Bund und Länder haben neue Zugangsbeschränkungen für den Einzelhandel beschlossen. © Bernd Paulitschke
Einzelhandel

Corona-Regeln im Einzelhandel: „Das grenzt an Wettbewerbsverzerrung“

Bund und Länder haben vereinbart, dass die Quadratmeter-Regel für große Läden verschärft wird. IHK-Geschäftsführer und der Vorsitzende der Schwerter Werbegemeinschaft sind geteilter Meinung.

Nur noch mit Einkaufswagen oder Korb ins Geschäft oder Warteschlangen mit Sicherheitsabstand vor den Geschäften – mit den neuen Beschlüssen der Bundesregierung wird das auch weiterhin so bleiben.

Empfohlen wird den Betrieben zudem, nach den Weihnachtstagen zu schließen. Geplant sind die neuen Regeln zunächst bis Ende des Jahres. Im Einzelhandel finden die Maßnahmen nur teilweise Anklang.

Weihnachtsgeschäft ist besonders wichtig

Eine Schließung zwischen den Jahren, wie es Bundeskanzlerin Angela Merkel Betrieben empfohlen hat, ist im Schwerter Einzelhandel keine Option. „Momentan ist jeder Tag mit Umsatz wichtig für die Kompensierung der Ausfälle“, sagt Ulf Wollrath, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer in Dortmund. „Gerade die Tage nach Weihnachten sind für den Einzelhandel normalerweise besonders ertragreich.“

Peter Rienhöfer, Vorsitzender der Schwerter Werbegemeinschaft, sieht das ähnlich: „Nach Weihnachten haben die Leute Zeit und durch Geschenke die finanzielle Möglichkeit zum Einkaufen. Gerade jetzt wäre eine Schließung für die Schwerter Händler fatal.“

Die Werbegemeinschaft hatte sich aus Sicherheitsgründen gerade erst gegen einen verkaufsoffenen Sonntag am ersten Advent entschieden.

„Wir haben hier eine Ungleichbehandlung“

Auch die Quadratmeter-Regelung für größere Läden wird verschärft. Laut Beschluss ist in Läden unter 800 Quadratmetern ein Kunde auf zehn Quadratmetern erlaubt – bei größeren Geschäften ab 800 Quadratmetern ist dagegen nur ein Kunde auf 20 Quadratmetern erlaubt. Der Drogeriemarkt dm durfte auf einer Verkaufsfläche von 857 Quadratmetern bisher 85 Kunden zeitgleich einlassen – ab sofort nur noch 82.

Peter Rienhöfer, Vorsitzender der Schwerter Werbegemeinschaft, kann die Regelungen zum Teil verstehen.
Der Dortmunder IHK-Geschäftsführer Ulf Wollrath kann die neue 20er-Regel für den Einzelhandel nicht nachvollziehen. © Jessica Will © Jessica Will

„Der neue Beschluss grenzt schon an Wettbewerbsverzerrung“, beschwert sich Wollrath über die neuen Maßnahmen. „Wir haben hier eine Ungleichbehandlung der verschiedenen Läden und Branchen.“ Nach Wollrath fiele es größeren Geschäften ohnehin einfacher, ihre Kunden zu trennen und Hygienekonzepte aufzustellen. „Es ist klar, dass in der jetzigen Lage etwas passieren muss, aber wirklich durchdacht ist diese Maßnahme nicht.“

Peter Rienhöfer, Vorsitzender der Schwerter Werbegemeinschaft, kann die Regelungen zum Teil verstehen.
Peter Rienhöfer, Vorsitzender der Schwerter Werbegemeinschaft, kann die Regelungen zum Teil verstehen. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Peter Rienhöfer kann die harten Beschlüsse für größere Geschäfte teilweise verstehen: „Ich kann den Gedanken, dass die Kundentrennung in größeren Geschäften schwieriger ist, schon nachvollziehen. Sind Geschäfte in unterschiedliche Abteilungen unterteilt, kann es eher zu Ansammlungen auf engem Raum in einzelnen Bereichen kommen.“ In Schwerte seien die Händler, ob groß oder klein, seiner Auffassung nach unabhängig der geltenden Maßnahmen ohnehin sehr stringent mit der Einhaltung der Hygieneregeln.

Günther Filips, Inhaber des Rewe-Markts am Bahnhof, bleibt dagegen gelassen: „Wenn die Regelung so wie geplant gestaffelt abläuft, sind die Einbußen der Kundenzahlen zu verkraften.“ Da die Maßnahmen so kurzfristig bekannt gegeben wurden, wolle Rewe zunächst prüfen, wie weiter vorgegangen werde.

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Freier Mitarbeiter
Student für Sozialwissenschaft und Philosophie – gebürtiger Schwerter und Wahl-Dortmunder. Immer interessiert an Menschen aus dem Ruhrgebiet und ihren Geschichten.
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Felix Mühlbauer

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