöllchen von „fair parken“. Radschun: „24,90 Euro soll ich bezahlen, weil ich keine Parkscheibe eingelegt hatte.“ Er habe nicht gewusst, dass das an dieser Stelle jetzt Pflicht sei und habe auch die Schilder nicht wahrgenommen. „Auch im Geschäft hat mich niemand darauf hingewiesen und an die Parkscheibe erinnert.“

Eine schnelle Stornierung im Laden ist nicht vorgesehen

Als er nach dem Einkauf mit dem Zahlschein zurück in den Laden gegangen sei, habe sich dort niemand etwas von seiner Beschwerde angenommen.

Sein Anruf bei „fair parken“, die die Nummer ihrer Service-Hotline deutlich sichtbar auf die Knöllchen drucken, habe dann ergeben, dass die Vertragsstrafe storniert werden kann, wenn der Kunde mit einem Kassenbon nachweisen kann, dass er zu dieser Zeit tatsächlich eingekauft hat und nicht schon häufiger mit dieser Vergesslichkeit „auffällig“ geworden sei.

Das bestätigt Sabine Klaas von Makefield Public Relations in Frankfurt, die die Öffentlichkeitsarbeit für „fair parken“ macht: „Mit einer kulanten Stornierungsregelung kommt ,fair parken‘ Kunden entgegen, die einmal vergessen haben, die Parkscheibe ordnungsgemäß einzulegen. Wenn der betroffene Fahrer nachweisen kann, dass sie oder er zum entsprechenden Zeitpunkt einkaufen war, gibt es klare Kulanzregelungen. Als Nachweis gilt zum Beispiel ein Kassenbeleg des Einkaufs.“

Nach der dreiwöchigen Einführungsphase gibt‘s keine Gnade mehr

Wolfgang Radschun sei offenbar einige Zeit nicht dagewesen, sonst hätte er die Einführungsphase der Parkscheibenregelung erlebt und wäre besser auf die Umstellung vorbereitet gewesen. Sabine Klaas: „Im Rahmen einer mehrwöchigen Einführungsphase erfolgte die Bewirtschaftung des Parkraums schrittweise und dialogorientiert, um allen Beteiligten die Möglichkeit zu geben, sich an die neue Bewirtschaftung zu gewöhnen und Missverständnisse zu vermeiden. So wurden zunächst zwei Wochen lang kostenfreie Hinweiszettel verteilt, um die Parkplatznutzer über die Regelung zu informieren. Anschließend wurde eine Woche lang der reduzierte Betrag in Höhe von 9,90 Euro erhoben und erst nach diesen drei Wochen Einführung wurde der volle Betrag erhoben.“

Durchsagen im Schuhgeschäft erinnern an die Parkscheibenpflicht

Außerdem seien kostenlose Parkscheiben und Informationen durch geschulte Mitarbeiter von „fair parken“ verteilt worden, die über die Hintergründe des Parkraummanagements aufklären.

Die vergessene Parkscheibe kostet jetzt auch an der Beckestraße in Schwerte 24,90 Euro

Zehn Schilder weisen auf dem Parkplatz auf die neue Regelung hin. © Berkenbusch

Im Schuhgeschäft erinnern sogar Durchsagen und ein großer Aufsteller im Eingangsbereich die Kunden an die neue Regelung. Klaas: „Wenn unsere Mitarbeiter sehen sollten, dass ein Autofahrer vergisst, die Parkscheibe einzulegen, weisen sie ihn selbstverständlich darauf hin.“ Nach diesem Schema hat „fair parken“ auch die Parkscheibenregelung bei Rewe und Aldi an der Margot-Röttger-Rath-Straße eingeführt.

Dauerparker sollen vertrieben werden, damit die Kunden Parkplätze finden

Auch dort war es den Geschäftsleuten darum gegangen, Dauerparker von ihren Parkplätzen zu vertreiben und die Stellflächen für ihre Kunden freizuhalten. Dauerparker seien auch an der Beckestraße das Problem gewesen, erklärt Stefanie Kaminsky von der Limberg Immobilienverwaltung und Projektentwicklung in Dortmund, der das Gewerbegrundstück an der Ecke Hagener Straße gehört. „Zunächst haben unsere Mieter Hinweiszettel an die Autofahrer verteilt und darum gebeten, die Kundenparkplätze nicht zu blockieren. Als das nichts genutzt hat, haben wir auf Wunsch der Mieter die Parkplatzbewirtschaftung eingeführt und diese Aufgabe an ,fair parken‘ vergeben.“

Was übrigens immer noch nicht alle Dauerparker davon abhalte, den Parkplatz für längere Zeiträume zu nutzen.

Verärgerter Kunde will Einkauf demnächst im Internet erledigen

Auch beim Grundstückseigentümer weist man darauf hin, dass es Kulanzregelungen für Kunden gebe. Wolfgang Radschun findet es nicht kundenfreundlich, dass man Belege kopieren und verschicken oder per E-Mail versenden muss. „Ich hätte mir gewünscht, dass man das im Laden unbürokratischer regeln kann“, kritisiert der Dortmunder, der gleichzeitig verspricht, wegen des aggressiven Vorgehens gegen vermeintliche Parksünder das Schuhgeschäft nie wieder betreten zu wollen: „So kann man Kunden auch vergraulen und zu den großen Internet-Händlern treiben.“

Sich „fair parken“ zu nennen und stolze 24,90 Euro für das Vergessen einer Parkscheibe zu berechnen, stellt für den Dortmunder ein zusätzliches Ärgernis dar. Bei der Limberg GmbH kennt man den Vorwurf der Abzocke. Stefanie Kaminsky: „Es gibt verschiedene Dienstleister, und alle bewegen sich in etwa im gleichen Niveau.“

Der Grundstücksbesitzer verdiene im übrigen nichts an den Knöllchen. Er verschaffe lediglich seinen Mietern die Möglichkeit, ihren Kunden als Serviceleistung Parkplätze vor der Tür anbieten zu können.

Kostspielige Vertragsstrafen für Parker sind in Mode

Die Rechtslage

  • Ein Parkplatz-Eigentümer hat das Recht, eigene Regeln auf seinem Grundstück aufzustellen. Diese müssen gut sichtbar sein.
  • Mit der Benutzung des Parkplatzes geht der Autofahrer einen Vertrag ein. Deshalb gilt die Missachtung der Regeln auch als Vertragsbruch und nicht als Ordnungswidrigkeit. Fällig wird eine Vertragsstrafe und kein Bußgeld.
  • Verkehrsrechtler vertreten den Standpunkt, dass sich die Vertragsstrafe am Bußgeldkatalog der jeweiligen Stadt orientieren muss. Die Stadt Schwerte ahndet das Vergessen der Parkscheibe mit 10 Euro. Bei „fair parken“ kostet‘s 24,90 Euro, das sind 150 Prozent mehr.
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