Das nächste Traditionsgeschäft in der Schwerter Fußgängerzone schließt

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Im Oktober wurde noch groß das 100-jährige Jubiläum mit Musik und Zuckerwatte gefeiert. Jetzt verliert die Schwerter Fußgängerzone ihr nächstes Traditionsgeschäft. Am Umsatz liegt es nicht.

Schwerte

, 02.12.2019, 17:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Zeit läuft ab für ein weiteres Traditionsgeschäft in der Fußgängerzone. 100 Jahre lang war Uhren Paul für die Schwerter eine erste Adresse für Uhren und Schmuck. Ende Oktober wurde in und vor dem Ladenlokal an der Hüsingstraße 14 noch groß Jubiläum gefeiert mit Live-Musik, Popcorn und Zuckerwatte.

Jetzt kündigen Plakate auf einem Aufsteller und neben dem Schaufenster die Schließung zum 31. Dezember an.

Nebenberuflich war der Betrieb nicht mehr zu stemmen

„Es geht leider nicht mehr anders“, sagt Johannes Paul (32), der das Geschäft nach dem plötzlichen Tod des Vaters zehn Jahre lang gemeinsam mit seinen drei Geschwistern weitergeführt hatte. Nebenberuflich, denn im Hauptberuf schlugen alle Vier andere Wege ein.

Und beides ließ sich auf Dauer nicht mehr vereinbaren, auch wenn die Entscheidung jetzt schwer fiel. „Jeder von uns hat immer mehr Verantwortung in seinem Hauptberuf“, erklärt Johannes Paul, der selbst als Elektrotechniker-Meister tätig ist. Und geeignete Mitarbeiter zu finden, um den Betrieb aufrechtzuerhalten, sei kaum noch möglich gewesen - der Fachkräftemangel macht sich nicht nur bei Tierarztpraxen und Metzgereien immer deutlicher bemerkbar.

Als dritter Grund kam schließlich noch dazu, dass sich der Markt durch zunehmenden Kauf im Internet verändert.

Das nächste Traditionsgeschäft in der Schwerter Fußgängerzone schließt

Auf die letzten Runden geht die Modelleisenbahn im Schaufenster, die jedes Jahr zur Weihnachtszeit um die Uhren und Schmuckstücke von Uhren Paul kreiste. © Reinhard Schmitz

Nach 100 Jahren Familientradition wird der Abschied für die Geschwister Paul emotional. Alle haben einen großen Teil ihrer Kindheit in der Werkstatt verbracht, wo ihr Vater Hans-Georg Paul sich als Uhrmachermeister noch auf alle Reparaturen verstand. Nach seinem Tod mussten die bei den Herstellern in Auftrag gegeben werden. Der Verkauf von Uhren - überwiegend Armbanduhren - teilt sich den Umsatz etwa zu gleichen Teilen mit Schmuck, vorrangig aus dem Trendbereich.

Suche nach einem Nachfolger für den Betrieb gestaltet sich schwierig

Ganz anders als in den Anfangjahren kurz nach dem Ersten Weltkrieg, als Gründer Karl Paul noch alte Schmuckstücke zu neuen Trauringen eingeschmolzen hat. Mittlerweile ist die vierte Generation am Ruder. Johannes Paul würde sich freuen, wenn ein Nachfolger den Betrieb weiterführen würde - doch die Suche sei schwierig. Bleibt sie ergebnislos, soll das im Besitz der Familie befindliche Ladenlokal anderweitig vermietet werden.

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Mit 40-prozentigen Rabatten hat am Samstag der Räumungsverkauf begonnen. „Wir wollten keine komplizierte Abstufung machen“, sagt Johannes Paul - also nicht jede Woche einen größeren Rabatt gewähren, bis zum Jahresende hoffentlich die Vitrinen leer sind. Ihre letzte Runden dreht bis dahin die Modelleisenbahn im Schaufenster. Sie gehörte als Schwerter Institution seit ewigen Zeiten zum Advent dazu.

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