In Gedenken an die beim Brand des Affenhauses im Krefelder Zoo umgekommenen Tiere fuhr Gerhard Rettig mit einem Affen auf dem Dach seines Opel Agila durch Schwerte. Er hatte ihm einen Trauerflor umgelegt. © Reinhard Schmitz
Jahresrückblick 2020

Das Jahr 2020 in Schwerte: Das Auto mit dem Affen auf dem Dach

Warum sollte man als Journalist immer eine Kamera dabei haben?

Was macht denn der Affe auf dem Autodach? Passanten drehten ihre Köpfe, machten große Augen, als der rote Opel Agila im Januar durch die Straßen von Schwerte kreuzte.

Über jede Pkw-Schlange hinweg schaute ihnen der große Plastik-Gorilla in die Augen, der seinen Platz mitten über der Windschutzscheibe eingenommen hatte. Wer die Überraschung überstanden hatte, dem fiel ein Detail am Affen auf: ein schwarzes Bändchen, das über der Fellimitation des Affen im Fahrtwind flatterte. „Er trägt einen Trauerflor“, erklärte Besitzer Gerhard Rettig.

Erinnerung an Tragödie im Krefelder Zoo

Damit wollte er an die Tragödie im Krefelder Zoo erinnern. Dort waren am Neujahrsmorgen 2020 bei einem Großfeuer über 30 Affen bei lebendigem Leibe verbrannt – darunter auch zwei Flachlandgorillas. Ausgelöst wurde das Unglück vermutlich durch das Aufsteigenlassen von verbotenen Himmelslaternen. Charly, wie Gerhard Rettig seinen Begleiter nannte, trauerte um seine Artgenossen. Und wollte das der ganzen Stadt zu zeigen.

Ohne seinen Gorilla mochte der Besitzer nicht mehr unterwegs sein. Die beiden waren schon seit Langem zusammen unterwegs. „Ich liebe die Tiere, seitdem ich die Menschen kenne“, sagte der 72-Jährige, der seine Kindheit in der DDR verbracht hat.

Verwarnung wegen mangelhafter Ladungssicherung

Charly blieb nicht lange auf dem Dach des Autos. Dem Fahrer wurde die Aktion zu teuer. Denn jedes Mal, wenn die Polizei dem Wagen begegnete, wurden 25 Euro wegen mangelhafter Ladungssicherung fällig.

Die Figur sei unzureichend befestigt und nicht gegen Herunterfallen gesichert gewesen, so die Polizei – ein Verstoß gegen den Paragrafen 23 der Straßenverkehrsordnung, der eine vorschriftsmäßige Sicherung der Ladung fordert. Die Folge: eine schriftliche Verwarnung und Ordnungswidrigkeits-Anzeige.

„Das ist ein Witz“, sagte Gerhard Rettig. Der Affe wiege vielleicht ein Kilo und sei mit einem Gurt an der Dachreling befestigt, mit dem man auf einem Lkw eine 2-Tonnen-Ladung abspannen könne. Deshalb holte sich der Schwerter noch einmal Rat beim Technischen Überwachungs-Verein (TÜV).

Kein grünes Licht vom TÜV

Aber auch hier erhielt er kein grünes Licht. An der Dachreling dürfe man zwar einen Querträger für einen Dachgepäckträger befestigen, habe es geheißen: „Aber darauf darf ich den Gorilla nicht befestigen – einen Karton dagegen ja.“

Erst einmal werde er den Affen dann auf den Beifahrersitz setzen, kündigte Gerhard Rettig deshalb an. Dort könne er ja – mit der Scheibe festgeklemmt – seinen Kopf zum Herausschauen aus dem Seitenfenster halten. Dabei musste Rettig aber darauf achten, die zulässige Gesamtbreite des Autos von 2,55 Metern nicht zu überschreiten.

Figur eingeschlagen und zerbrochen

Dazu kam es aber nicht mehr. Nur wenige Tage, nachdem die Geschichte über den Affen auf dem Autodach die Runde gemacht hatte, passierte es. Nach einem Einkauf kam Rettig zu seinem Wagen zurück und fand den Affen zerstört vor.

Jemand hatte auf die Figur eingeschlagen und sie zerbrochen. Danach war Charly in Schwerte nicht mehr zu sehen. Gerhard Rettig wollte ihn zwar reparieren. Doch aufs Autodach kam der Affe nicht mehr.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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