Der Absturz eines Ultraleichtflugzeugs auf dem Segelflugplatz Rheinermark erschütterte die Ruhrstadt. © Reinhard Schmitz (A)
Jahresrückblick 2020

Das Jahr 2020 in Schwerte: Flugzeug-Absturz kostet Piloten das Leben

Ein erfahrener Pilot starb im August 2020 auf dem Segelflugplatz Rheinermark. Das abgestürzte Flugzeug war nahezu senkrecht auf den Boden geprallt. Es war vermutlich Hilfsbereitschaft, die ihn das Leben kostete.

Diese Nachricht erschütterte Schwerte. Auf dem Flugplatz Rheinermark zwischen Iserlohn und Schwerte starb am 5. August 2020, einem Mittwoch, der Pilot beim Absturz eines Ultraleichtflugzeugs.

Vertreter der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung waren schnell vor Ort, um weitere Untersuchungen an der Unfallstelle zu tätigen. Deren Bericht lässt eine tödliche Tragik erahnen.

Suche nach einem Vorseil

Dem Unfall auf der Rheinermark war demnach ein anderes Ereignis vorausgegangen. Laut Zeugen – so heißt es in dem Papier – sei beim Start eines Segelflugzeuges per Seilwinde das Seil gerissen.

Es wurde vermutet, dass das sogenannte Vorseil, ein etwa drei Meter langes ummanteltes Stahlseil, südlich des Flugplatzes zu Boden gefallen sei: „Der Pilot habe sich angeboten, nach dem Vorseil zu suchen.“ Dabei nahm er einen Passagier mit, der ihm gesagt habe, wo sich das Vorseil befinden könnte. Dieser Mann überlebte den Absturz schwer verletzt.

Flugzeug kippte über die rechte Tragfläche ab

Gegen 10.25 Uhr an jenem Unglückstag hob das Ultraleichtflugzeug von der Startbahn auf der Rheinermark ab. Die Zeugen hörten normale Triebwerksgeräusche und schilderten, wie sich die Maschine nach einer Linkskurve in etwa 40 bis 70 Metern Höhe zunächst parallel zum Flugplatz bewegte.

Als sie etwa in Platzmitte eine erneute Kurve beschrieb, passierte es demnach: Das Fluggerät kippte über die rechte Tragfläche ab und prallte nach einem „spiralsturzähnlichen Flugzustand“ mit einer 270-Grad-Drehung um seine Längsachse auf die Graspiste.

„Der Begleiter gab an, dass er den Piloten unmittelbar vor dem Abkippen auf die geringe Fluggeschwindigkeit aufmerksam gemacht habe, aber eine Reaktion des Piloten habe es nicht mehr gegeben“, heißt es in dem Bericht weiter. Der 57-Jährige hatte weit mehr als den Luftfahrerschein für Sportflugzeuge: „Der Pilot war beruflich als Verkehrsflugzeugführer tätig.“

Pilot hatte viel Erfahrung

Er besaß die Lizenz, als verantwortlicher Pilot gewerbliche Flugzeuge mit mehrköpfiger Besatzung zu steuern – verbunden mit einer Berechtigung für die McDonnell-Douglas MD11, ein dreistrahliges Großraum-Langstreckenflugzeug.

Laut Internet-Lexikon Wikipedia wurde dieser Typ 200-mal gebaut und vor allem als Frachtflugzeug eingesetzt, unter anderem von Lufthansa Cargo. Um die Verkehrspilotenlizenz zu erwerben, muss man nach derselben Quelle mindestens 1500 Flugstunden nachweisen, ein Drittel davon auf Verkehrsflugzeugen.

Große Erfahrungen hatte der Pilot dem Bericht zufolge aber auch auf kleinen Maschinen: 513 Stunden auf einmotorigen Flugzeugen, 347 Stunden auf Segelflugzeugen und 133 Stunden auf Ultraleichtflugzeugen.

Am Unglückstag steuerte er ein Ultraleichtflugzeug vom Typ Savage des tschechischen Herstellers Zlin Aviation, Baujahr 2014. Dieses Modell habe er laut persönlichem Flugbuch zuvor schon 5:33 Stunden gesteuert, verbunden mit 42 Starts und Landungen.

Rettungssystem teilausgelöst

Das Gutachten schildert, wie die Savage „nahezu senkrecht auf den Boden geprallt“ war. Das Rettungssystem habe teilausgelöst dagelegen: „Die Hülle des Fallschirms befand sich im Packschlauch, die Rakete war ausgebrannt.“ Die beiden Auslösegriffe hätten sich vollständig in ihren Halteblöcken befunden, lediglich der vordere von ihnen sei entsichert gewesen.

In welcher Stellung sich die übrigen Hebel und Schalter im Cockpit zum Zeitpunkt des Absturzes befanden, konnte nicht mehr ermittelt werden. Die Zerstörungen waren zu groß, weil für die Bergung der Insassen die Wand herausgetrennt werden musste.

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Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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