Mit leichten Erkältungssymptomen sollen in Schwerte keine Kinder nach Hause geschickt werden. Es gibt aber den Appell des Jugendamtes, kranken Kinder nicht in Schule oder Kita zu bringen. © picture alliance/dpa/dpa Themendienst
Coronavirus

Die Erkältungszeit ist wieder da – Schwerter Ärztin: „Die Pandemie hat viele verunsichert“

Die Erkenntnis ist etwas seltsam: Es gibt neben Corona noch andere Krankheiten. Eine vergessen geglaubte ist wieder da: die Erkältung. Dabei sei die Welle gar nicht so ausgeprägt wie in früheren Jahren.

Schutzmasken helfen nicht? Von wegen. Die gefiltert eingeatmete Luft und reduzierte zwischenmenschliche Kontakte über Wochen haben in den vergangenen Monaten Erkältung und Grippe effektiv verhindert.

Die Erkenntnis machte bereits im Mai die Runde, als bekannt wurde, dass klassische Infektionskrankheiten wie Masern oder Windpocken stark zurück gegangen waren. Doch jetzt ist es deutlich zu spüren.

Denn kaum sind die Corona-Maßnahmen lockerer, sind die Wartezimmer der Hausärzte wieder voll. Mit Patienten, die Erkältungs-Symptome haben. Das ist der Eindruck, den viele haben.

Vor allem Kinder scheinen von der Erkältungswelle betroffen zu sein. Da stehen Eltern vor der Frage, ob sie ihre kranken Kinder in die Kita schicken können.

Erkältete Kinder werden nicht abgewiesen

In Schwerte gibt es dazu keine aktualisierten Regeln für Kitas oder Grundschulen. Das Jugendamt der Stadt Schwerte verweist laut Stadtsprecher Ingo Rous aber auf den bestehenden Appell des Landes-Familienministeriums.

Demnach sollten Eltern Kinder mit Krankheitssymptomen zuhause lassen und einen Corona-Test machen lassen. Erkältete Kinder werden aber in der Regel nicht abgewiesen.

Im Paulus-Kindergarten zum Beispiel wird vor allem bei schweren Erkältungen geraten, die Kinder zuhause zu lassen, berichtet eine Mitarbeiterin, damit sie sich in Ruhe auskurieren können.

Die Schwerter Hausärztin Beate Bressen glaubt, dass die Erfahrungen mit der Corona-Pandemie viele Menschen verunsichert haben und dass die Erkältungswelle eigentlich nicht so ausgeprägt ist wie in früheren Jahren.

„Viele Patienten berichten, dass sie schräg angeschaut werden, wenn sie am Arbeitsplatz niesen und husten.“ Dann geht es besser schnell zum Arzt.

Deshalb haben die meisten Erkältungspatienten, die zu ihr kommen, meistens bereits einen betrieblichen Schnelltest machen lassen, um zumindest eine Corona-Infektion auszuschließen.

Beim Kinderarzt sieht es allerdings anders aus. „Wir haben eine heftige Erkältungswelle, weil die Kinder ja jetzt wieder alle zusammen sind“, sagt Heinrich Wiggermann. Im vergangenen Jahr gab es ja praktisch keine Gelegenheit, sich anzustecken. In seiner Praxis seien in diesem Jahr besonders viele Fälle. Wir behandeln hier teilweise bis 21 Uhr.

Nasenspray ist gefragt

Auch Apothekerin Heike Nickolay kann nicht bestätigen, dass es unter ihren Kunden überdurchschnittlich viele Erkältete gibt. Sie wundert sich über die Wahrnehmung ihrer Mitmenschen: „Es hat ja schon früher Erkältungen gegeben“, sagt sie ironisch. Nur im Jahr 2020 sei die Erkältungszeit komplett ausgefallen.

„In dem Jahr war der Markt für Erkältungsmedikamente praktisch tot“, erinnert sie sich. Die aktuelle Erkältungswelle habe noch lange nicht das Ausmaß früherer Jahre. Nur eines hat sie bislang feststellen können: „Nasenspray wird wieder mehr nachgefragt als im Jahr 2020.“

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Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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