Ein 45-Jähriger hatte sich nach einem Familienstreit in einem Wohnmobil verschanzt. Das SEKholte den Mann aus dem Fahrzeug und konnte ihn unverletzt festnehmen. © Reinhard Schmitz (A)
Jahresrückblick 2020

Das Jahr 2020 in Schwerte: Wie der Salzkönig ein weiteres Mal für Schlagzeilen sorgte

Dreimal hallte an einem Dienstagmorgen im Februar 2020 ein Knall durch den Rosenweg in Holzen. Das SEK musste ein Wohnmobil öffnen, in dem sich ein Schwerter verschanzt hatte.

Gewaltsam hatte das Sondereinsatzkommandos (SEK) die Tür des riesigen Wohnmobils geöffnet, in dem sich ein 45-jähriger Schwerter nach einem Familienstreit verschanzt hatte. Zerbeultes Blech und die zersplitterte Verkleidung der Tür zeugten von der Wucht des Angriffs.

Anschließend habe der Mann unverletzt aus dem Fahrzeug geholt werden können, neben dem ein Rettungswagen in Bereitschaft stand. Er sei in die Psychiatrie eingewiesen worden.

Familiäre Streitigkeiten führten zu SEK Einsatz

Damit endete ein Familiendrama, das am frühen Morgen begonnen hatte. Wie Nachbarn berichteten, sei der Mann offensichtlich von seiner Frau nicht ins Haus gelassen worden. Ähnliches hätten sie auch schon in den vergangenen Tagen erlebt. Doch an jenem Dienstagmorgen muss die Auseinandersetzung eskaliert sein. Die Familie habe die Polizei gerufen, sagte Polizei-Sprecherin Vera Howanietz.

Grund seien „verbale familiäre Streitigkeiten“ gewesen. Als die Beamten eintrafen, wurden sie von dem Mann mit einem Gasbrenner angegriffen. Anschließend verschanzte er sich in seinem riesigen Wohnmobil, das an der Einmündung Luisenstraße auf dem Seitenstreifen parkte. Nachbarn hörten immer wieder die Aufforderungsrufe, doch herauszukommen und sich zu ergeben – vergeblich.

Polizei sperrte den Bereich weiträumig ab

Die Polizei konnte nicht ausschließen, dass die Situation auch für die Bewohner umliegender Häuser gefährlich werden könnte. Manche ließen vorsorglich die Rollläden wieder herunter. Draußen wurde der Bereich weiträumig abgeriegelt.

Die erste Sperre stoppte Autos schon an der Einmündung der Friedrich-Hegel-Straße, ab der Einmündung Zum Großen Feld durften dann nicht einmal mehr Fußgänger weitergehen. Nur auf Schleichwegen, durch den Hinterausgang im Keller, konnten manche Anwohner zum Arbeitsplatz gelangen. Auch LKW und ein Gelenkbus der Linie C32 steckten fest.

Erst als nach der Festnahme auch noch der Kofferraum des Wohnmobils untersucht war, wurde der Verkehr wieder freigegeben. Kurz darauf rollte ein Abschleppwagen vor, um das Wohnmobil sicherzustellen.

Mann war polizeibekannt

Der Mann soll kein Unbekannter sein. Und zwar nicht nur bei der Polizei, die ihn als „polizeibekannt“ in ihrer Pressemeldung einstufte. Es handelte sich um einen Mann, der auch in den Medien immer wieder für Schlagzeilen sorgte.

Begonnen hatte alles Anfang 2010. Es war ein überraschend harter Winter, in dem das Streusalz knapp wurde. Der Tankstellenpächter aus Dortmund hatte aber offensichtlich eine Quelle für Streusalz und verkaufte es auf dem Gelände seiner Tankstelle säckeweise, als die Supermärkte schon längst passen mussten.

Und er vermarktete sich selbst, lud Medien ein und schaffte es sogar in die Regionalnachrichten im Fernsehen. Schon damals residierte er in seinem Wohnmobil und gab dort Pressekonferenzen als Salzkönig.

Salzpartys und Merchandising

Der Andrang aus ganz NRW sorgte aber für Ärger mit Nachbarn und Behörden. Zumal der Mann Salzpartys ausrichtete und Merchandising-Artikel im Angebot hatte. Als die Polizei eingriff, beleidigte er die Beamten hart. Später wurde er deshalb zu einer Geldstrafe verurteilt. Später verlegte er dann die Geschäfte von seiner Tankstelle im Dortmunder Süden ins Eisenbahnausbesserungswerk in Schwerte-Ost, wo er eine Halle besitzt.

Dort offenbarte sich dann wieder die andere Seite des findigen Geschäftsmannes: Eine benachbarte Firma hatte ihren LKW auf einem Weg geparkt, der zum Grundstück des Geschäftsmannes gehörte. Es kam zum Streit, ob der Mann dort Wegerecht habe oder nicht.

Mann wurde in eine psychiatrische Einrichtung gebracht

Im Verlauf dieses Streites schlug der Salzkönig nach Angaben der Polizei mit einer Axt auf das parkende Fahrzeug ein, rammte es dann mit einem Gabelstapler frontal und schob es weg. Später wurde der Mann für den Vorfall verurteilt.

Aber der Tankstellenpächter hatte es in Schwerte-Ost auch nicht leicht: Nur wenige Monate zuvor war bei der Polizei ein Hinweis eingegangen, ein Teil des Salzes in der Halle sei radioaktiv verseucht. Strahlenschutz, Polizei und Feuerwehr kamen mit großen Schutzmaßnahmen, untersuchten das Gelände und die Mitarbeiter, letztlich erfolglos.

Mit der Tat in Holzen hat das aber nichts zu tun. Der ging nach Angaben der Polizei ein schon länger andauernder Familienstreit voraus. Am Ende wurde der Mann von der Polizei unverletzt überwältigt und in eine psychiatrische Einrichtung gebracht.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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