Der Aushilfsglöckner von Geisecke ist in Schwerte kein Unbekannter

dzGlockenläuten

In Coronazeiten sollen die Kirchenglocken abends gleichzeitig läuten. In Geisecke gibt es aber kein automatisches Läutwerk - da sprang ein bekannter Schwerter als Glöckner ein.

von Martin Krehl

Geisecke

, 12.04.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alles eine Frage der Technik: Nicht zu fest, nicht zu sanft, aber rhythmisch mit exakt 40 Zügen pro Minute – Peter Blaschke hätte sich vor ein paar Wochen nicht träumen lassen, dass er das Kirchenglocken-Läuten mal so gut beherrscht.

Als in diesen Corona-Tagen alle Kirchenglocken gleichzeitig abends zum Zusammenhalten mahnen sollten, sprang er als Aushilfsglöckner im Schwerter Ortsteil Geisecke ein.

Kirchturm wurde 1936 eingeweiht

Im Kirchturm der 1936 eingeweihten St. Antonius-Kirche gibt es nämlich keine Geläut-Automatik, nicht mal einen hauptamtlichen Küster gibt es. „Ich habe in der Zeitung gelesen, dass alle Glocken läuten sollen, also muss es doch auch im Ortsteil Geisecke läuten“, erinnert sich der 52-Jährige an den Start seiner ungewöhnlichen Arbeit.

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In Schwerte ist Peter Blaschke bestens bekannt, der passionierte Sonnenbrillenträger mit dem Dutt auf dem Hinterkopf arbeitet für das Schwerter Netz und als Streetworker, als sogenannter „Quarterback“ für den Verein für soziale Integrationshilfen (VSI) Schwerte, vorwiegend in der Jugendszene, ist aber auch ein Rock-Musiker.

Mit St. Antonius in Geisecke hatte Blaschke eher wenig zu tun. „Seine“ Kirche ist St. Christophorus im entgegengesetzten Schwerter Stadtteil Holzen, dort ist er aufgewachsen.

Normalerweise nur noch alle 14 Tage ein Gottesdienst

Damit die Geisecker Gemeinde auch jeden Abend an den notwendigen Zusammenhalt in diesen ungewöhnlichen Zeiten erinnert wird, sprang Blaschke in die Bresche. In St. Antonius findet in normalen Zeiten 14-tägig samstags nachmittags noch eine Messe statt, alternierend eine Wortgottesfeier, ansonsten steht das architektonisch interessante Kirchlein weitgehend ungenutzt im Geisecker Unterdorf. Die Glocke wird selten genutzt.

Pfarrbezirk in Geisecke ist klein geworden

Die Gemeinde im Pfarrbezirk Geisecke ist klein geworden, viele ältere Menschen treten wegen der Virusgefahr schon lange nicht mehr vor die Haustür. Jeden Abend verlässlich und pünktlich wie prozessorgesteuert läuten wollte und konnte eigentlich niemand.

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Peter Blaschke bekam den Kirchenschlüssel in treue Hände und nur knappe Anweisungen: „Die ersten beiden Tage waren Learning-by-doing, das kann einem ja auch keiner beibringen, das muss man mit Gefühl machen“, hat Blaschke erfahren und erlebt. Der Glöckner muss sich dem Rhythmus der Glocken anpassen, hat der Rock-Musiker Blaschke gelernt.

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